BMW K 1200 LT

BMW K 1200 LT


Super-Reisedampfer

Seit 1974 heißt der Maßstab für alle Super-Reisedampfer auf zwei Rädern zweifellos Honda Gold Wing. Schon lange bevor der Luxustourer mit dem aktuellen 1800er Sechszylindermotor ausgerüstet wurde, hatten die Fans den Boliden zum Kultmotorrad erklärt.

Im Laufe der Zeit versuchten auch andere Hersteller ihr Glück im Marktbereich der Supertourer und scheiterten meist kläglich. Lediglich Harleys Elektra Glide-Modelle, die neuerdings auf 1800 Kubikzentimeter aufgeblasene Gold Wing und BMWs K 1200 LT haben überlebt. Das größte, teuerste (35.800,- DM) und mit 378 kg auch schwerste BMW-Motorrad aller Zeiten muss sich also gegen den charaktervollen Harley-Twin und den seidenweich laufenden Honda-Sechszylinder behaupten. Neben der, bei einem BMW-Motorrad schon gewohnten, umfangreichen Serienausstattung vom Bordcomputer bis zur Warnblinkanlage, lockt die aktuelle K 1200 LT mit neuen EVO-Bremsen und Integral-ABS. Angetrieben wird der Maxi-Tourer von dem auf Laufkultur und eine ausgeglichene Drehmomentkurve ummodifizierten Triebwerk der K 1200 RS. Wie bei allen anderen BMW-Motorrädern beruhigt auch hier ein geregelter 3-Wege-Kat das Umweltgewissen. Beim Startvorgang sucht der LT-Pilot vergebens nach einem Choke. Eine Kaltstartautomatik mit elektronisch gesteuertem Drosselklappenansteller versorgt den Motor auch im kalten Zustand mit dem richtigen Gemisch. So springt das Agregat immer spontan an und blubbert danach bei moderaten Drehzahlen im Leerlauf vor sich hin. Zum Anfahren verlangt das Dickschiff nach etwas Gas und Gefühl in der Kupplungshand.

Der erste Gang ist doch ziemlich lang ausgelegt und reicht bis etwa 90 km/h. Dafür übernimmt die fünfte und letzte Getriebestufe eine Art Overdrive-Funktion und hält die Drehzahl auf niedrigem Niveau. Sicherlich gibt es Getriebe, die komfortabler zu bedienen sind, aber bei unserem Exemplar rasteten alle Gänge sauber und exakt ein, der jeweilige Gang wird im Display angezeigt. Einmal im Rollen, ist die Leistung des Vierzylinders jederzeit übergangslos abrufbar. Schließlich stehen schon weit unter 3.000 Umdrehungen in der Minute bis fast 7.000 Touren mehr als 100 Nm Drehmoment zur Verfügung- und das spürt man deutlich!

Dickschiff

Ein rund 380 Kilogramm schweres Motorrad kann natürlich nicht an den Beschleunigungswerten eines 200 Kilo leichteren Supersportlers gemessen werden, aber die Kraftentfaltung ist für artgerechten Vorwärtsdrang allemal ausreichend, nach schlapp 4,5 Sekunden überschreitet die Tachonadel die 100 km/h-Markierung. Während in der Stadt die breit ausladende Verkleidung die Bewegungsfreiheit doch arg einschränkt, beginnt sich auf sanft geschwungenen Landstraßen, die auch ruhig mal geflickt sein dürfen - oder Autobahnen das echte LT-Feeling einzustellen. Hat man sich erst einmal an den Luxustourer gewöhnt lässt sich die LT recht locker durch bitte nicht zu scharfe Kurven zirkeln. Zu sportliche Einlagen werden durch die mäßige Schräglagenfreiheit verhindert. Auf der Autobahn fixiert man die Geschwindigkeit mit dem serienmäßigen Tempomat und kann dadurch auch mal die rechte Hand ohne Geschwindigkeitsverlust vom Lenker nehmen. Am besten tourt es sich im Geschwindigkeitsbereich zwischen 120 und 160 km/h hinter der gut schützenden, per Knopfdruck in der Höhe zu variierenden Scheibe. Bei höheren Geschwindigkeiten und voll ausgefahrener Scheibe greift der Fahrtwind den Piloten dann doch recht unangenehm von hinten an.

