Suzuki B-King

Suzuki B-King


Die will nur spielen ...

Die B-King sieht aus wie aus einem Transformers-Film entsprungen. Es würde wahrscheinlich keinen überraschen, wenn sich die Suzuki mal schnell in einen Autobot verwandeln würde. Die Optik ist martialisch, dabei ist die B-King im Grunde ein sanfter aber unglaublich starker Bär. Die B-King scheidet die Geister: man liebt sie – oder eben nicht. Aber einmal gefahren, zieht die B-King einen in ihren Bann. Auch diejenigen, die sie anfangs fürchterlich fanden.

Eindruck B-King

Viel, sehr viel Motorrad steht da vor einem. Die Suzuki ist tatsächlich ein gewaltiges Motorrad. Die Front ist so wuchtig, da wirkt der Vorderreifen mit den Maßen 120/70ZR17 wie ein Rollerreifen. Der Tank und seitlich daran angebrachten Lufteinlässe bauen so breit, dass ein Familienpicknick darauf Platz fände. Auch das Heck ist nichts für Schüchterne. Die riesigen eckigen Auspuffenden haben rein gar nichts von Understatement. Sie sind eine klare Ansage: ich habe Power, viel Power. Unter dem Abgasentsorger dreht sich dann der 200er hintere Schlappen und macht die vorher genannte Ansage endgültig komplett. Nach der ersten Umrundung steht man doch mit einer Portion Respekt neben diesem Berg von Moped. Erstmal draufsetzen. Der Hintern findet auf einem ordentlichen Stück Sitzbank Platz. Durchaus bequem und gut gepolstert. Die Sitzhöhe ist niedriger als erwartet, die Beine finden einen sicheren Stand. Der Lenker fällt einem geradezu in die Hand. Die Bedienung ist selbsterklärend, alle Schalter sind da wo man sie sucht. Der Oberkörper ist leicht nach vorne gebeugt, die Fußrasten sind nicht zu weit hinten montiert. Insgesamt eher tourig als sportlich. Der breite Tank zwingt einem die Beine etwas zu spreizen. Für sehr langbeinige Zeitgenossen kann der Knieschluss am Tank schon mal eng werden.

Motor und Technik Suzuki B-King

Der Motor der B-King ist ein alter und auch legendärer Bekannter. In der Hayabusa sorgte er bei seiner Einführung für unglaubliche Diskussionen und letztendlich die Beschränkung auf 298 km/h Topspeed. Die Eckdaten sind einfach nur beeindruckend: 1.340 Kubik, 184 PS und 147 NM Drehmoment. Um es weniger technisch zu beschreiben: Druck, Druck und noch mehr Druck. Und zwar ab Standgas und in jedem Gang. Als Gimmick hat Suzuki einen Leistungschalter verbaut. Wer möchte kann den Modus von A auf B ändern und reduziert damit die Leistung auf 120 PS. Aber wer will das schon. Ich nicht, daher habe ich auch die Finger davon gelassen. Wer glaubt der Motor der B-King ist ob der Leistungsdaten ein entfesselter, brutaler und infernalischer Reißer, muss enttäuscht werden.

Suzuki B-King - Was für ein A...

Der Reihenvierer läuft äußerst kultiviert und ist bei aller Kraft ein sanfter Riese. Natürlich drückt die Suzi bei voller Beschleunigung einem die Sinne ins hinterste Eck des Schädels, aber sie tut es mit guten Manieren. Die Suzuki hat die Art von Power die man nicht zur Schau stellt, man ruft sie quasi nebenbei ab. Auch neben diesem Traum von einem Motor hat die B-King einiges zu bieten. Stabile Upside-Down-Gabel, rennsportverdächtige Bremsen mit serienmäßigem ABS sowie eine sehr bequeme und langstreckentaugliche Sitzposition. Zumindest für den Fahrer. Kraft hätte sie für 2 Sozia, Platz leider nur für einen halben. Also kein Fall für Zwei. Gewichtsmäßig ist man dann fast überrascht. Bei der Erscheinung rechnet man schon fast mit so was um die 300 kg, da scheinen die tatsächlichen 259 kg fast wie ein Sonderangebot. Wer das Teil allerdings mal rangieren durfte, denkt dann wieder an die 300.

Fahreindruck B-King

Druck aufs Knöpfchen und los geht’s. Einmal in Bewegung fällt ein weiterer Zentner Gewicht von der Suzuki ab. Dachte man anfangs noch mit Schrecken an die Stadtfahrt und enge Kreisverkehre, verfliegen diese Bedenken schon nach den ersten Metern. Die Suzuki lässt sich für ein Motorrad dieser Größe unglaublich einfach bewegen. Völlig unspektakulär, draufsetzen, losfahren und wohlfühlen. Man gewinnt sofort Vertrauen, es gibt im Grunde keine Eingewöhnungszeit. Dazu diese unbeschreibliche Power in allen Lagen. Die B-King ist auf der Straße schlichtweg nicht auszufahren. Das gilt natürlich für alle Motorräder ihrer Leistungsklasse. Aber kaum ein anderes Motorrad macht auf den Fahrer einen so souveränen Eindruck. Die B-King animiert den Fahrer nicht zum schnellfahren, aber sie vermittelt ständig das Gefühl dass er es kann – wenn er möchte. Denn auf der Landstraße überrascht die Suzuki ein weiteres mal. Das Fahrwerk ist wunderbar ausbalanciert. Die Gabel und auch das Heck sprechen fein an. Zusammen mit dem tollen Handling ergibt sich eine tolle Performance auf der Landstraße. Die B-King liegt in allen Geschwindigkeitsbereichen unglaublich stabil.

Suzuki B-King - Breite Lufteinlässe

Auch die 200er Hinterradwalze bringt keine Unruhe ins Fahrwerk. Sie zieht absolut spurtreu die einmal eingeschlagene Richtung. Erst wirklich heftige Bodenwellen bei hoher Geschwindigkeit verderben die Linie und bringen die Suzuki etwas aus der Fassung. Diesen Bereich werden allerdings nur geübte Piloten kennen lernen. Auch die Bremsen sind schlichtweg hervorragend. Gute Rückmeldung dank tollem Druckpunkt und eine mördermässige Verzögerung. Auch der Motor spielt hervorragend mit. Die brachiale Leistung lässt sich wunderbar sanft dosieren. Auch in tiefer Schräglage an der eigenen Angstgrenze nimmt die Suzuki sanft Gas an und lässt sich wunderbar aus der Kurve beschleunigen. Nach der Kurvenhatz steigt man ab und umrundet sie wieder. Verwundert reibt man sich die Augen und geht die letzte Fahrt noch mal durch. Mit diesem Trumm bin ich dermaßen um die Ecken gefegt? Unglaublich!

Suzuki B-King - Frontansicht wie ein Autobot