Vergleich Honda CBR600RR, Kawasaki ZX-6R, Suzuki GSX-R600 und Triumph Daytona

Vergleich Honda CBR600RR, Kawasaki ZX-6R, Suzuki GSX-R600 und Triumph Daytona


I like to move it, move it

Motorradtesten ist an sich schon keine wirklich schlimme Tätigkeit. Wenn es sich bei den Testkandidaten dann auch noch um 600er Supersportler handelt, kriegen die Testfahrer das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Zum Vergleich treten Honda CBR600RR, Kawasaki ZX-6R, Suzuki GSX-R600 und Triumph Daytona an. Alle mindestens mit 120 PS und nicht über 200 kg Gewicht. Das Grinsen wird breiter.

Eckdaten

Fangen wir mit der Honda an. Reihenvierer, 599 Kubik, 120 PS und 184 kg voll getankt. Die CBR600RR gibt es als einzige optional mit ABS, kostet allerdings 1.000 Euro Aufpreis. Die Testmaschine ist eine Limited Edition, die 12.090 Euro kostet. Die Limited Edition kostet 300 Euro mehr als die Standardversion und ist nicht mit ABS zu haben. Die Kawasaki ZX-6R hat ebenfalls einen Reihenvierer, 599 Kubik, kommt auf 128 PS und wiegt 191 kg. Für den Erwerb der ZX-6R sind 11.595 Euro fällig. Welch Überraschung: auch die Suzuki GSX-R600 hat einen Reihenvierer mit 599 Kubik. Sie kommt auf 125 PS und 196 kg Gewicht. Der Preis für die GSX-R600 liegt exakt bei 11.290 Euro. Abwechslung bringt die Triumph Daytona ins Spiel: 3-Zylinder-Reihe mit 675 Kubik, 125 PS und 186 kg Gewicht. Für die Daytona verlangt Triumph 11.240 Euro.

Kawasaki ZX-6R 01

Motor

600er-Supersportler sind als Drehorgeln verschrien. Natürlich liegen die Spitzenleistungen aller Testteilnehmer deutlich jenseits der 10.000 Umdrehungen. Dennoch sind alle voll Alltagstauglich und sorgen auch ohne Drehzahlorgie für ordentlichen Vortrieb. Die Motorenwertung geht eindeutig an die Triumph Daytona. 75 Kubik sorgen für mehr Kraft im unteren Drehzahlbereich und geben der Konkurrenz das Nachsehen. Die Leistung steht einfach früher zur Verfügung, die Daytona hängt unglaublich gut am Gas. Dazu verwöhnt die Triumph mit einem Wahnsinnssound. Schon bei verhaltenem Dreh am Gasgriff röchelt die Daytona aus der Airbox dass es eine wahre Wonne ist. Bei voller Beschleunigung summieren sich Ansaugtrakt und Auspuffsound zu einem wohligen Inferno. Die Reihenvierer der Konkurrenz fallen da etwas ab. Nicht das man mit ihnen langsamer unterwegs wäre, aber die Performance der Triumph erreicht keine. Wie nicht anders zu erwarten, fällt die Leistungsentfaltung der Japaner ähnlich aus.

Triumph Daytona 01

Der Motor der Kawasaki ZX-6R läuft seidenweich und dreht turbinenhaft nach oben. Die Leistungsentfaltung ist sehr gleichmäßig, was der Kawasaki zu einer wunderbaren Gasannahme verhilft. Auch der Sound erinnert an eine Turbine. Recht ähnlich präsentiert sich die Suzuki GSX-R600. Auch sie liefert ihre Leistung sehr dosiert und mit feinen Manieren ab. Die Gasannahme setzt ebenfalls weich ein, im Vergleich zur ZX-6R aber etwas verzögert. Dafür kommt die GSX-R600 in Sachen Sound der Daytona sehr nahe. Wie die Daytona röchelt die GSX-R600 wunderbar aus dem Ansaugtrakt und nimmt damit in der Soundwertung den 2. Platz ein. Bleibt die Honda CBR600RR. Die läuft im Vergleich zur Konkurrenz nicht ganz so seidenweich, hat über den gesamten Drehzahlbereich einen rauen Unterton. Auch in der Gasannahme lässt die CBR es an Manieren vermissen. Sofort geht die Honda hart ans Gas, hier wäre weniger mehr.

