Ducati 999R 2006

Ducati 999R 2006


Galaxie "Racetrack"

Per Anhalter durch die Galaxis? Die Frage nach dem Sinn des Lebens? Die Antwort ist doch ganz einfach: 999R.

Der April ist zwar kalt, macht mal wieder, was er will, nur nichts Gutes. Aber er bietet dieses Mal noch eine ganz andere Art von Abwechslung: Damenwahl! "Eigentlich" wollten wir Mädels mal eine schicke Fotosession auf der Düsseldorfer Königsallee starten, abends bei Lichterschein, wenn all die Reichen und Schönen auf die Colliers bei Cartier starren. Und wir, unbeschreiblich weiblich, dazwischen mit der knallroten Ducati Monster S4R beim Posen zwischen den Models. Aber dann, dann gibt der Kutti von Ducati Deutschland den Blockbuster der Saison frei: Die EINE, die DUCATI 999R. Mit Stolzentum sichtbar auf der Gabelbrücke, mit der Nummer 126. Eine von den auf 500 Stück Limitierten. Legitimiert zum Vollstrecken auf öffentlichen Straßen. Zum Einstandspreis von 29.800 Euronen. Immerhin. Und immerhin herrschen draußen Lufttemperaturen von zwei bis vier Grad, gerade über Null.

Galaxie "Racetrack"

Die Nummer 126 trägt rot auf schwarzem Carbon und schwarze Gummis, die gänzlich jungfräulich sind. Das richtige für schüchterne Mädels... und eigentlich nur zum Posen setzen die Jungs mit den richtigen Zündschlüsseln der Welt(e) noch eins drauf, rücken die Kilo Gixxer K5 von Suzuki zeitgleich auch noch raus. Aber das ist eine andere Geschichte. Für Schweißausbrüche und feuchte Hände reicht schon das Lesen des Vergleichsberichts zwischen den beiden auf der Rennstrecke von Ledenon. Wer will denn da noch nur blöd, blond und hübsch drauf aussehen? Ich meine, das Tier kannst du doch eh nur auf der einzig wahren Umlaufbahn des Planeten freilassen, in der Galaxie "Racetrack". Nix für die Realität, nix für die banal-bürgerliche Tour zwischen A und B. Wo schon edel die Akronyme für Macht carbonisiert tiefschwarz unter dem blutroten Lack her schimmern, d i e Symbole fürs Anreißen. Sprich mal nach, aber bitte mit Andacht: 9 9 9 R! Das heißt Kohlefaser all überall, ein Arte Fakt gehobener Fräskunst als Gabelbrücke, geschmiedete Marchesini-Leichtbau-Räder, edelste Öhlins-Komponenten für ergiebigste Fahrwerks-Perfektion und zwischen all der Pracht die Kronjuwelen des hohen Sports: dem Testastretta-Triebwerk als Superbike-Basis-Motor. Bohrung mal Hub 104,0 x 58,8 mm. Verdichtung: 12,3! 150 PS bei 9.750 U/min. Top on the rocks bei 110 Newtonmetern! Edel Schnellsein auf höchstem Niveau! Denn sie wissen genau, was sie tun.

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Von Patriziern und Plebejern

Sie wollen es wieder, die vollblütigen Italiener: das Patriarchat in der Superbike-Weltmeisterschaft. Und all die daraus erprobte Technik für das gemeine Volk. So es sich das leisten kann. Wir leisten uns als Teststrecke Tor Poznan in Polen. Mit dem wissenden Desmo-Volk zum freien Renntraining. Ex-BoT-Fahrer Bernd und Ralf, der Fahrwerksforscher, können es drehen und wenden, wie sie wollen, stellen das Fahrwerk von einem wohl um die 120 Kilo-Fahrer runter auf die aktuellen Werte unter 50 Kilo ein. Am Anfang steht das Einrollen bei noch feuchter Witterung, aber dann lässt mich Gott ein in seine eigenen Rennhallen, die weichen Stellen im polnischen Buckel-Beton erforschen mit dem begnadeten Fahrwerk. Einlenken auf den flügelleichten Marchesini-Rundlingen, mit Fingerspitzen die im Lackkleid ausgesparten Carbon-Flächen fühlen um dann am Gas zu reißen, dass der Eindruck rapide heranrasender Himmelspforten nicht zuletzt die Hirnanhangdrüse zum Flattern bringt und die Stirnfläche im Gegenzug den verbliebenen Rest auffängt, wenn der radiale Brembo-Bremsanker radikal verzögert. Aber alles, was recht ist, bei einem nahezu, ja hmm, eher untypisch für den italienischen V-Twin unaufgeregten Sound. Eher milde Maniac Street Preachers denn wilde Foo Fighters. Das Rundstreckentier ist zwar endlich freigelassen auf dem ihm arteigenen Terrain, brüllt dabei aber nur wenig asozial, eher elitär, in der Gegend rum. Aber befriedigt den Spieltrieb mit überschäumender Freude. Ob das Alles wohl Sinn macht, all diese Pracht und Herrlichkeit und Wirklichkeit? Falsche Frage! Querdenken! Always Alltag ist Gift! Nehmt dies als Gegengift! So es euch gelingt, die Banken von Eurer intensiven Bedürftigkeit zu überzeugen.

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Text: Sabine Welte

Fotos: Ducati Bielefeld, Welte