Harley Davidson FXSTD Softail Deuce

Harley Davidson FXSTD Softail Deuce


Ride in Style

Die richtige Harley für den richtigen Fahrer- das ist schon immer eine Ansichtssache gewesen. Kaum ein Harley-Besitzer belässt sein Bike in dem Zustand, in dem es in Milwaukee aus den Werkshallen rollt.

Mit der "Deuce" geht Harley-Davidson einen neuen Weg: Zum ersten Mal wird nicht die Basis für ein Custombike vorgegeben, sondern das fertige Endprodukt. Die "Deuce" ist ein ab Werk komplett durchgestyltes Custombike, an dem man gar nichts mehr ändern möchte. Gesegnet mit dem Fahrspaß eines Hot Rod."Wenn man in Zukunft auf die Geschichte von Harley-Davidson zurückblickt, wird dies einer der Meilensteine unserer Firmengeschichte sein", erklärte Willy G. Davidson bei der ersten europäischen Präsentation der "Deuce" auf der "Mondial des deux rues" in Paris, während er den anwesenden Journalisten die Einzelheiten der in der Designabteilung komplett durchgestylten Maschine erläuterte. Die "Deuce" ist das Top-Modell des 2000er Harley Jahrgangs und sie wird dieser Rolle gerecht. Alles an dem Bike ist neu. Vom Motor bis zum Rücklicht, und es glänzt mit einer Optik, für die man bei einem nicht autorisierten Customshop noch ein paar Tausender mehr auf den Tisch legen müsste. Die rund geschliffenen und ultra-cleanen Teile der "Deuce" sind nur an diesem Harley-Modell verbaut: Poliert, verchromt und mit weitgehend versteckten Halterungen bietet die "Deuce" einen Look, der einem "Hot Rod" auf zwei Rädern entspricht.

Die schlank zulaufenden Gabeltauchrohre, abgerundete Gabelbrücken, gestreckter Tank mit einem ebenso schlanken wie aufgeräumten Tankdash, der gestreckt wirkende Fender mit integriertem Rücklicht, gehalten von polierten Streben, deren Montagepunkte dezent versteckt sind und ein Hinterrad, welches man in diesem Stil auch an einem Weltrekordfahrzeug in Bonneville finden könnte. Kein Zweifel, dass sich die Designabteilung um Willy G. bei diesem Motorrad voll ins Zeug gelegt hat.Die Technik des Bikes entspricht dem Standard der neuen Modell-Generation: Der Twin Cam 88 B mit seinen zwei Ausgleichswellen wurde starr im Rahmen montiert, ist aber in seiner Laufkultur, insbesondere den Vibrationen, gezähmt. Die Bremsanlage mit je einem Vierkolbensattel vorne und hinten ist auf der Höhe der Zeit und bremst das über 300 kg schwere Gefährt problemlos ab.Daytona Beach ist - realistisch gesehen - nicht unbedingt der geeigneteste Platz um ein Motorrad zu testen: Geschwindigkeitsbeschränkungen überall, Straßen, die sich nur im rechten Winkel kreuzen und vielleicht einmal eine Autobahnauffahrt, die beim Schräglagen-Test das Anschleifen der Fußrasten erlaubt. Und doch! Ist dieses Bike nicht gerade für eben diese Kundschaft gebaut, die langsam auf der Mainstreet auf- und abrollend, mit gelegentlichen Gasstößen 10, 12 oder 15 Meter vorwärts beschleunigend dem Nachbarn an der nächsten Ampel mal zeigt, was ein echter Sprinter ist. Natürlich nur bis 55 Meilen pro Stunde, sonst leuchtet in der nächsten Hauseinfahrt schon wieder so ein rot-blaues Blinklicht auf...

