BMW R 1150 RT

BMW R 1150 RT


Komfort auf Reisen

Seit rund acht Jahren rollen die Vierventil-Boxermodelle wenig verändert aus den BMW-Fertigungshallen in Berlin-Spandau. Daher wird zurzeit ein Modell nach dem anderen gründlich überholt. Den Anfang machten die Spandauer 1999 mit ihrer Touren-Großenduro R 1150 GS und landeten damit im darauffolgenden Jahr prompt einen riesigen Verkaufserfolg.

Die GS boxte sich auf den ersten Platz in der deutschen Zulassungsstatistik durch. Auf der Intermot 2000 legte man mit der R 1150 R neue Kohle nach. Und heuer, im Frühjahr 2001, folgt der nächste Streich. Diesmal stand die Renovierung des Boxertourers R 1100 RT und des Vierzylinder-Sporttourers K 1200 RS an. Wie seine Schwestermodelle wird der schnittige Tourer jetzt von dem kräftigen 1150 ccm-Triebwerk, welches seine Premiere in der R 1150 GS hatte, befeuert. Mit 95 Pferdestärken schiebt es sich in der RT-Variante gleich auf Platz 2 der Boxer-Spitzenleistungstabelle. Nur mickrige 3 PS hinter dem schlanken Sportler R 1100 S. Für die, gegenüber der R 1100 RT um 5 PS auf 95 Pferdestärken bei 7.250 Umdrehungen in der Minute gestiegene Leistung, sind 45 ccm mehr Hubraum, ein erhöhtes Verdichtungsverhältnis (11,3 statt 10,3 : 1) und der Einsatz der Mototronic MA 2.4 verantwortlich.

Nebenbei wuchs das maximale Drehmoment von 95 auf 100 Nm bei 5.500 U/min an. Noch bemerkenswerter ist die Tatsache, dass der Drehmomentverlauf über den gesamten Drehzahlbereich noch fülliger geworden ist. Da zwischen 3.000 und 6.500 Touren ständig deutlich über 90 Nm zur Verfügung stehen, ist immer reichlich Schub vorhanden. Durch die besseren Durchzugswerte kann der voll verschalte Tourer merklich schaltfauler bewegt werden als sein Vorgänger. Trotzdem verpassten ihm die BMW-Konstrukteure das aus der R 1150 GS bekannte Sechsganggetriebe, was sich beim Beschleunigungsvergleich mit einer alten 1100er RT jedoch nur zu einem knappen Vorsprung für die Neue auswirkte. Die Kupplung wird nun über einen dreifach verstellbaren Handhebel hydraulisch betätigt. Bedienungskomfort und Schaltpräzision haben sich damit gegenüber dem alten Fünfganggetriebe deutlich verbessert. Allerdings verlangt der Kupplungshebel nach einem kräftigen Zugriff. Der sechste Gang soll zugunsten reduzierter Drehzahlen als Overdrive ausgelegt sein. In der Praxis legt die R 1150 RT im letzten Gang aber noch richtig zu. Unser Exemplar lief mit Packtaschen laut Tacho locker 230 km/h.

