Suzuki GSX-R 1300 MAB Turbo

Suzuki GSX-R 1300 MAB Turbo


Mr. Hayabusa auf Rekordjagd

In der aktuellsten Version leistet sein Wanderfalke 334 PS und könnte bei entsprechender Übersetzung locker an der 400er Schallmauer knabbern. Doch welche Motorradreifen machen das eigentlich mit? Und wer will das überhaupt? Damit alles im Rahmen bleibt, hängt Mr. Hayabusa sich seit einigen Jahren gern einen Rollschuhfahrer ans Heck, um den Highspeed zu mildern und Weltrekorde aufzustellen.

Mr. Hayabusa heißt im wahren Leben Elmar Geulen, ist dem Motorsport seit Langem verbunden und vertreibt hauptberuflich Fünfzehnsekundenzelte in ganz Europa. 1983 wechselte Elmar vom Motocross-Seitenwagen und Solo-Sport, in dem er vier deutsche Meistertitel errang, in den Straßenrennsport. Und weil Elmar es extravagant mag, besorgte er sich die RG 500 Grand Prix Maschine von Reinhold Roth, um bei seinem Debüt beim Fischereihafenrennen auf Kopfsteinpflaster gleich mal komplett aus dem Rahmen zu fallen. Heraus kam ein Wheelieverbot des Veranstalters, der erste Platz und 480,- Mark, die die Zuschauer ihm wegen seines hohen Unterhaltungswertes spontan spendeten. Isle of Man, Macao GP, Le Mans, Pro Superbike, Deutsche Meisterschaft und diverse Langstreckenrennen sind die weiteren Stationen im rennsportlichen Werdegang von Mr. Hayabusa. Ab 1992 ist er maßgeblich an der Verbreitung des gerade aufkommenden Supermoto-Fiebers beteiligt, 1999 dann die Rückkehr in die Superbike-Klasse und, beseelt von dem Wunsch mal wieder was Einzigartiges zu schaffen, erstmalige Hinkehr zur Suzuki Motorrad Hayabusa.

einzige, der sich traut, auf einem Sporttourer Rennen zu fahren. Eingetragene 300 km/h Höchstgeschwindigkeit sind eine Verheißung für den Rennsport. 255 Kilogramm aber auch und zwar im negativen Sinne. LKM hilft und schraubt das Gewicht auf 208 Kilo herunter. Der Hubraum wird auf 1460 ccm und die Leistung von 175 auf 217 PS erweitert. So aufgetunt pflügt Elmar mit dem Koloss durch's Pro-Superbike-Feld, bis das Reglement die Moppeds auf 1000 ccm kastriert. Vorher springt im Jahre 2001 immerhin ein 7. Platz in der Gesamtwertung heraus. Von da ab, bis heute, ist MR. Hayabusa mit seinem Falken in der Open-Extreme-Klasse zu hause, in der sich alles tummeln darf, was sonst nicht ins Reglement passt.
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Leute, kauft Turbolader!

Zwei der LKM Suzukis hat Elmar in seiner Garage. Damit zog er 2002 und 2003 den offenbar irrsinnigen Jürgen Köhler auf Inline-Skates (das sind die Dinger, mit denen ahnungslose Wochenendausflügler sich schon mal beim Umrunden der Naherholungs-Gebiete die Knochen brechen) zu mehreren Highspeed Weltrekorden. Aktuelle Bestmarke: 281,25 km/h. Die Rollen der Schuhe drehen sich dabei 27.000 mal pro Minute. Allerdings ist den beiden das noch längst nicht genug. Sie wollen die 300 km/h Schallmauer durchbrechen. Geplant ist ein Versuch in Dubai. Vorgespräche finden gerade jetzt statt und mit der neuen TURBO-Hayabusa von MAB sollte es auch klappen. Denn die katapultiert Mensch und Rollschuhfahrer mal eben mit 334 PS durch die Weltgeschichte, als wäre ihr Gewicht schlicht nicht existent. Die bekannte Tuningfirma aus Deutschlands Norden, genauer gesagt aus Itzehoe, pflanzte auf das Serientriebwerk kurzerhand einen Turboladerkit aus amerikanischer Fertigung. Die günstigste und effektivste aller Tuning-Methoden. Während man bei der konventionellen Bearbeitung von Motorbauteilen wie Zylinderkopf, Kolben, Pleuel, Kurbelwelle und dergleichen, von 500 Euro pro Tuning-PS ausgehen muss, beträgt der finanzielle Aufwand beim Turbo-Tuning gerade mal 55 Euro pro PS - Leute, gehet los und kauft Turbolader!

