Yamaha FZS 600 S Fazer

Yamaha FZS 600 S Fazer


Sportlicher Allrounder mit POWER Triebwerk

"Draufsetzen und sich wohl fühlen" ist für viele Freizeitbiker die Devise - ein Motorrad für dich und mich - eines, das alles mitmacht. Ein Bike, mit dem man zur Arbeit fährt, am Wochenende - mit oder ohne Sozius - auf Tour geht und das einem vielleicht auch noch auf der Nordschleife den Adrenalinstoß beschert. Kurz, einen Allrounder für jeden Tag, mit einem akzeptablen Preis-Leistungsverhältnis.

Fahrberichte hin, Leistung her, ich brauche ein Motorrad, das zu mir passt. Zu meinen Fahrfertigkeiten, zu meiner Größe von immerhin 182 cm - als Frau also nicht gerade zu den Kleinwüchsigen zählend - naja, und Optik und Handling sollten natürlich auch stimmen. Bislang unglücklich mit einem Eintopf verheiratet, riet mir ein Freund, mich von Letzterem zu trennen und mich mit einem spritzigen Vierzylinder einzulassen. Die Firma Motorrad Engel in Haltern vertraute mir die Fazer für eine ausgedehnte Probefahrt an. Meinen Pseudo-Schlammhopser überließ ich dort seinem Schicksal, drehte den Schlüssel an der Fazer auf "ON", zog den Choke ein Stückchen raus und startete das Triebwerk, welches augenblicklich, wie ein Nähmaschinchen surrend, seine Arbeit aufnahm.

Den Körper leicht nach vorn geneigt, die Fußrasten weiter hinten - daran hatte ich mich schnell gewöhnt. Schon auf der kurzen Fahrt nach Hause, von wo ich am nächsten Morgen zu meiner Tour starten würde, wusste ich, "das ist mein Motorrad"! Und dabei wusste ich nach den paar Kilometern ja noch gar nichts - außer dass es regnete wie blöd. Am nächsten Morgen ging es in aller Frühe auf Tour durch das Sauerland und dann immer gen Osten. Üblicherweise bekam ich auf meinem Eintopf bereits bei 120 km/h, insbesondere mit Gepäck, schon Schweißausbrüche, weil die Kiste anfing zu schwimmen. Nun zeigte mir ein Blick auf den Tacho, dass ich bereits 170 Sachen draufhatte. Unglaublich, keine Vibrationen und kein Lenkerflattern.

Wenngleich die Frontverkleidung den Wind nicht hundertprozentig abhalten kann, so hat man trotzdem nicht das Gefühl, dass einem bei der nächsten Windböe der Kopf abgerissen wird. Trotz des sich zum Fahrer hin verbreiternden Tanks ist der Knieschluss in Ordnung. Plötzlich ist es wie eine Erleuchtung: Fahrerin und Motorrad sind eine Einheit. Wie ein Kind freue ich mich auf die ersten Kurven und Kehren.

Ohne Murren und Knurren

Endlich Landstraße. Jetzt wird's spannend. Wie läßt sich die Fazer wohl durch die Kurven bewegen? Der Umgang mit diesem Motorrad gestaltet sich so spielerisch, dass ich aufpassen muss, nicht übermütig zu werden. Wie ein Damenfahrrad lässt sie sich in die Kurven legen und endlich bekomme ich eine Ahnung davon, was Schräglage ist. Wenn du mit dem Motorrad verschmilzt und nicht mehr das Gefühl hast, du bist "nur" Fahrerin, dann fängt es so richtig an, Spaß zu machen. Kleine Fahrfehler verzeiht das Fahrwerk der Fazer ohne Murren und Knurren. Selbst durch etwas schaltfaules Fahren ist sie nicht sonderlich zu beeindrucken. Hatte ich doch bislang bei unbekannten, kurvenreichen Strecken mit meiner Enduro immer das Problem, zu schnell oder zu langsam zu sein, einen zu hohen oder zu niedrigen Gang drin zu haben, so ist das nun kein Thema mehr. Alles passt.

Selbst nachdem ich nun viele Stunden auf dem Bock verbracht habe, bin ich noch immer nicht pausenwillig. Eine neue Dimension des Motorradfahrens hat sich mir erschlossen. Auf einmal kann ich den Fanatismus verstehen, den viele Motorradfahrer an den Tag legen - denen schon die Gashand zuckt, sobald im Frühjahr die ersten Sonnenstrahlen die Erde erwärmen. Oder jene, die auch im Winter warm eingepackt unterwegs sind. Auf einmal gehöre ich dazu - ich will fahren , fahren , fahren! Das Triebwerk begeistert durch Power, selbst aus dem Drehzahlkeller. Das einzige, was zu kritisieren wäre, sind die zwar einstellbaren, aber trotzdem zu weichen Gabelfedern. Aber heize ich ständig über Buckelpisten? Nein. Ich bin doch nicht im Skiurlaub. Und falls es mich dann doch mal extrem stören sollte, kann ich mir immer noch andere Gabelfedern einbauen lassen. 

Leistungsreserven

Die Windgesichter und die rennsporterfahrene Motorradfahrerfraktion könnten nun herzlich lachen, weil ich völlig unvoreingenommen die Fazer gefahren bin. Das heißt, ich habe mir nicht einmal die technischen Daten angesehen. Gut, dass ich es nicht getan habe, denn niemals wäre mir als Wiedereinsteigerin, die in zwei Jahren gerade mal 9.000 Km abgerissen hat, eingefallen, ein Motorrad mit 95 PS zu bewegen. Da hätt' ich mich doch nicht drauf getraut. Und jetzt bin ich einfach nur begeistert. Die Fazer geht ab wie ein Zäpfchen und du hast einfach Leistungsreserven, die in brenzligen Situationen verdammt wichtig sein können. Um ein nicht abwegiges Klischee aus Klamottenkiste zu holen: Der Opa in seinem Audi 80 zieht auf gleicher Höhe links rüber auf meine Spur. Er sieht mich nicht - toter Winkel, kein Blick über die Schulter, oder es liegt am Hut. Egal! Bremse ich oder geb' ich Gas? Klar, Gas, was sonst! Und wenn doch mal Bremsen angesagt ist, beißen die Zangen aus der R1 herzhaft zu.

Ein Motorrad, das einfach begeistern muss! Die Fazer ist im Vergleich mit anderen Mittelklassetourern sicherlich nicht die preiswerteste, aber für mich ist sie jede verdammte Mark wert, die ich drauflegen mußte, als ich meinen Eintopf vor wenigen Wochen in Zahlung gab. Da es die Fazer auch als 25 kW/34 PS Variante gibt, ist dieses Modell auch ein absolut geniales Einsteigermodell. Ein Motorrad, das auch von Fahranfängern leicht beherrscht werden kann, da es durch das einfache Handling unglaublich viel Sicherheit vermittelt und für seinen Preis von 7106.96 Euro eine kaum zu toppende Leistung bringt.

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Text: Ken

Fotos: Juli