Ducati Monster S4R

Ducati Monster S4R


Asphaltmonster oder Einkaufstasche?

Es ist Sonntag am frühen Abend. Die Sonne verschwindet bald hinter den schicken Häusern auf der anderen Rhein-Seite. Die Promenade, an der die Ausflugsdampfer anlegen und auf der die ganzen Biergärten und Sonnenschirme aufgebaut sind, ist total überlaufen. Hach, hier treffen sich die Schönen und die Reichen auf ein Sektchen. Und ich schiebe in Hemd und Jeans, denn fahren darf ich heute nicht, das Monster am Rheinufer zwischen Tischen und Stühlen entlang Gassi, wie Blondchen Paris Hilton ihren Handtaschenhund auf der 5th Avenue. Und warum? Weil die Mädelz meinen, dass das Monster total gut in die Schicki-Micki Düsseldorf-Kö-Schiene passt. Mag sein, jedenfalls errege ich mit meinem großen roten Fiffi noch größere Aufmerksamkeit. Doch wohl fühle ich mich nicht, so ganz nackt, ohne Helm, ohne Leder und vor allem, ohne die Desmo-Vibrationen zwischen den Schenkeln. Und immer, wenn unsere Modelz und Fotografinnen ein adäquates Plätzchen im passenden Ambiente für das Monster gefunden haben, schau ich raus auf den Rhein und denke an gestern, als ich diese Fahrmaschine ihrer für mich einzig wahren Bestimmung zuführen durfte. 

Die wahre Bestimmung

Es war heiß, die Michelin Power Pilot von Anfang an auf der richtigen Temperatur. Mein Kollege mit X-Eleven und frisch programmierter Sauerland-Tour im GPS als Pacemaker vorneweg. Ich genoss die brutalen Vibrationen des 996 Aggregats bis 3.000 Umdrehungen, die Dich vermuten lassen, dass jemand Gabel, Bremsen und Vorderrad leicht gelöst haben könnte. Doch noch mehr gefiel mir, das, was ab 4.000 Umdrehungen in der Minute passiert. Wenn die Trockenkupplung die 83 Kilowatt ans Ritzel schickt, du mit noch etwas mehr Gas das Vorderrad steigen lassen kannst, wie ich es so leicht zuvor noch nie erlebt habe. Wir reden hier schließlich nicht von einem Zweitakt-Crosser, sondern von 206 kg italienischem Trocken-Eisen - und jeder Menge Carbon. Doch das ist schon wieder mehr was für die Damen. "Patric, kannste die Monster bitte mal zum Rammazotti Schirm schieben!" "Nee klar, kein Problem, mach ich doch gerne!" 

Spektakuläre Brembos

Was war das für ein Spaß, gestern, die ganze Vortriebsgewalt des drehfreudigen Superbike-Motors mit den spektakulären Brembos vernichten zu dürfen, sich dabei am gut dimensionierten Lenker abzustützen, das klare Feedback von Asphalt, Reifen und Federung aufzunehmen und gleich nach dem Umlegen wieder kräftig ans Gas zu gehen, ja, nur durch aufziehen des Kurzhubgasgriffs in den Begrenzer zu wheelen. Wen stört's denn schon, dass die Kupplung so einen festen Griff braucht, dass Du den linken Daumen beim Kuppeln nicht gleichzeitig an den Blinkerschalter bringst. Also rechtzeitig den Blinker setzen ist hier angeraten. Verkehrserziehung auf italienisch! 

Total fertig

Das ist Sport, Hochleistungssport. Zum Glück stürzt das arme GPS an der X-Eleven alle Nase lang ab und wir müssen anhalten. Zeit zur Erholung. Die brennenden Unterarme und Trizepse müssen mit Elektrolyt versorgt werden. Nach 240 Landstraßenkilometern bin ich total meier! Muss unter die Dusche. Die Monster hat sich derweil 16 Liter Super reingezogen. Auch OK, wenn ihr mich fragt. Aber mich fragt ja keiner. Außer, ob ich das Monster jetzt nicht vielleicht doch nochmal oben auf die Promenade schieben kann. Schieben? Nee, jetzt fahr ich das Ding mal eben hoch. Und falls die Polizei kommt, haben die bestimmt Verständnis für meine Notlage. Wofür ich gar kein Verständnis habe, ist dieser Aufpuff. Aber das ist ja Geschmackssache. Apropos Geschmack. Jetzt frag doch mal einer die Mädelz, worin der Monster-Reiz auf der Kö liegen soll!

