Ducati Sport 1000

Ducati Sport 1000


Frische Erinnerung

Neue Fahrfreuden im alten Gewand? Zieht schnell das flotte Leder an, die Ducati Sport 1000 entfaltet alle im klassischen Sinne!

Alle Welt giert nach der neuen Monster S4RS, da wird im Fuhrpark endlich die sonnengelbe Ducati Sport 1000 frei. Dabei lüftet sich gerade, wie passend, endlich der winterlange, graue Himmel, bringt die Sonne uns endlich wieder an den Tag. Aber erst in Polen, an der Rennstrecke von Tor Poznan, trocknet die sportliche 1000er der neuen Klassik-Linie von Ducati nach tagelangen, schweren Regenfällen.

Neben der retroselig verkleideten Paul Smart als Namensgeber der legendären Racing-Vergangenheit von Ducati und der geselligen Touren-GT bietet diese dritte im Bunde völlig unverschalt mit der bewährten Zweiventil-Technik des DS 1000 Motors den freien Blick auf die wunderschöne Schwinge, die sich im eleganten Bogen um den Desmo-Twin windet, während sich auf der rechten Fahrzeug-Seite zwei eher großvolumige Schornsteine in mattschwarz und übereinander ihren Weg gen Fahrzeug-Heck bahnen. Der einzige visuelle Kritikpunkt, nicht existent an der GT mit den beidseitigen, glänzenden Edelstahl-Tüten, aber hier an der Sport 1000, als schwergewichtig wirkende Asymmetrie. Ein Platz für Variationen der Zubehör-Gestalter und zur eigenen Geschmacks-Entfaltung.

Eingebauter Premium-Anspruch

Aber gut, nach hinten schaust du eh nicht, sitzt du drauf, reckst dich mit dem Oberkörper über den langen Tank und umfasst die Lenkerstummel an der feinen, polierten Gabelbrücke. Ganz im Stil der Altvorderen beeindruckt das edle Teil durch seine homogenen Rundungen, frei von harten, gefühllosen Kanten der Neuzeit. Harmonisch passend als Bühne für die Uhren-Kulisse aus zwei kreisrunden, wertig mit Chrom-Ringen eingefassten Messeinheiten, mit roten Zeigern auf elfenbein-weißem Grund. Dazwischen verstecken sich ganz unscheinbar die Zugeständnisse an die Moderne: Zwei polierte Druckknöpfe bedienen das Info-Center der digital abrufbaren Daten innerhalb der Zifferblätter. Das zurückhaltend geformte Informationszentrum steht ohne schützende Scheibe am Lenker und über dem stilgerechten Solo-Rundscheinwerfer, der auch der GT eigen ist. Die mächtigen 43-er Rohre der USD-Gabel versinnbildlichen nicht gerade die klassische Linie, erfreuen aber die Ansprüche sowohl an Ästhetik als auch am Zutrauen zur technologischen Evolution. Schließlich sind wir Menschen des Knopfdruck- und digitalen Zeitalters brettharte Fahrwerke, die uns störrisch wie die Mustangs immer nur abwerfen wollen, ebenso wenig gewohnt wie ständig zwischen Schiebe- und Anreißbetrieb grob hin- und herpendelnde Aggregate.

DucatiSport1000_2

Seidenweicher Vortrieb, transzendente Beschleunigungsphasen, exakte Getriebe-Abstufungen – alles charakteristische Merkmale für den luftgekühlten Desmo-Twin in 90° L-Form, über Generationen von Wissenden, ihrem innermotorischen Verstand und ihren feinmotorischen Händen weiterentwickelt, allseits bewährt in Multistrada wie Monster S2R und Supersport DS 1000. Wer Schutz und Erholung sucht vom intensiv die Konzentration beanspruchenden Vierventiler der Ducatisti, fühlt sich hier kompetent und vertrauensvoll an die Hand genommen, kehrt in spitzen Kurven ebenso weltmännisch gewandt bis siegessicher ein wie abends zum heimatlichen Stammtisch. Und kommt ebenso geschmeidig auch wieder raus, wundert sich dabei über die unspektakulär erlangte, rasante Geschwindigkeit, die der 92 PS-Motor bei gesunder 10:1-Verdichtung homogen entfaltet.

DucatiSport1000_4

Streicheleinheiten

Noch bevor die Sport 1000 in Polen an den Start darf, wird das klassisch interpretierte Motorrad zum Schwarm der Männerschaft. Jeder möchte mal Handanlegen und endlich ertönt das sonore, desmo-typische Wummern des bärigen Motors. Schon im Handlingkurs zur Strecke hin beweist die Sport trotz langem Tank ihre enorme Elastizität, lässt sie sich quasi an zwei Fingern durch die engen Kehren führen. Was dann kommt, passiert lässig im Modus: „endlich die Seele frei fahren“: Im Einklang mit der edel ausgereiften Desmo-Zweiventil-Dimension braust die Sport 1000 um den Kurs, nimmt die Waldgerade im Handstreich, wirft sich herrlich willig und geschwind von rechts nach links durch die Schikanen, beschleunigt ohne Fehl und Tadel bis weit in den 8000er Bereich hinein und lässt sich ohne große Aufregung mit den grundsolide arbeitenden Brembos genauso leichtfüßig wieder einfangen. Die lang über den Tank gestreckte Körperhaltung nimmt den Wind gelassen aus den Segeln, trotz fehlender Verkleidungs-Scheibe. Und das Alles ohne die ganze brutale Gnadenlosigkeit des Altertums, für die die Vorbilder dieses Klassik-Modells berühmt und berüchtigt waren. Selbst die Reifen glorifizieren ihrem äußeren Anschein nach das Profil der angeblich so guten alten Zeiten. Aber die Pirelli Phantom halten, was das ganze neue Technologie-Gummi-Zeug heute verspricht. Die 17-Zöller bewegen sich genauso rund-harmonisch bei uneingeschränkter Schräglagenfreiheit des straffen Gitterrohrahmens wie das ganze sportlich gemeinte Gesamt-Konzept. Ohne sich selbst oder die Umwelt zu überfordern. Nur so zum Lieb- und Spaß-Haben, ganz im klassischen Sinne des Motorradfahrens.

DucatiSport1000_1