Yamaha FZ1 Fazer 2006

Yamaha FZ1 Fazer 2006


Nackt-Eisen

Eines Tages wollte es der große Testgott, dass uns eine Yamaha FZ1 Fazer in die Redaktion hineinschneite. Der erste optische Eindruck war gut, schicke Halbschalenverkleidung, metallicrot, Tank und alle anderen Anbauteile trafen meinen Geschmack, auch wenn das Design etwas kantig ist.

Nur der Auspuff? Was haben sich die Yamaha Mannen denn dabei gedacht? Das Mega-Endrohr fügt sich nicht wirklich ins Gesamtbild der FZ ein. Aber Yamaha ist ja im Moment nicht der einzige Hersteller mit diesen Riesentöpfen. Ich kann nur hoffen, dass sich die Motorradhersteller bald wieder auf ein schickeres Auspuffdesign einschießen. Aber so kann die Zubehörindustrie auch noch ein paar Euronen verdienen. Der Sound allerdings ist Klasse! Heiser brüllend, aber auch nicht zu laut, meldet sich der Reihenvierzylinder zu Wort. Dass eine original Anlage so gut klingt, hat man selten.

Auf dem Papier stehen 150 PS aus dem Vierzylinder der uns schon aus der R1 bekannt ist. 106 NM bei 8.000 Touren und 204 Kilo Trockengewicht hören sich gut an und lassen flottes Fortkommen vermuten. Auf einer Testfahrt durch das Sauerland soll die Fazer mal zeigen was sie kann. Beim Ritt über die Autobahn stehen schnell 240 Sachen auf dem Tacho. Prompt zieht mir schon wieder eine Blechbüchse in die Fahrspur. Nicht ganz so schlimm, die Stopper der Fazer funktionieren tadellos und geben ein hohes Maß an Sicherheit. Die Fazer liefe bestimmt um einiges schneller, wenn die Bahn frei wäre. Hohe Geschwindigkeiten lassen sich Dank gutem Windschutz durch die Halbschale sehr gut fahren. Nur bei Geschwindigkeiten zwischen 130 und 150 km/h setzt der Vierer unangenehme feine Vibrationen frei, die nach längerer Fahrt bei mir zum Einschlafen des Popos führten. Also Autobahngeschwindigkeit entweder unter 130 oder über 150 wählen, dann klappts auch mit dem Hinterteil!

Leider sind wir auf der Fahrt ins Sauerland auch nicht wirklich schnell vorangekommen, da der Pabi mit seiner verranzten Z1000 (BJ. ungefähr um 1906) zirka 17 mal liegengeblieben ist. Als wir dann endlich in unserem Wochenenddomizil bei Dieter auf der Alm angekommen sind , haben wir erst mal ein leckeres Stück Kuchen eingeworfen und es mit einer Tass Kaff runtergespült. Schließlich haben wir den Pabi wohlwollend seinem Schicksal überlassen, sich einsam und verlassen auf der Alm seinem Kabelbaum zu widmen, und die Straßen um Brilon unsicher gemacht. Bei Fahrten auf kleinen und mittleren Landstraßen konnte ich das Fahrwerk auf Herz und Nieren prüfen. Beim Spurt hinter dem wahnsinnigen „janz schnellen Jörch“ her, mußte die Fazer beweisen was sie kann. Allerdings setzte da nicht das Motorrad die Grenzen sondern eher mein Selbsterhaltungstrieb.

Präzision im Alltag

Trotz des 190er Schluffens hinten ist die Fazer allerdings gut ums Eck zu bewegen, lenkt leicht ein und folgt präzise der eingeschlagenen Linie. Dank aufrechter Sitzposition und gut gekröpftem Lenker sind auch längere Strecken gut zu verdauen. Ein Gedicht ist der Motor: Er beschleunigt ruckfrei und zieht heiser fauchend hoch, der Sound ist einfach Klasse. Als wir dann gegen Einbruch der Dunkelheit wieder beim Dieter auf der Alm ankamen, meinte Pabi optimistisch, dass der Elektrikteufel an seiner Z endgültig besiegt sei, was sich allerdings auf der Rückfahrt am nächsten Tag schnell als Trugschluß herausstellte. Nach ein paar Bier, Leckerem vom Grill, einer Nacht im Mehrbettzimmer und gutem Frühstück, war die Heimreise über Sauerländer Landstraßen angesagt, allerdings war die Fahrt nach einem Kilometer schon wieder zu Ende, da die Z wieder streikte. Weil der Pabi unbedingt alleine an dem Schraubenhaufen rumfummeln wollte, fuhren wir noch durchs Sauerland um den Schrottgepeinigten gegebenenfalls wieder einsammeln zu können. Die Fazer konnte bei dieser Gelegenheit an Ampeln und im Stop und Go beweisen, dass sie auch für den Stadtverkehr durch die Leichtgängigkeit der Kupplung und das gut gestufte Getriebe geeignet ist. Nur beim Runterschalten will der Ganghebel mit Nachdruck betätigt werden, da die Schaltbox manchmal nur unwillig die Gänge wechselt. Als dann die SMS von unserem Herrn-Redaktionsvorsteher kam, dass er und seine Kawa wohlbehalten in Bochum angekommen sind und der Fehler, ein blank gescheuertes Kabel in der Lampe, behoben sei, machten auch wir uns Richtung Heimat auf. Es ist doch herrlich, auart unter dem ein neues, alltagstaugliches Motorrad modernster Hintern zu haben. Da kommt man wenigstens zum Fahren.

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