Yamaha TRX850 (1996-2000)

Yamaha TRX850 (1996-2000)


Wenn ein Japaner ein Italiener sein will …

Eine Ducati mit japanischer Zuverlässigkeit? Das war der Plan. Die Yamaha TRX850 war das Gegenstück zur Ducati 900SS seiner Zeit, hat sich aber nie gut verkauft. Die letzten übrig gebliebenen Maschinen wurden mit regelrechten Schleuderpreisen aus den Showrooms hinauskomplimentiert. Schande. Die Yamaha TRX850 ist ein sportliches Motorrad für die Straße und hat tonnenweise Charakter. Die TRX850 kann als Gebrauchtfahrzeug ein echtes Schnäppchen sein und haltbarer als eine Ducati ist sie ohnehin.

Motor

Die Yamaha TRX850 hat den gleichen Paralleltwin wie die TDM850. Er produziert zwar weniger Leistung als 600er Sportler aus derselben Ära, hat aber den deutlich bulligeren Antritt. Das bringt auf der Landstraße mehr Laune und ist dem zweizylindrigen Charakter zu verdanken. Die Hubzapfen der beiden Kolben sind um 270 Grad versetzt, nicht wie bei einem Twin üblich 180 oder 360 Grad. Dadurch ergibt sich die gleiche Zündfolge wie bei den italienischen Vorbildern von Ducati. Performance und Sound der TRX850 erinnern daher eher an einen V2 als an einen Twin. Große Schwäche des 850er-Twins von Yamaha: ausgeprägte Lastwechselreaktionen. Diese sind zum Teil schon sehr ruppig und verhageln einem die gute Laune. Dafür gilt der Motor als langlebiger Geselle, regelmäßige Wartung vorausgesetzt. Natürlich reisst er keine Bäume aus, aber für die flotte Landstraßenhatz reicht es allemal.

Fahrverhalten und Handling

Wie so oft wurde auch die TRX850 mit einem zu weichen Fahrwerk ausgeliefert. Sowohl Gabel als auch Federbein waren zu lasch. Gleiches galt für die Dämpfung. Dies verhinderte allzu sportlichen Einsatz, den der Motor und die Sitzposition schon nahe legten. Glücklicherweise ist hier mit wenigen Mitteln Abhilfe möglich. Progressive Gabelfedern und Gabelöl mit höherer Viskosität wirken da schon Wunder. Ein Federbein aus dem Zubehör kostet zwar ein paar Euro, der Einbau lohnt allerdings jeden Cent. Die Yamaha TRX850 liegt deutlich besser auf der Straße, ist jedoch immer noch neutral und wendig. Auch die Bremsen gewinnen durch die Umrüstung, da die Gabel nicht so stark eintaucht. Wer dann noch auf Stahlflex-Leitungen umrüstet, wird mit einem spürbar besseren Druckpunkt belohnt.

Ausstattung

Die Yamaha TRX 850 hat nicht viele Kinkerlitzchen. Es gibt etwas Stauraum unter dem Beifahrersitz, doch das ist alles. Wer durch die Rückspiegel etwas anderes sehen möchte als die eigenen Oberarme, muss längere Ausleger nachrüsten. Der Komfort für den Fahrer ist nicht berauschend, geht aber unter sportlicher Sichtweise in Ordnung. Den Beifahrerplatz streicht man am besten aus seinem Gedächtnis. Der Windschutz der Yamaha TRX850 ist akzeptabel. Die Handgelenke bekommen allerdings ziemlich viel Gewicht ab. Dies bessert sich wie üblich bei höherer Geschwindigkeit, dann „trägt“ der Fahrtwind etwas den Oberkörper und entlastet die Handgelenke.

Yamaha TRX 850 3

Qualität und Zuverlässigkeit

In den 90er-Jahren hatte Yamaha Motorrad eine Pechsträhne mit schnell rostenden Bikes. Leider gehört die Yamaha TRX850 zu diesen Maschinen. Als bei Verschlüssen und Befestigungshaltern genau hinsehen. Motorseitig gilt die TRX als sehr zuverlässig, aber bei unsachgemäßer Behandlung hält auch die beste Maschine nicht. Die üblichen Checks nach Sturtzspuren sollten daher sehr gewissenhaft erfolgen.

Wert

Vor ein paar Jahren war die Yamaha TRX850 noch ein Schnäppchen auf dem Markt. Leider haben die Preise inzwischen ein Niveau erreicht die von einem Schnäppchen weit entfernt liegen. Die gute Nachricht: Vorbesitzer hegen und pflegen ihre TRX, oft sind die notwendigen Nachrüstungen am Fahrwerk bereits gemacht. Auch wenn moderne Motorräder wie die Suzuki SV650 ein ähnliches Erlebnis bieten wie die TRX, so bietet diese dafür fast so etwas wie italienische Momente.

Yamaha TRX 850 4