Sitzposition/Ergonomie

Eines vorneweg. Wir fahren hier Supersportler, keine Megatourer. Eine sportliche Sitzhaltung ist natürlich Programm. Doch gibt es auch in dieser Kategorie große Unterschiede. An der Spitze liegt die Suzuki, da waren sich die Tester (ausnahmsweise) mal alle einig. Sportlich, aber nicht zu extrem, bequemer Sitz, die Fußrasten hoch aber gut positioniert. Auch die Kawasaki ZX-6R bietet insgesamt eine gute Ergonomie, kriegt aber Punktabzüge für die harte Sitzbank. Die Honda CBR600RR hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Der Autor fühlte sich nicht wirklich wohl. Ihm waren die Handgelenke zu stark belastet und der Kniewinkel passte auch nicht so richtig. Der Rest der Testmannschaft war durchweg zufrieden. Einigkeit herrschte dann wieder bei der Triumph Daytona.

Sie bekam für die extreme Sitzposition die rote Laterne verpasst. Das Heck sehr hoch und der Lenker sehr tief ergibt die mit Abstand sportlichste Ergonomie. Auf der Rennstrecke mag dies ja passen, auf der Landstraße ist es auf Dauer einfach nur anstrengend. Bei der Bedienung und den Instrumenten sind alle 4 Kandidaten auf gleich hohem Niveau. Da ist es reine Geschmacksache was besser gefällt. Keine Geschmacksache sind die Beifahrerplätze. Hier stellt sich die Frage ob die kleinen Polster oder die hoch montierten Fußrasten schlimmer sind.

Honda CBR600RR 06

Auf der Straße

Jetzt schlägt die große Stunde. Auf dem Programm stehen Landstraßen aller Gattungen. Von der gut ausgebauten kurvigen Bundesstraße bis zu kleinen und engen Holperpisten. Das breite Grinsen der Tester erreichte definitiv den Höhepunkt. Die Möglichkeiten der 600er Supersportler lassen sich auf der Landstraße nicht ausloten, zu hoch liegt das Leistungsniveau der Fahrwerke und Motoren der Testteilnehmer. Dafür braucht man die Rennstrecke, zumindest wenn man einigermaßen im legalen Bereich bleiben möchte. Gehen wir alphabetisch vor. Die Honda CBR600RR legt mächtig los. Guter Antritt, je höher die Drehzahl wird, desto heftiger stürmt die CBR nach vorne. Bei 10.000 U/Min legt die CBR600RR noch mal eine Schippe drauf und zieht dem Fahrer die Arme lang. Schattenseiten hat die CBR allerdings auch. Lastwechsel bringen Unruhe ins Fahrwerk.

Dies liegt auch an der schon angesprochenen ruppigen Gasannahme. In tiefer Schräglage das Gas zu erhöhen, braucht bei der Honda Konzentration. Sonst ruckt sie schlagartig nach vorne und vermasselt die Linie. Den rauen Motorlauf registriert man nur im direkten Vergleich zur Konkurrenz, er stört im Alltag nicht wirklich. Die Suzuki GSX-R600 bietet eine ähnlich gute Performance. Die GSX-R funktioniert herrlich einfach und lässt sich auf Anhieb sehr schnell bewegen. Man hat fast das Gefühl die Suzuki schon ewig zu fahren. Das Vertrauen in die GSX-R ist schon auf den ersten Metern sehr hoch. Dazu die vorbildliche Gasannahme. Auf keinem anderen Motorrad in diesem Testfeld lässt sich das Gas so gut dosieren. Einfach auf die eingeschlagene Linie konzentrieren, die Beschleunigung setzt wunderbar weich ein. Kein Vergleich zur Honda. Doch auch bei der GSX-R600 liegen Licht und Schatten nahe beieinander. Die Suzuki bietet den schwächsten Durchzug im Testfeld. Gerade auf der Landstraße macht sich dies bemerkbar.