Wie? Bist wohl monstermäßig gereizt, wa? Also ich find´s schön. Sollten italienische Motorräder nicht am besten immer von Männern, italienischen natürlich, in Hemd & T-Shirt umhergeschoben werden, während die Damen bei 25,4 °C mit Blick auf´s Wasser entspannt Café Latte schlürfen? Überhaupt, wir sind erst drei Stunden hier und die Sonne geht gerade unter. Beste Lichtverhältnisse für ein paar Fotos, die die weichen Linien der Ducati zur Geltung bringen. Die Monster entspricht phänotypisch rein gar nicht ihrem Namen, sondern ist mit flüssigem Strich von sicherer Hand gezeichnet. Den Sammler am Krümmer kann allerdings auch das weicheste Licht nicht mehr schönzeichnen. Zum Glück lenkt die per Einarmschwinge freigelegte Fünfsternfelge des Hinterrads das Auge des Betrachters davon ab. 

Diva inside

Hey Pabi, du willst schon gehen? Total fertig, bald Regen? So, so. Na gut, Fotografin Sabine und ich düsen ab, wir wollen die Fotosession auf der Kö fortsetzen. Beim Tuckern durch die Düsseldorfer Altstadt quer durch die Fußgängerzone wird die Monster ihrem Namen dann doch noch gerecht. Die Italienerin kann nämlich ganz Diva-like auch ziemlich anstrengend sein. Meine Kupplungshand meldet sich als erstes, der Fuß vergisst immer öfter die Gänge feste reinzutreten - die Sitzbank hingegen ist höchst komfortabel und die Sitzergonomie perfekt für meine 1,70m. Trotzdem vermisse ich meine, wenn auch schon etwas ausgelutschte, japanische Feinmechanik; an der S4R ist alles irgendwie - stramm. 

Auf dem Laufsteg

Endlich auf der Kö angekommen, drehe ich ein paar Entspannungsrunden um den Laufsteg der Schönen und Reichen. Bei der Kombination von 112 PS mit einer ultra-straffen Kupplung und einem echt giftigem Kurzhubgasgriff, der nicht mein Freund geworden ist, muss ich an jeder Ampel höllisch aufpassen, dass die Duc nicht auf´s Hinterteil marschiert. Soll ja Leute geben die wollen das. Auf der Luxusmeile passt sich die Rote sofort hervorragend in die Szenerie und ist eindeutig in ihrem Element. Zum Posen vor Gold und Platin wagen wir uns mit ihr bis in die Kö-Arkaden hinein. Es fällt nicht weiter auf, dass wir statt Handtasche und integriertem Taschenhund, ein Zweirad mitführen, Hauptsache Auffallen scheint das Motto der Schickeria. Und unsere Liquidität steht mit unserer 12.245 Euro teuren Monster-Handtasche schließlich außer Frage. Erst als wir der guten Akustik wegen in den Akraden das Monster mal richtig brüllen lassen, erregen wir die Aufmerksamkeit der Haussecurity. Mit der wendigen Ducati wäre eine kleine Verfolgungsjagd durch die verwinkelten Einkaufspassagen sicher ein Mordsspaß gewesen, aber ohne Sitzbrötchen hinten ist die Monster einfach nicht soziustauglich. Also lassen wir uns widerstandslos dahin zurück befördern, wo die S4R naturgemäß hingehört - auf die Straße. Da sagen die Herren der Schöpfung immer Shoppen wäre langweilig.

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Waterproof

Nach dem letzten "Klick" der Kamera trifft der erste Regentropfen das ducatirot und mahnt uns zur Eile. Doch geschenkt, auf dem immer länger werdenden Heimweg blitzt und donnert es, als ob der Wettergott, nachdem was er gesehen hat, prüfen will, ob wir nicht vielleicht doch aus Zucker sind. Dickes "nein"! Fotografin Sabine reitet auch eine Rote aus Bologna und mit gebührendem Abstand pflügen wir uns den Weg durch das Nass. Trotz Kurzhub"sch...kontrollierbarer"Gasgriff lässt sich die Monster mit dem Power Pilot und weiblich einfühlsamer Gashand zähmen. Mühsam verdränge ich alle Statistiken über Motorradfahrer und die Wahrscheinlichkeit eher vom Blitz getroffen, als vom Hai gefressen zu werden aus meinem Kopf. Dass wir nicht wasserlöslich sind, ist bewiesen, als wir bis drei Uhr morgens unaufhaltsam das Regenmeer auf der Autobahn teilen. Bis auf eine gemeinsame PP - Frau bleibt eben Frau.

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Text: Patric Birnbreier / Franziska Weigt
Fotos: pabi