Yamaha XJ 600 Diversion

Yamaha XJ 600 Diversion


Probiers mal mit Gemütlichkeit

Die Yamaha XJ 600 Diversion ist zweifelsohne ein klassisches Alltagsmotorrad. Was ihrer Beliebtheit allerdings keinen Abbruch tat. Dennoch hatte die Diversion es nicht einfach. Im Vergleich zur Vorgängerin hatte sie spürbar weniger Leistung. Auch die Konkurrenz war eindeutig kräftiger. Dafür punktete die Diversion mit toller Optik, günstigem Preis und zuverlässiger Technik. Nur eines war sie nie: im positiven Sinn aufregend.

Motor XJ600 Diversion

Die Yamaha XJ600 Diversion ist weicher als ein rohes Ei. Der Motor läuft einfach nur seidenweich. Das Yamaha Motorrad liefert bescheidene 61 PS bei 8500 Umdrehungen. Das maximale Drehmoment von 53 NM liegt 1000 Umdrehungen früher an. Die Leistungsenfaltung ist ähnlich sanft wie der Motor. Die Diversion liefert ihre 61 Pferde fast linear ab, Drehzahlorgien sind daher nicht notwendig. Dementsprechend läuft die Diversion auch bei niedrigen Drehzahlen ohne zu Mucken. Der doch etwas gemächliche Charakter der 600er Reihenvierers kommt Anfängern und Wiedereinsteigern entgegen. Wer die Diversion mit einem Supersportler verwechselt, wird aber eine böse Überraschung erleben. Dann entwickelt sich die brave Diversion nämlich zum Säufer. Bis zu 10 Liter Sprit zieht sich die Yamaha bei Vollgasetappen auf der Autobahn rein.

Fahrverhalten und Bedienung

Die Diversion punktete in erster Linie mit Zuverlässigkeit und günstigem Preis. Der günstige Einstieg hat dann auch natürlich im wahrsten Sinne des Wortes seinen Preis. Am Vorderrad findet man nur eine Bremsscheibe. Das Zentralfederbein im Heck muß ohne Hebelumlenkung auskommen. Zusätzlich ist das Federbein auch noch lasch ausgelegt. Damit passt es aber auch zu der weichen Gabel. Dies lässt schon erahnen wie sich die XJ600 Diversion bewegen lässt. Freundlich formuliert: die Diversion zählt nicht zu den stabilsten Motorrädern. Nicht das die Diversion gefährlich wackelt, aber der geübte Fahrer wünscht sich doch ein strafferes Fahrwerk und eine stabilere Gabel. Für Einsteiger taugt die Abstimmung jedoch allemal. Das weiche Fahrwerk lullt den Fahrer geradzu ein. Dazu passt auch die unaufgeregte Art des Motors. Die Einscheibenbremse am Vorderrad erfüllt ihre Aufgabe zuverlässig, ist aber stumpf und vermittelt keinen guten Druckpunkt. Erfreulich ist die sehr bequeme Sitzposition und die kommode Sitzbank. Auch der Beifahrer findet einen guten Platz, dann gerät das Fahrwerk allerdings noch schneller an seine Grenzen. Yamaha verbaute übrigens ab 1993 ein stärkeres Federbein mit strafferer Dämpfung. Sicher ein Schritt in die richtige Richtung, allerdings war das Federbein immer noch zu weich. 1998 nahmen sich Kollegen aus Fernost der Gabel an. Diese wurde steifer konstruiert und mit dickeren Standrohren versehen. Im gleichen Zug wurde vorne eine Doppelscheibenbremse verbaut.

Yamaha XJ 600S Diversion 2002 3

Qualität und Zuverlässigkeit XJ600 Diversion

Die Yamaha XJ600 Diversion wurde eher dazu gebaut langlebig zu sein, als zu beeindrucken. Das Motorrad bietet viel Stahl und wenig Aluminium, Bulligkeit statt Eleganz und eindeutig einfache Mechanik statt High Tech. Das funktioniert auch. Modelle ab 1993 haben schon die erste Modellpflege (Federbeinaufnahme verstärkt, strafferes Federbein) erhalten. Noch besser sind Modelle ab 1998: hier wurde die Gabel verstärkt und eine Doppelscheibe am Vorderrad verbaut. Dennoch verbessern auch bei Modellen ab 1998 progressive Gabelfedern und ein strafferes Zubehörfederbein das Fahrverhalten der XJ600 Diversion immens. Bei Modellen bis 1998 sollte man zusätzlich über einen Gabelstabilisator nachdenken. Man erhält damit keinen Sportler, aber einen zuverlässigen und stabilen Allrounder mit Hang zur Gemütlichkeit.

Yamaha XJ 600S Diversion 1998 1