Honda XL 700 V Transalp

Honda XL 700 V Transalp


Ein Kultbike wird 20

Als 1987 die erste Honda Transalp das Licht der Welt erblickte war sie angetreten um die Welt der Tourer aufzumischen. Es sollte eine Reiseenduro geschaffen werden, die sich auf allen Terrains zu Hause fühlt. Dieses ist Honda mit der PD06, so die werksinterne Bezeichnung, anno 87 auch geglückt. Der neu entwickelte V2 Motor hatte 600 Kubik und leistete 55PS bei 8.000 U/min. Das Fahrwerk versprach mit 41er Telegabel, Kastenschwinge mit Pro Link Anlenkung und Motor als mittragendes Element ein Motorrad, das nicht nur auf geraden Strecken gut performt.

Als dann Ende Oktober die Einladung von Honda in die Redaktion flatterte, die neue Transalp auf dem höchsten asphaltierten Paß Europas, dem Col de la Bonette, zu testen, war ich sofort bereit, meiner Berufung zu folgen. Es ging mit dem Flieger nach Nizza, von da aus mit dem Hubschrauber nach Monaco ins Hotel. Nach dem Abendessen stempelte ich zeitig die Bettkarte, da es am nächsten Tag schon um 8.00 Uhr Richtung Col de la Bonette auf 2802 Meter Höhe gehen sollte und die nächste Übernachtung dann im Biwak auf der anderen Seite des Passes geplant war. Ein durchaus anspruchsvolles Programm für einen wohl genährten Mittvierziger. Die Eckdaten der neuen Transalp hörten sich nicht weniger spannend an. Motor mit fast 700 Kubik, 60 PS, Einspritzung und 214 Kilo auf den Rippen, versprachen Fahrspaß pur auf den winkligen Passstraßen. Das Triebwerk entnahm Honda kurzerhand aus der bewährten Deauville und modifizierte es so, dass es in der Transe mit 60 PS und 60 Newtonmeter aufwarten kann. Mit geregeltem Kat und Lambdasonde ausgerüstet, erfüllt die Neue nun auch die Euro 3 Norm. Das gut zu schaltende Fünfganggetriebe blieb hingegen unangetastet, die Sekundärübersetzung wurde mit einem Zahn hinten weniger etwas länger ausgelegt.

Handling Verbesserung

Beim Fahrwerk gab es nur kleine Änderungen zum Vorgängermodell. Das Vorderrad hat jetzt 19 anstatt 21 Zoll, was der Handlichkeit zugute kommt. Für 600 Euro Aufpreis gibt es zudem das bewährte Honda Combined-ABS, bei dem Hand und Fußbremshebel jeweils auf Vorder- und Hinterrad gleichzeitig einwirken. Das moderne Design empfand die Kreativabteilung nach eigenen Angaben einem galoppierenden Pferd nach und brachte als Stilelement die GPS Daten des Col de la Bonette, seines Zeichens der höchste, von einem Motorrad passierbare Alpenpass, auf die Verkleidung als Lackierung auf. Nomen est Omen! Runder Scheinwerfer, kleinere Verkleidung, neues Cockpit, Haltegriffe am Heck, Gepäckträger und die neue 2 in 1 Auspuffanlage runden das Design der Transalp 2008 ab.

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Transalp mal wörtlich genommen

Als wir dann morgens um 8.00 Uhr in Monaco zum Col de la Bonette starteten lief, der Zweizylinder dank Startautomatik sofort rund und nahm willig Gas an, das installierte Honda Navi zeigte uns den Weg, hatte allerdings in den Straßenschluchten von Monaco leichte Probleme. Kaum aus Monaco raus zeigte es den Weg aber einwandfrei an. Das Zubehör-Programm ist groß: Navi, Topcase, Seitenkoffer, Griffheizung, Hauptständer, Zusatzscheinwerfer. All das lässt sich direkt über Honda ordern und macht die Transalp zu einem richtigen Tourer. Die Sitzposition lässt keine Wünsche offen, man fühlt sich sofort wohl und ist gut für die große Tour gerüstet. Die Sitzbank ist gut gepolstert und ausreichend breit. Selbst nach stundenlanger Fahrt hatte ich keine Probleme mit meinem empfindlichen Popo. Über die winkligen Passstraßen der französischen Seealpen ging es dann in Richtung des höchsten asphaltierten Passes in Europa. Die eindeutig straßenlastige Ausrichtung der Transalp läßt auch den Einsatz im leichten Gelände zu und ist auch auf Schotter gut beherrschbar. Aber das bevorzugte Terrain ist eindeutig die winklige Landstraße. Die Transalp folgt dabei jedem Lenkimpuls willig und mit stoischer Ruhe, das Fahrwerk ist gutmütig und handlich, erlaubt erstaunliche Schräglagen und ist nur durch Gewaltaktionen aus der Ruhe zu bringen. Die Bremsen vorne könnten etwas mehr Biss vertragen, verzögern die Transalp aber sicher und gut. Der V2 Motor geht vibrationsarm und leise zu Werke und macht einen Topspeed von 175 Sachen möglich. Ruckeln oder Lastwechselreaktionen sind ihm fremd. Bereits ab 1.500 U/min zieht er ruckfrei wie an der Schnur gezogen los. Der Verbrauch ist moderat und ermöglicht mit 17,5 Liter Tankinhalt eine Reichweite von etwa 270 Kilometern.

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Keine Gedenkpause

Als wir oben am Pass angekommen waren, verpaßte ich vor lauter Begeisterung über die neue Transalp und die geilen Straßen den Gedenkstein und düste sofort auf der anderen Seite wieder runter. Die Paßstraßen machte mit der gemütlichen und flinken Transalp wirklich Spaß. Am Nachmittag kamen wir dann auf unserem Campingplatz an, wo Honda für jeden ein Tunnelzelt reserviert hatte. In dieser Nacht ging dann Honda wirklich die Luft aus! Nämlich als ich mitten in der Nacht aufwachte, auf dem Boden lag und feststellen musste, dass die Hondaluftmatratze meinem enormen Gewicht nicht standhalten konnte.

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