Die ursprüngliche Auspuffanlage fällt komplett weg. Dafür baut MAB eine neues Krümmergewirr an die Auslassflansche, durch welches die heiße Abgasluft das Turboladerrad anströmen und antreiben kann. Während das auf diese Weise zweitverwertete Gasgemisch sich seinen Weg zum recht leise vor sich hinröchelnden MAB Endtopf sucht, schiebt der in Wallung geratene Turbo-Frischluft durch den direkt hinter dem Vorderrad angebrachten Ladeluftkühler (je kühler je Leistung) in den, anstelle der originalen Airbox angebauten Alu-Luftsammler, wo die nun mit 0,8 bar komprimierte Luft die offenen Drosselklappentüren einrennt und Leistung ohne Ende produziert. Vier zusätzliche Einspritzdüsen versorgen, durch eine ebenso zusätzliche Einspritzsteuerungseinheit in ihrem Tun geleitet, und von einer leistungsfähigeren Kraftstoffpumpe bedient, den gestiegenen Kraftstoffbedarf der Turbo-Busa ab 5.000 U/min. Darunter hat der Turbo Pause und alles fühlt sich eigentlich ganz normal, eher etwas schlapper als in der Serienbusa an. Doch wehe, diese Grenze wird überschritten. Sofort versammeln sich 334 PS und 280 Nm Drehmoment. Schon bei 6.500 U/min! Wehe, du befindest dich da grad in der Kurve oder in einem der ersten drei Gänge. Dann reißt es entweder das Vorderrad unbarmherzig in die Höhe, dich samt Maschine aus der Bahn, oder der Reifen geht einfach in Rauch auf. Aber selbst bei Testfahrten auf der freien Autobahn ergibt sich einen Vorschub, der die Grenzen des verarbeitbaren Informationsinputs deutlich sprengt. Die Umwelt verschwimmt zu einer unscharfen Masse, die viel zu schnell vorbei zieht, als dass man Einzelheiten wahrnehmen könnte. Man taucht ein in den sonst nur in Science Fiction Serien erlebbaren Slipstream. Zeit und Raum - Alles nur ein Traum?

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Straßenzulassung

Trotzdem hat MAB für diesen Bausatz eine Straßenzulassung. Wieso auch nicht. Denn natürlich sind auch die übrigen Teile an Elmars Hayabusa auf diesen Extremschub ausgerichtet. Und außerdem muss ja auch nicht jederzeit Vollgas anliegen. Bei Ferrari, Porsche, BMW, Mercedes und Bugatti stellt sich auch selten jemand die Sinnfrage des PS-Wahns. Um den Wheelspinn beim Beschleunigen von 250 auf 340 km/h, oder so, in den Griff zu kriegen und um bei Wheelies nicht gleich einen Überschlag hinzulegen, gibt es eine Daumenbremse, mit deren Hilfe man sehr filigran das Hinterrad einfangen kann. Vorne beißen zwei Spiegler 8-Kolbenzangen in 289er Bremsscheiben und bemühen sich erfolgreich um die Vernichtung der Bewegungsenergie. Das Fahrwerk ist eine Spezialbestückung von Benny Wilbers und die ultraleichten Carbonräder kommen von Dymag. Natürlich erfolgt die Kraftübertragung ans Hinterrad über stählerne Ritzel und eine extra starke DID Kette. Automatisch gewartet vom CLS Kettenschmiersystem. Radialpumpen von Spiegler helfen beim Aufbau des Bremsdrucks und beim Betätigen der verstärkten Kupplung. Der Hyperpro Lenkungsdämpfer verhindert gekonnt das gefürchtete Kickback am Vorderrad beim extremen Beschleunigen. Die Banner der Werbepartner und Sponsoren sind aufgebrusht, statt aufgeklebt, wahrscheinlich, damit sie nicht wegfliegen. Die Kosten für den kompletten Umbau lassen sich nur schwer beziffern. Die MAB Turbohayabusa ist ein Spezialwerkzeug für die Rekordfahrten mit Rollschuhfahrer am Heck. Nicht jeder braucht unbedingt ultraleichte Carbonräder. Schon gar nicht, wenn die Turbogewalt anschiebt. Der Turbokit ist für 7950,- Euro inklusive aller benötigten Teile, Einbau und TÜV-Abnahme ganz normal und von jedermann bei MAB zu bekommen. Da dürfte die Suche nach einem freiwilligen Skater als Bremser sich schon schwieriger gestalten.

Text: pabi

Fotos: Mick Hüby/pabi