Triumph Bonneville SE

Triumph Bonneville SE


Catch me if you can

Die Triumph Bonneville SE ist retro in Perfektion. Gut dass der Retrolook bei Triumph keinem Trend unterliegt, sondern absolut Programm ist. Die Bonneville SE macht da keine Ausnahmen. Rein optisch verrät die Bonnie ihr Baujahr nicht. Da könnte auch 1970 im Fahrzeugschein stehen. Ob sie trotz der klassischen Optik mit modernen Bikes mithalten kann, klären wir im Test.

Motor Triumph Bonneville SE

Die Bonneville SE trägt wie ihre Schwestern den luftgekühlten 865 Kubik Paralleltwin im Stahlrohr-Schleifenrahmen. Die Spitzenleistung von 67 PS liegt bei 7.500 Umdrehungen an, beim maximalen Drehmoment von 69 NM zeigt der Drehzahlmesser 5.800 Umdrehungen. Der Twin liefert die Leistung schön gleichmäßig ab, das Drehmoment sorgt für einen guten Antritt bei niedrigen Drehzahlen. Und das ist auch gut so, denn Drehfreude ist nicht die Stärke der Bonneville SE. Ab 5.000 Umdrehungen tut sich nicht mehr viel. Trotz des klassischen Looks hat der Twin moderne Manieren. Dafür sorgen vor allem zwei Ausgleichswellen, die lästige Vibrationen tilgen. Geschaltet wird über ein gut funktionierendes 5-Gang-Getriebe. Die langen verchromten Endtöpfe sehen nicht nur super aus, sondern lassen auch einen annehmbaren Sound auf die Umwelt los. Sonor brabbelnd ohne die Nachbarschaft aus dem Haus zu treiben. Richtig schöner Twin-Sound eben.

Sitzposition und Ausstattung Bonneville SE

Technisch ist die Bonneville SE mit der Bonneville absolut identisch. Die Unterschiede liegen in der 2-Farb-Lackierung, dem Drehzahlmesser, polierten Motorgehäusedeckel und metallenen Markenemblemen auf dem Tank. Klingt nach nicht viel, sorgt aber für einen deutlich edleren Auftritt seitens der Bonneville SE. Nicht nur der Look ist klassisch, auch die Sitzposition erinnert an Motorräder längst vergangener Tage. Zuerst fällt die äußerst niedrige Sitzposition auf. 740 mm gibt Triumph an, gefühlt sind es noch weniger. Dies sorgt auch bei kurzbeinigen Zeitgenossen für einen sicheren Stand. Lenker und Fußrasten ergeben ein aufrechte, fast gerade Sitzposition. Die Sitzbank ist dünn gepolstert, was man sich auf längeren Strecken durchaus negativ bemerkbar macht. Hält man sich allerdings an die üblichen Pausenzeiten, macht der Allerwerteste keine Probleme.

Triumph Bonneville SE 03

Lenker und Bedienelemente liegen gut in der Hand, die Bedienung ist kinderleicht. Die Instrumente sind eine absolute Wohltat. Tacho, Drehzahlmesser und ein paar Kontrollleuchten. Klassischer Look und Beschränkung auf das Wesentliche. Und vor allem: keine Digitalanzeige. Wer braucht schon eine Ganganzeige bei einem 5-Gang-Moped? Wozu eine Tankuhr, wenn man einen Tripzähler und eine Warnleuchte hat?

Fahrwerk und Bremsen Bonneville SE

Jetzt wird es ernst für die Bonneville SE. Die klassischen Vorbilder waren in ihrer Zeit durchaus sportliche Motorräder. Wer sie tatsächlich sportlich bewegen wollte, brauchte eine gehörige Portion Mut. Die Fahrwerke waren damals der Leistung weit unterlegen. Gilt dies auch für unseren modernen Klassiker? Die Frage kann man mit einem klaren Nein beantworten. Die Bonneville SE liegt insgesamt stabil auf der Straße. Das Fahrwerk lässt sich lediglich in der Federvorspannung einstellen, aber die Dämpfung ist ein guter Kompromiss zwischen Komfort und sportlicher Härte. In Verbindung mit der schmalen Bereifung auf 17 Zollfelgen ergibt sich ein geradezu spielerisches Handling. Es ist einfach verblüffend wie leicht sich die Bonneville SE von einer Schräglage in die andere werfen lässt. Fast hat man das Gefühl man muss nur mit den Augen in eine Richtung schauen und schon schlägt die Triumph diese ein. Das Fahrwerk ist ausreichend straff und macht beim Kurvenfegen einiges mit. Einzig die Fußrasten übernehmen die Rolle des Spielverderbers.

Triumph Bonneville SE Instrumente

Gerade wirft man sich wieder beherzt in die Kurve, schon kratzt es heftig über den Asphalt. Eine weitere Limitierung sind die Bremsen. Im Vorderrad dreht sich eine einsame Scheibe, die ihren Dienst zwar zuverlässig tut, aber bei ernsthaft sportlichem Einsatz dann schnell an ihre Grenzen stößt. Dies gilt aber letztenendes grundsätzlich für die Bonnie. Es lässt sich zwar deutlich schneller mit ihr um die Ecken fegen als man ihr zutraut. Aber alles im Rahmen der Möglichkeiten. Zu diesem Rahme gehört auch der Motor. Der ist zwar ein tapferer Geselle und läuft auch schon bei niedrigen Drehzahlen wacker. Aber die 67 Pferde müssen immerhin mit 225 kg Motorrad fertig werden. Da kann man schlichtweg keine Wunder erwarten. Aber so manchen der die Bonneville belächelt, kann man auf flachem Geläuf mit engen Kurven überraschen. Siehe oben unter spielerisches Handling.

Triumph Bonneville SE 07