BMW R 850 R

BMW R 850 R


Günstigster Einstieg

Das Baukastensystem hat bei BMW- Motorrädern eine lange Tradition. In den fünfziger Jahren dienten den Schwingenmodellen Motoren mit 500 oder 600 Kubikzentimeter und eine sportliche Variante als Antrieb. Später gesellte sich zu den 600 bis 1000 ccm-Modellen der siebziger Jahre mit der R 45 noch ein müder 450er 27 PS-Einsteiger-Boxer.

Die Funktion des Einsteigermotorrades, das inzwischen 34 Pferdestärken leisten durfte, übernahm 1994 der Einzylinder F 650. Aber schon kurze Zeit später präsentierten die Münchner mit der R 850 R einen hubraumreduzierten Vierventil-Boxer, der alsbald auch in einer auf 34 PS gedrosselten Version zu haben war. Technisch unterscheidet sich der kleine Roadster vom größeren Schwestermodell R 1100 R nur durch eine kleinere Zylinderbohrung, die Ventildurchmesser und die Hinterachsübersetzung. Im Frühjahr 1997 wurden beide Roadster das letzte Mal geliftet. Seither kommt ein größerer, verchromter Scheinwerfer und eine überarbeitete Instrumentenkonsole mit Drehzahlmesser und Analoguhr zum Einsatz. Auf der "Intermot 2000" in München stellte BMW mit der neu gestylten R 1150 R das Nachfolgemodell für den großen Vierventiler vor, während die 850er bis auf weiteres unverändert aus den Berliner Werkhallen rollt.

Erste Lebenszeichen

Nach ein paar Umdrehungen unter Zuhilfenahme des Chokes hat das Motormanagement Spritgemisch und Zündfolgen sortiert und der Boxer erwacht schüttelnd zum Leben, um sich unmittelbar danach bei angemessener Drehzahl zu beruhigen. In Deutschland, der Schweiz und den USA ist der geregelte Katalysator serienmäßig. Mühelos lässt sich die vollgetankt immerhin 235 Kilogramm schwere Maschine vom Hauptständer rollen und ab gehts über verwinkelte Sträßchen zu den weit sichtbaren Überbleibseln der Kohleförderung im Ruhrpott. Die Lenkerarmaturen sind gut zu bedienen, an die Dreischalter-Blinkbetätigung gewöhnt man sich nicht so schnell. Tachometer, Drehzahlmesser und Funktionsleuchten sind bestens ablesbar. Unter dir blubbert der gut gedämpfte Boxer seine sonore Melodie. Beim plötzlichen Gas geben fällt er leicht nach rechts, auch das reine Gewohnheitssache. Verwertbare Leistung liegt schon unter 2.000 Umdrehungen in der Minute an und bis etwa 5.000 Touren schnuckelt der Twin praktisch vibrationslos, viel harmonischer als die 1100er Version, aber mit jederzeit abrufbarem, sanftem Punch vor sich hin. Darüber sprintet der Bonsai-Roadster mit leichten, nicht störenden Vibrationen spritzig bis zum Leistungsgipfel. Dass hier zumindestens auf dem Papier zehn Pferde weniger zu Werke gehen sollen, mag man zunächst kaum glauben. Lediglich beim Durchzug mit beladenem Motorrad gelingt es der R 1100 R, merklich davon zu ziehen. Dank der kürzeren Endübersetzung erreicht die Drehzahlmessernadel den roten Bereich auch im fünften Gang schon bei geringen Gefällen. Aber die Schaltbox ist insgesamt recht praxisgerecht abgestuft und lässt sich mit etwas Aufmerksamkeit recht passabel durchklicken, ohne jedoch japanisches Level zu erreichen.

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Richtig in Fahrt

Dass es auch besser geht, beweisen die neuen Sechsganggetriebe der hubraumstärkeren Schwestermodelle. Dank der Telelever-Vorderradführung setzt die R 850 R Lenkbefehle äußerst exakt um. Das Naked Bike fällt durch den tiefen Schwerpunkt wie von selbst in die Kurven, die Bodenfreiheit reicht erst bei supersportlicher Hatz nicht mehr aus, um das Schleifen einiger Anbauteile zu verhindern. Auf der Autobahn lässt sich der Boxer von Fahrbahnstößen oder Markierungen nicht aus der Ruhe bringen. Das Telelever spricht feinfühlig an, während das hintere Federbein kurze Stöße oft ungefiltert zu den Passagieren durchreicht. Der Pilot kann die Sitzhöhe in drei Stufen seiner Größe anpassen. Auf längeren Strekken vermissen wir durch die fixierte Sitzpositionauf dem vorderen Sattel etwas Bewegungsfreiheit, um sich zu entspannen. Bei frostigen Temperaturen hält die Lenkerheizung aus dem BMW-Zubehör die Finger warm, die Füße werden von den Zylindern jederzeit erwärmt. Es gab Zeiten, da wurden die Radabdeckungen noch mit vollem Recht als Schutzbleche bezeichnet. Diese Schutzfunktion hat BMW recht erfolgreich wegkonstruiert. Bei Regen entpuppt sich der vordere Kotflügel als Fehlkonstruktion, die das Motorrad und seine Besatzung nur wenig vor dem Spritzwasser des Vorderrades schützt. Brenzliche Situationen meistern die Brembo-Bremselemente mit guten Verzögerungswerten. Lässt man's locker angehen, kommt der 850er Boxer mit etwa fünf Litern Superbleifrei aus, wird er gescheucht, drückt er schon mal 9 Liter durch die Einspritzdüsen. In der Praxis muss nach etwa 290 Kilometern eine Tankstelle aufgesucht werden. Um die volle Kapazität des annähernd 19 Liter fassenden Kraftstofftanks auszunutzen, ist dann Geduld gefragt. Die letzten zwei Liter lassen sich praktisch nur tröpfchenweise einfüllen.

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