Suzuki GSX-R600 05

Wer zügig unterwegs sein will, muss die Drehzahl hoch halten. Die passiert der Kawasaki ZX-6R nicht. Nach der letzten Modellpflege hat die ZX-6R gerade im mittleren Drehzahlbereich ordentlich was drauf gepackt. Und dies spürt man deutlich. Wo die Suzuki schon einen Gang runterschalten muss, zieht die Kawasaki locker durch. Die Leistungsabgabe der ZX6-R ist dadurch fast linear. Ähnlich wie die Suzuki hat auch die Kawasaki eine sehr weiche Gasannahme, allerdings spricht sie etwas verzögerter an. Auch bei Lastwechseln legt die ZX6-R hervorragende Manieren an den Tag. Kein Ruckeln, keine Unruhe. Alles in allem eine fast perfekte Performance. Die legt auch die Triumph Daytona an den Tag. Der Motor hat Kraft im Überfluss, im Durchzug ist die Daytona auch der Kawasaki überlegen. Die Gasannahme ist sehr spontan, man hat auf der Triumph fast das Gefühl auf einem Motorrad mit deutlich mehr Hubraum zu sitzen. Im sportlichen Einsatz wünscht man sich allerdings eine weichere Gasannahme. Zwar ruckt es nicht so hart nach vorne wie bei der Honda, aber von der Suzuki ist die Daytona noch ein ganzes Stück entfernt. Bei Fahrwerk und Bremsen herrscht dann wieder Einigkeit. Einigkeit darüber dass alle Testkandidaten auf absolut hohem Niveau angesiedelt sind. Die Fahrwerke liefern allesamt messerscharfes Handling und liegen ultrastabil auf der Straße. Gleiches gilt für die Bremsen. Klare Druckpunkte, mit 2 Fingern bedienbar und Mörderverzögerung.

Honda CBR600RR

Die CBR600RR bietet als einzige zumindest optional ein ABS an. Der Motor legt los wie der Teufel und lässt den Fahrer bei der 10.000er Marke laut jubeln. Auch das Fahrwerk und die Bremsen sind über alle Zweifel erhaben. Weniger toll sind die ruppige Gasannahme und deutliche Lastwechsel.

Kawasaki ZX-6R

Der ZX-6R hat die letzte Modellpflege sehr gut getan. Insgesamt um 10 kg abgespeckt und motorseitig im mittleren Drehzahlbereich ordentlich Leistung draufgepackt. Passende Ergonomie und seidenweicher Motor machen dem Fahrer das Leben auf der Kawasaki sehr leicht.

Suzuki GSX-R600

Die GSX-R600 überrascht jeden Fahrer. Und zwar positiv. Kein Supersportler lässt sich auf Anhieb so einfach und schnell bewegen wie die Suzuki. Diese Ausgewogenheit ist die Stärke der Suzuki. Der Motor läuft seidenweich und hat eine sensationelle Gasannahme. Leider ist er bei niedrigen Drehzahlen etwas schlapp und will mit Drehzahl bei Laune gehalten werden.

Triumph Daytona

Die Daytona ist die sportlichste unter den Supersportlern. Und daher für die einen unbequem und für die anderen einfach nur konsequent. Muss jeder für sich entscheiden. Ein starkes Argument ist der Motor. Der Dreizylinder gibt der gewiss nicht langsamen Konkurrenz das Nachsehen. Das Plus an Hubraum sorgt für deutlich mehr Drehmoment über den gesamten Drehzahlbereich.