Ducati 748

Ducati 748


Kleine Schwester, große Klasse!

Mal ehrlich, wer träumt ihn nicht gelegentlich, den italienischen Traum von einer Ducati. Der Begriff "996" klingt bis weit über die Grenzen Europas in den Ohren - der Preis allerdings ebenfalls. Eine Nummer kleiner, dafür aber auch deutlich günstiger, stopft die Ducati 748 die Lücke zwischen 996 Biposto und 900 SS FI. Mit der schlichten Bezeichnung "748" stellt die Neue eine deutlich günstigere Variante dar, das sportliche Flair der Superbikes aus Bologna zumindest im Alltag und nach Feierabend zu "erfahren".

Mit exakt 11.601,21 Euro ist sie knapp 2045 Euro teurer als die zeitlose 900 SS FI und rund 1534 Euro günstiger als die jetzt schon legendäre 996. Allein diese Tatsache lässt sie spätestens auf den zweiten Blick zunehmend interessant werden. Dennoch, die 748 wird wohl nie ein Motorrad für die ganz große Masse - zu puristisch und kompromisslos sportlich ist ihr Charakter. Und nicht zu vergessen: Fast 23 Braune sind halt immer noch eine Stange Geld für ein Motorrad. Gegenüber der 748 S (S für strada), die es wahlweise als Monoposto oder Biposto gibt, kommt die normale 748 ausschließlich als Zweisitzer daher. Weitere Änderungen betreffen die Verkleidung, die bei ihr ohne Schnellverschlüsse auskommen muss, den nicht verstellbaren Lenkkopf und ein Sachs-Zentralfederbein anstelle eines hochwertigeren Öhlins-Produktes. Man muss also schon sehr genau hinschauen, um die kleinen Unterschiede auszumachen.

Der Motor dagegen entspricht weitgehend dem des parallel angebotenen S-Modells. Die "R"-Version (R für Racing) ist wie schon die "SPS" (Sport Production Special) als Basismaschine für die Rennstrecke gedacht und bietet dem Sportsfreund freilich noch einige Leckerchen mehr, auf die man als "Freizeit-Fogarty" allerdings bestens verzichten kann. Nichtsdestotrotz ist auch die Standard-748 eine Offenbarung für all jene, die das sportliche Motorradfahren auf sehr hohem Niveau zu schätzen wissen. Was sich mit dem 97 PS starken Achtventil-Desmo alles anstellen lässt, gilt nicht nur für die meisten Ducatisti als wahrhaftige Erfüllung. Ungemein gierig und potent schnellt der Einspritz-Twin locker in fünfstellige Drehzahlregionen, so dass es eine helle Freude ist, den kleinen "Foggy" in uns zu entdecken, denn genau dafür ist die 748 gemacht.

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Kommen wir also zur Sache!

Was nützt schon das blanke Gerede von Desmodromik und vollendeter Sportlichkeit? Letztendlich will man mit ihr leben, sprich fahren. Ehrfurchtsvoll nehme ich endlich Platz: Das ist Kult und hat mit Coolness rein gar nichts zu tun. Ein Druck auf´s Starterknöpfchen und der 90°-Vau-Zwei bollert los. Klingt auf Anhieb ein wenig dezenter als sein großer Bruder mit 996 Kubikzentimeter. Dem kann jedoch auf Wunsch gleich ab Werk mit einer passenden Termignoni-Auspuffanlage abgeholfen werden. Angenehm leise - und doch stets präsent - ist die Trockenkupplung unter dem rechten Motordeckel zu hören. Mit einer neuen Kupplungshandpumpe lässt sich der Kraftfluss zwischen Motor und Sechsgang-Getriebe angenehm leicht trennen. Ein wenig Übung allerdings erfordert die Dosierung - insbesondere beim schnellen Anfahren. Bloß schnell raus aus dem Großstadtdschungel, auch wenn es überrascht, wie brav die SuperSport-Duc selbst in der Rush-Hour ihren Dienst verrichtet. Die Art und Weise, mit welcher Leichtigkeit der Einspritzer zu Werke geht, ist beeindruckend. Ab 2.500 Touren kann ohne Murren der volle Ansaugquerschnitt freigegeben werden. Bis 6.000 Umdrehungen ist man bestens für den Alltagsgebrauch bedient und ab 7.000 erlebt man ein infernalisches Ducati-Feuer. Blitzschnell schraubt sich die Drehzahl bis zum Begrenzer, was in der Realität 11.500 Kurbelwellen-Umdrehungen bedeutet. Der Durchzug kommt trotz des extrem sportiven Layouts einem runden Fahrstil sehr entgegen. Gepaart mit einer Zielgenauigkeit und Loyalität, die ihresgleichen sucht, lässt die 748 dem Fahrer den nötigen geistigen Spielraum, um sich ganz auf die Streckenführung, Brems- und Apexpunkt zu konzentrieren - das Wesentliche eben. Die beiden Lenkerstummel aus Leichtmletall fallen schön schmal aus. Damit lässts sich ganz hervorragend zielen... Der Knieschluss ist vom Feinsten - eigentlich wäre der Begriff "Körperschluss" hier treffender. Die Maschine saugt sich in Biegungen jedweder Art förmlich hinein, wenn gleich sensible Naturen in sehr flott gefahrenen Kurven eine leichte Tendenz zum Untersteuern feststellen werden.

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Beim Herausbeschleunigen macht sich die recht homogen einsetzende Leistung bemerkbar; die Pirelli Dragon Sport EVO-Bereifung unterstützt dabei das neutrale und sichere Fahrverhalten. Die komplett einstellbare Upside-down Gabel spricht sensibel an und sorgt für ein glasklares Feedback. Selbst in Schräglage eingeleitete Bremsmanöver lassen die heißspornige Italienerin kalt. Das Aufstellmoment bleibt trotz der breiten Reifen angenehm niedrig. Einzig die Tuchfühlung zu den beiden schwimmend gelagerten 320er-Bremsscheiben im Vorderrad benötigt ein wenig Eingewöhnung. Erst bei sehr sportlicher Gangart, wenn die Bremse auf Betriebstemperatur ist, passt das Ensemble aus Handkraft und Wirkung zunehmend besser. Dabei gibt die Verzögerung keineswegs Anlass zur Kritik: Es ist vielmehr die Dosierung der Vierkolbenbremse, die zumindest im kalten Zustand ein bisschen mehr Biss vertragen könnte. In Sachen Höchstgeschwindigkeit braucht sich die wahlweise in Rot oder Gelb lieferbare Maschine nicht zu verstecken. Gut 250 Sachen stehen am Ende der Testgeraden auf dem Tachometer, was in der Realität rund 245 Stundenkilometern entspricht - sauber! Vor allem beeindruckt jedoch die Art und Weise, wie es Mann und Maschine nachdrücklich nach vorn schiebt.