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Achtung Bremskraft

Aber auch das Fahrwerk wurde mit dem Griff ins BMW-Ersatzteillager modernisiert. So rollt die R 1150 RT jetzt auf den gleichen filigranen und auch noch leichteren Aluminium-Gussrädern wie ihre Schwestermodelle R 1100 S und R 1150 R auf die Straße. Während die Dimension des Vorderrades und die Bereifung unverändert blieb, macht ein 5.00 x 17-Hinterrad den Einsatz von 170er Reifen der neuesten Generation möglich. Gut gewählt, denn der Tourer lässt sich jetzt noch leichter als das alte Modell in die Kurven kippen. Am Vorderrad verzögert die neu entwickelte EVO-Bremse mit spürbaren 20% mehr Bremsleistung und gleichzeitig um 15 % verringerter Betätigungskraft bei gleicher Bremsleistung phänomenal. Das an der R 1150 RT serienmäßig verbaute ABS-Integralsystem nutzt die Möglichkeiten der dritten ABS-Generation und verbindet sie mit zusätzlichen Funktionen. Es besitzt einen völlig neuen elektrisch-hydraulischen Bremskraftverstärker und ein Integralbremssystem, bei dem Handbrems- oder Fußbremshebel gleichzeitig auf Vorder- und Hinterradbremse wirken sowie eine adaptive Bremskraftverteilung. Trotzdem ist das neue Integral ABS noch leichter als das ABS II, das bei den alten Modellen zum Einsatz kam. Es regelt noch schneller sowie gleichmäßiger und macht bei Notbremsungen den Bremsweg kürzer, ohne das ein Rad gefährlich blockiert. Während die eher sportlich positionierten Schwestermodelle K 1200 RS, R 1100 S und R 1150 R mit einem teilintegralen System auskommen müssen, bei dem der Handbremshebel auf Vorder- und Hinterradbremse, der Fußbremshebel aber konventionell nur auf die Hinterradbremse wirkt, kommt das Vollintegralsystem auch beim Luxustourer K 1200 LT serienmäßig zum Einsatz. Beim ersten Ausritt sollte man sich zur Gewöhnung einen großen freien Platz suchen. Das neue System stellt in der Wirkung ehrlich alles bisher gefahrene in den Schatten. Der Fahrer muss sich allerdings bewusst der krassen Verzögerung entgegenstemmen, um nicht in die Verkleidungsscheibe zu beißen, was mit besetztem Soziusplatz noch schwieriger wird. Wo Licht ist, ist auch Schatten. Der Bremsklotz- oder Reifenwechsel sollte tunlichst beim BMW-Händler durchgeführt werden, da die Gefahr besteht, das das komplexe System auf Fehler schaltet. Nur der Fachhändler kann diesen Fehler analysieren und beheben. Viel Spaß dabei in der Sierra Nevada!

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Tourerqualitäten sind in hohem Maße von der Gestaltung der Plätze für die Besatzung abhängig. Und da liegt BMW weit vorn. Durch die dreifach verstellbare Sitzbankhöhe lässt sich der in der Breite noch einmal gewachsene Pilotensitz ebenso auf die Ergonomie des Fahrers abstimmen wie die, in der Höhe elektrisch variierbare Verkleidungsscheibe. Leider wuchs mit dem komfortabler abgestimmten Pilotensitz auch die Sitzhöhe um etwa 2 Zentimeter, mit der Folge, das die Verkleidungsscheibe ruhig einige Zentimeter höher sein könnte, um großen Fahrern den Restfahrtwind vom Helm zu nehmen. Der Lenker mit den gut zu bedienenden Schaltern liegt ermüdungsfrei in den Händen. Das Cockpit ist mit zahlreichen Anzeigen zu Geschwindigkeit, Tages- und Gesamtkilometer sowie Drehzahldisplay, Uhrzeit, Gangstufe und Tankanzeige überdurchschnittlich ausgestattet. Der Scheinwerfer kann per Handrad im Cockpit den unterschiedlichen Beladungszuständen angepasst werden. Der Verkleidungsschutz ist zumindest für kleine bis mittlere Fahrer optimal. Ob es bei Vollgas auf der Autobahn regnet oder stürmt, zum Piloten dringt weder Nässe noch Wind vor. Hinter einer Verkleidung auf der rechten Seite finden wir das praktische Verstellrad für den hinteren Dämpfer, links unten die Bordsteckdosenleiste, die mich ein wenig an Mutters Küche erinnert. 700 Watt Lichtmaschinenleistung würden bestimmt auch für vier Steckdosen reichen und dann könnte neben heizbaren Sohleneinlagen, der heizbaren BMW-Weste auch noch die 12-Volt-Kaffeemaschine und der Rasierer betrieben werden. Das Werkzeug ist von gewohnt guter Qualität und reicht für die nötigsten Eingriffe, wie z. B. den Hinterradausbau aus. Auch das Reifenflickzeug gibt es serienmäßig. Hinzu kommt ein BMW-typisch breit gefächertes und sinnvolles Zubehör-Sortiment, das vom Topcase bis zu heizbaren Griffen reicht.

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