Honda CBR 900 RR

Honda CBR 900 RR


Das Imperium schlägt zurück

Anfang der Neunziger kam die Honda CBR 900 RR Fireblade heraus. Stark wie ein Big-Bike, aber leicht wie eine 600er. Auf einmal sprach alle Welt nur noch vom "Power-Sportler". Und die Geschichte geht weiter.

In unserer schnelllebigen Zeit sind acht Jahre eine verdammte Ewigkeit, in der die Honda CBR 900 RR Fireblade Geschichte geschrieben hat. Lifestyle-mäßig ist sie allerdings steinalt. Wie obsolet die RR tatsächlich ist, zeigte Yamaha 1998 mit der YZF-R1: 1000 ccm Hubraum, 150 PS stark, knapp 200 kg schwer und gut 270 Sachen schnell. Der High-Tech Typus "Power-Sportler" wurde von der R1 noch einmal vollkommen neu definiert. Das konnte und wollte sich Honda natürlich nicht gefallen lassen. So zauberte man für das Jahr 2000 einen vollkommen neuen Power-Sportler aus dem Hut, nur der Modellname blieb: CBR 900 RR Fireblade. Wie es sich für ein renommiertes Werk gehört, präsentierte Honda das Supergerät Mitte Januar auf der Rennstrecke Estoril in Portugal.

Racing pur mit Herzklopfen

Was halten die Tester von der neuen Fireblade? Ist sie besser als die R1? Wenn es nach den nüchternen technischen Daten geht, ist die Frage mit einem JA eigentlich schnell beantwortet. Mit exakt 929 ccm Hubraum, 151 PS bei 11000 U/min und nur 170 kg Trockengewicht gibt es im Moment nichts Vergleichbares. Aber längst nicht genug. Erstmalig wurde ein Super-Sportler mit einer Computer-gesteuerten Einspritzanlage und einem geregelten Dreiwege-Katalysator ausgestattet. Diese Konstellation, Rennsporttechnik und Umweltbewusstsein, ist neu - Honda hat verstanden. Beim Fahrwerk hat sich einiges getan. Der Brückenrahmen aus Alu-Profilen ist um 30 Prozent steifer geworden. Erstmalig in der Fireblade-Familie ist die Schwingenaufnahme direkt am Motorblock gelagert. Neu sind auch die Upside-down-Gabel und das 17-Zoll-Vorderrad. Wollte man alle weiteren Änderungen und Verbesserungen aufzählen, wäre der Bericht selbst nach 10 Seiten noch nicht beendet. Viel wichtiger für die Knieschleifergilde ist jedoch: Wie fährt sich die neue RR? Eins ist klar: Will man das Potenzial auch nur annähernd ausschöpfen, bleibt nur die Rennstrecke. Hier stößt man in eine Galaxie vor, die bisher den Superbike-Rennfahrern vorbehalten war. Für den Tester bedeutet der Ausflug Racing pur, mit Herzklopfen. So jedenfalls die "innere Einstellung" beim Platznehmen, Anlassen und Losfahren.

Auf der neuen Fireblade kommt man allerdings schnell zu einer relaxten Einstellung. Die Sitzposition ist überraschend angenehm, man sitzt nicht Racing-mäßig, tiefgebückt und zusammengefaltet, sondern, so möchte man meinen, einfach nur sportlich bequem. Der Gedanke, dass man, wenn man nur wollte, mit der Fireblade alles in Grund und Boden fahren könnte, ist plötzlich ganz weit weg. Alles passt, die Füße stehen im richtigen Winkel auf den Fußrasten, bequem lassen sich die Stummellenker erreichen, die Bedienung von Kupplung, Schaltung und Bremsen funktioniert spielerisch leicht. Alles erinnert an das Versprechen "handlich wie eine 600er und stark wie ein Big Bike". Ohne Kraftanstrengung lässt sich die Fireblade um den Rennkurs dirigieren, zielgenau fährt sie genau dahin, wohin man will, und das Schöne an der Sache ist, sie macht nicht aggressiv. Und das ist auch gut so. Die Eingewöhnung geht schnell, bald fühlt man sich auf der Fireblade zu Hause. Die Bremspunkte werden später gewählt, man traut sich größere Schräglage zu und auf den kurzen Geraden wird der Motor in den Gängen höher gedreht, von Runde zu Runde wird man immer frecher.

Was eben gemütlich war, wird zum Inferno. Auf einmal befindet man sich am Rande der Galaxie, die Superbike-Rennen heißt. Unbarmherzig schiebt die Fireblade vorwärts, ohne Mucken und Zicken, der Motor schnurrt wie ein Kätzchen, aber mit einer gehörigen Portion Pfeffer im Arsch. Gleichmäßig, aber in Bruchteilen einer Sekunde schickt das Triebwerk wie eine Jumbo-Düse seine Kraft ans Hinterrad, bei 11000 Umdrehungen sind es 151 PS, das ist ein Wort. Wer in den unteren Gängen den Motor ausdreht, braucht sich nicht zu wundern, wenn das Vorderrad ständig irgendwo zwischen Himmel und Erde schwebt. Beschleunigung und Speed sind natürlich nicht alles. Auch beim Bremsen ist die RR ein guter Partner. Der Vorderrad-Stopper verdient das Prädikat "Zwei-Finger-Bremse", feinfühlig und ohne Kraftanstrengung lässt er sich selbst aus hoher Geschwindigkeit tadellos dosieren. Unbeirrt zeigt sich das Fahrwerk, es liegt satt auf der Fahrbahn, Bodenwellen werden einfach glattgebügelt. Mit spazierenfahren hat das Ganze schon längst nichts mehr zu tun, aber wer will das schon mit einem Power-Sportler?

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Text: Winni Scheibe
Fotos: Scheibe, Werk