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Das Windschild ist wahlweise in einer niedrigen und einer 180 mm höheren Version lieferbar. Unterhalb der großen Rückspiegel befinden sich noch zwei transparente, verstellbare Windflügel. Beide LT-Passagiere sitzen auf gut gepolsterten Sätteln, die in Verbindung mit den komfortabel ausgelegten Federelementen so gut wie alle Stöße eliminieren. Beim Rangieren der Maschine aus dem Stand macht sich beim Füßeln der vorn zu breite Sattel bemerkbar, außerdem befinden sich die breiten Fußrasten genau dort, wo man gern den Boden berühren würde. So bekommt ein mittelgroßer Fahrer die Füße kaum vollkommen sicher auf den Boden. Aber auch der Beifahrer sitzt auf seinem Platz nicht so komod wie es scheint, weil die Schenkel durch den Wulst des Fahrersitzes doch sehr gespreizt werden müssen. Sicher würde die elektrische Rückfahrhilfe das Rangieren erleichtern, aber der Hebel ist recht ungünstig tief unten, kurz über dem Schaltfuß plaziert. Pfiffig ist dagegen ein Stoßleistensystem konstruiert, das ein vollständiges Umfallen des Motorrades, und damit größere Schäden verhindern soll. Zu diesem Zweck sitzt unter der vorderen Stoßleistenverkleidung ein Trägersystem, das sich im Zentralrahmen abstützt und die auf die Stoßleiste einwirkenden Kräfte aufnimmt. Wurde bei der ersten Auflage noch die lasche Bremswirkung der LT kritisiert, wird dank der neuen BMW-EVO-Bremsen in Verbindung mit dem Vollintegral-ABS geradezu brachial verzögert. Die Bremselemente packen bei niedrigen Geschwindigkeiten so tierisch zu, dass die Fuhre leicht aus dem Gleichgewicht gerät. Wenn sich der Mitfahrer nicht richtig festhält, drückt er den Piloten bei einer Notbremsung in die Verkleidung.

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Hier sollten die BMW-Techniker dringend nachbessern. Der in der Verkleidung, unter einer Abdeckung auf der rechten Seite plazierte Tankstutzen ist nicht so locker zu befüllen wie bei den anderen Modellen. Wie immer bei BMW finden wir ordentliches Werkzeug für die Notreparatur unterwegs vor. Um den Hinterradausbau zu erleichtern, läßt sich der Kennzeichenträger mit wenigen Handgriffen demontieren. Unter der von einem Stoßdämpfer hochgehaltenen Sitzbank stößt man auf gut zugängliche, übersichtlich angeordnete Sicherungen, die Batterie und das Handrad zum verstellen des hinteren Federbeins. Gemäß seinem Einsatzzweck verfügt der Luxustourer über Staufläche ohne Ende. Allein das Topcase bietet 50 Liter Stauvolumen und Platz für zwei Integralhelme. Durch den zentralen Griff ist es leicht zu öffnen. Innen findet sich ein beleuchteter Schminkspiegel für die oder den Schönste/n aller Beifahrerinnen und Beifahrer. Dazu kommt noch ein Koffervolumen von zweimal 35 Liter. Die Koffer sind, wie auch das Cockpit, ein fester Bestandteil der Karosserie und nicht abnehmbar. Wer den CD-Wechsler aus dem Zubehör ordert, erkauft sich den Musikgenuss mit einem Platzverlust im rechten Koffer. Kleinigkeiten können unter dem wasserdichten Deckel im Zugriffsbereich des Fahrers verstaut werden, in dem auch der serienmäßige Radio-Kasettenrekorder und eine Taschenlampe ihren Platz finden.

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