Auch wenn Tausende von aufwändig aufgebauten und lackierten Custombikes die Straße säumen: Die "Deuce" fällt auf. Hier steht die Motorrad gewordene Manifestation von Harley-Davidson, die sagt: "Wir können auch anders." Wer die "Deuce" vor fünf Jahren in einer Bikeshow platziert hätte, dem wäre ein Platz auf den vorderen Rängen sicher gewesen. Jetzt gibt es das in Serie. Nicht nur vom Styling, auch im Fahrverhalten agiert die "Deuce" wie ein Hot Rod: Noch immer poltert der Motor los, wie man es von einem American-made V-Twin gewohnt ist. Doch die Vibrationen sind weg. Sie werden geschluckt von zwei großen Ausgleichsgewichten, welche sich vor und hinter den Zylindern drehen. Sie sind mittels einer langen Kette mit der Kurbelwelle verbunden und kompensieren so die Massenkräfte der auf und nieder gehenden Kolben, welche an den früheren Softail Modellen die Füße von Rasten und Trittbrettern schüttelten. Diese Zeiten sind mit dem Twin Cam vorbei. Der Fahrer spürt zwar die Kraft des Triebwerks, auch dass sich etwas zwischen seinen Beinen bewegt bleibt ihm nicht verborgen, doch die Vibrationen sind weg. Was dem traditionellen Harley-Fahrer ein Gräuel, wird der Factory einen völlig neuen Kundenkreis erschließen. Nach 20.000 Evo Softail Kilometern verfluchte schon so mancher Macho seine Wahl und wünschte sich angesichts des Kribbelns in seinen Fingern zurück auf einen "Rubber Mount".

Vom Stand weg dreht der Motor der "Deuce" kräftig nach oben und schiebt das Gefährt unwiderstehlich nach vorne. Schon an der ersten Ampel an der Ausfahrt vom Racetrack zeigt sich eine weitere Stärke der "Deuce": Die Fußrasten lassen erstaunliche Schräglagen zu, bevor schleifende Geräusche mahnen. Die Deuce hat außer den FXDX und Dyna Convertible Modellen die größte Schräglagenfreiheit aller Big Twin Modelle und das will bei einer Softail schon was heißen! Natürlich ist die "Deuce" kein Sportbike, will sie auch nicht sein, aber für einen kurzen Zwischensprint langt es allemal. Mit dem "Screamin' Eagle" Performance Kit kann man das Bike zu einem echten Muskelprotz dopen, doch auch die Serienversion glänzt mit ausgeglichenen Fahreigenschaften. Aus der zwei-in-zwei "Shotgun" Anlage kommt ein legaler, aber dennoch recht prägnanter Sound. Natürlich nicht halb so auffällig wie die brüllend offenen Auspufftröten, mit denen die "Loud pipes save lives" Stickerträger zu Tausenden lebensrettend im Schritttempo über die Mainstreet zuckeln, aber einzigartig genug, um damit aufzufallen - und zwar positiv! Auch über die Bremsanlage gibt es nur Positives zu berichten. Die neuen Vierkolben-Zangen gehören zum Feinsten, was je an einer Serien-Harley verbaut wurde und sind um einiges besser zu dosieren als so manches Aftermarket-Produkt, welches vielleicht eine paar Kolben mehr hat, dafür aber mit der Brechstange betätigt werden muss. Ohne Zweifel: Die "Deuce" wird ihrer Bedeutung als Harley's Flaggschiff gerecht. Sowohl in Fahrverhalten als auch optisch lässt sie Harley-Fahrer-Träume Wirklichkeit werden. Selbst wenn dieser Traum einen hohen Preis hat. Doch ein Harley-Davidson "Hot Rod" ab Werk ist sein Geld wert. Dieses Modell wird einmal ein Sammlerstück. Garantiert

Text: Horst Rösler

Fotos: Rösler/Werk

Weitere Testberichte Harley Davidson Chopper/Cruiser

Harley Davidson Road King Classic

Harley Davidson Softail Cross Bones

Weitere Testberichte Chopper/Cruiser

Suzuki VZ 1600 Marauder

Kawasaki Mean Streak VN 1500

Kawasaki VN 1600