Ducati Monster S4R 2006

Ducati Monster S4R 2006


MUCKIE-MONSTER

Wenn ein Monster frisch aus der Muckie-Bude kommt und voll auf den Putz haut. Impulsive Menschen kennen keine Grenzen.

Straff gestimmt, das Instrumentarium aus dem Rasseln der Trockenkupplung, desmodromischen Vier-Ventil-Spiels, verbündeten Doppelrohr-Kannen, subtil mit federleichtem Carbon nach oben hin abgedeckt. Nur in der unteren Etage spielt sich wie immer der Sammler als Schwellkörper auf. Zumindest ist das sanitäre Konzept im Souterrain der voll unverkleideten Ducati Monster immer noch unschön unübersehbar. Wenn du die rechte Fahrzeugseite betrachtest und der Blick gen Boden sinkt, macht sich Unmut breit ob der an dieser Stelle so lieblosen Gestaltung. Dabei möchtest du doch am liebsten nur den wohlgeformten Bögen dieser harmonisch geformten Schwinge folgen. Ach hätten sie doch diesen wahrhaft ästhetisch anspruchsvollsten Part an der Monster-Hinterhand genauso immensrot in Szene gesetzt wie den seit alters her bis in jedem Detail überzeugenden Gitterrohrrahmen aus Bologna. Diese Farbe gleich dem Ferrari-Rot wäre dieses Bauteils unbedingt würdig! Als Ausgleich zu anderen optischen Entgleisungen.

Monster-Perle

Dagegen zieht die perlmuttfarbene Lackierung auf den Monster-typischen Plastikteilen gleich alle bewundernde Blicke auf sich. Der rote Streifen, welcher sich von der Scheinwerferverkleidung bis zum Heck des Monsters zieht, steht im ereignisvollen Kontrast zu der edelhellen Lackierung und den edeldunklen Karbon-Abdeckungen. Quasi als Entschädigung für die brutalen Außeninstallationen von Kühler-Kulisse nebst zugehörigen Leitungs-Wirrungen. Noch über diesem unsäglichen Dudelsack von Sammler. Außergewöhnlich und spannend, das Farbbild und der Material-Mix aus Stahl, Aluminium, Kunststoff und leichgewichtigem Carbon. Kontrovers im Anblick, das ganze Konstrukt. Nicht so im Ausdruck von KRAFT! „Eine Maschine, durchströmt von pulsierendem Blut, mit einer DNA von Speed-Versessenen, die weder Furcht noch andere Schwächen kennen.“ Das Zitat eines Design-Studenten einer waghalsigen Motorrad-Studie – die Wirklichkeit ist schon lange geboren. Monster gibt es seit 1993, diese stärkste aller Zeiten entrückt uns direkt von der Rennstrecke in Form der 999 mit ihrer überschäumenden Power aus dem 130 PS-Testastretta-Triebwerk hin zum banalen Asphaltband öffentlich-rechtlicher Straßen.

Ducati Monster S4R 03

Italienische Dekadenz

Weg vom Verkleidungs-Zwang, demaskiert und mit der puren Authentizität der realen Kraft. 104 Nm, Verdichtung 11,4:1 – Werte, die du leibhaftig zu spüren bekommst. Ein zarter Druck nur auf den Starterknopf, schon hämmert es aus dem V2, der so schmal baut, aber mit arger WUCHT anreißt. Aaaahrrg, diese dekadenten Italiener: noch immer benutzen sie diese schwergängigen Hebelverbindungen zu Kupplung und Doppelscheiben-Brembo-Stopperei. Sind sie dir zu stark, bist du zu schw*ch! F*ck! Ich meine, bei solch einem stolzen Preis von knapp 15.000 Euronen sollten doch mal geschmeidiger flutschende Hydraulik-Pumpen drin sein, ohne dieses quälende Auferbieten sämtlicher (zugegeben, nicht vorhandener) Handkräfte, ohne diese derartig übertriebene Straffheit. Denn straff ist das Monster mit seinem gierig transparent agierenden Fahrwerk ohnehin. Klar, da rechtfertigen bereits die verbauten Hochleistungs-Einheiten von Öhlins sowohl an der voll einstellbaren Vorderhand als an der ebenso agilen Hinterhand die hochwerte Preisdimension. Fünfspeichen-Marchesini-Felgen mit rigider und doch so graziler Y-Struktur, radial montierte 4-Kolben-Brembo-Bremszangen mit hoher Effizienz. Die bekommst du auch gleich zu spüren, solltest du noch mit der Grobmotorik aus den zu schwachen Handgelenken beschäftigt sein. Hola, da geht was, wenn du schnell anhalten willst oder musst. Was schon mal häufiger passieren kann, weil du permanent gewillt bist, aus dem Vollen dieses blutdurchströmten Reaktors zu schöpfen.

Ducati Monster S4R 04

Hochleistungstriebwerk

Aus jedem Dreh am Gasgriff (zugegeben, ohne Anstrengung) entfacht der Motor mit den charakterfest eng verbauten Zylinderköpfen ein Freudenfeuer explosiver Lebensfreude. Mit der schieren Kraft des Hochleistungstriebwerks eines voll durchtrainierten 90°L-Twins, der auf einen leichtfüßigen 177 kg Body-Builder trifft. Immerhin, Karbonabdeckungen an allen schützungswürdigen Stellen. Dabei überraschen der ergiebige Antriebsstrang und ich uns gegenseitig am laufenden Kilometer. So spontan, die Kraftentfaltung des Sport-Monsters, so kurzatmig wirkt der Tankvorrat. Kein Wunder, dass bereits 168 Kilometer nach dem letzten Sprit-Fassen auf der digitalen Anzeige in den Runduhren schon das Lichtlein blinkt: Bei 13,5 Liter Tankvolumen zeigt der Sportmaxe gleich, dass er eher für den Sprint denn für den Langlauf gemeint sein muss.

Ducati Monster S4R 10

See what you mean

Pack dir bei nächster Gelegenheit das S4Rs-Monster bei den Hörnern und lass deine Speed-wahnen Gene wallen, bis das Rennblut auch in deinen Ohren zu rauschen beginnt. Während du noch über den technischen Daten sinnierst, setze ich derweil die letzten Sonnenstrahlen auf dem perlmutt-schimmernden Body in Hochleistungssport für die Straße um. Assimilation gen Akzeleration. Nur keine Zeit verlieren!

Text: Sabine Welte

Fotos: Michael Niemann/Welte