Kawasaki ZR 7 S

Kawasaki ZR 7 S


Der perfekte Kumpel

Legenden sterben nie. So könnte man wohl auch die Geschichte der vierzylindrigen Kawasakis mit den traditionellen 750 Kubikzentimeter Hubraum umschreiben. Bereits seit 1980 werkelt dort das markante DOHC-Triebwerk im Doppelschleifen-Rohrgeflecht. Geboren als gutbürgerliche Z 750 E, verfeinert in der Z 750 Sport und sehnig in den GP-Modellen schuf sie sich einen guten Ruf als Bike für nahezu alles und jeden.

Als aufgeblasene "Turbo" mutierte sie schließlich zum Big Bike-Schreck. 1991 besann Kawasaki sich wieder auf alte Qualitäten, die fern ab vom Leistungswettlauf zunehmend mehr Anhänger fanden. Mit der Zephyr 750 war 1991 die Retro-Welle der Naked Bikes geboren. Ihr schnörkelloses Outfit, die prächtigen Kühlrippen und die wohlgeformten Rundungen vom Tank bis zum Entenbürzel, motivierte zahlreiche Anfänger und Wiedereinsteiger zu freiwilligen Überstunden im Büro, damit das Ding bloß im nächsten Frühling in der Garage stehen möge.

Und die Chancen dafür standen gut, denn mit lediglich 5.107,81 Euro war sie ein echter Preishit. Es kam wie es kommen musste und die Zephyr ging weg wie warme Semmeln. Dementsprechend stabil liegen auch heute noch die Gebrauchtpreise. Käufer schätzen die einfache Handhabung und problemlose Wartung, bei der man auch gern mal selbst Hand anlegen darf. Ihr Charme hatte es vielen angetan. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Zu keiner Zeit verlor die "C-4" ihren ursprünglichen, burschikosen Charakter.

Linienführung

Bereits die vor 2 Jahren präsentierte ZR-7 kam rein optisch mit weitaus mehr Pep als die Zephyr daher. Vorne tief geduckt, das Heck steil in die Höhe gestellt - das suggeriert Sportlichkeit. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Genau richtig für gute Hausmannskost. In diesem Jahr bekommt die Nackte Verstärkung durch eine halbverkleidete Schwester, die ZR-7 S. Dabei integrierte man die formschöne Verkleidung des S-Modells nahezu perfekt in die flüssige Linie. Guter Wind- und Wetterschutz sind außerdem der Lohn der Mühe. Zudem sorgt ein heller Multireflektor-Scheinwerfer für mehr Licht im Dunkel. Dickster Kritikpunkt an der 2000er ZR-7 war die zu weiche Telegabel, die bei Bodenwellen und im Zweimannbetrieb gelegentlich auf Block ging. Für das Modelljahr 2001 bekommen beide Versionen härtere Gabelfedern in die 41er-Standrohre gesteckt. So gerüstet kann man entspannt durch Berg und Tal brummen und hat stets ausreichend Reserven. Dabei verleugnet das Triebwerk keineswegs seine Herkunft: Rau und ein wenig ungehobelt macht es keinen Hehl daraus, dass in der untersten Etage vier Kolben ihren Dienst verrichten. Ein Ausbund an Laufkultur war der DOHC-Motor noch nie - dezente Vibrationen, die jedoch zu keiner Zeit wirklich störend wirken, gibt's gratis dazu. Dafür steht der ZR-7-Motor erfahrungsgemäß recht gut im Futter und erledigt seinen Job mit einer Gleichmäßigkeit, die einfach beeindruckend ist. Gleichgültig, ob die Nadel bei 2.000 oder 8.000 U/min steht, beharrlich und konstant beschleunigt die Kawasaki bis knapp 200 km/h. Das letzte Quentchen bis zur Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h geht bekanntermaßen immer etwas zäher vonstatten. Die hübsche 4-1-Auspuffanlage aus rostfreiem Edelstahl brummt dazu ihr sonores Lied. Ein perfekter Kumpel für alle Tage.

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Rush-hour oder Kurvenhatz

Fahrwerksseitig gibt sich das zeitlose Bike ebenso schlicht. Der stählerne Doppelschleifen-Rohrrahmen umschließt den Motor in gewohnter Manier. Gut und günstig, könnte man sagen, wenn man es auf den Punkt bringen möchte. Die Bremsen befinden sich auf dem üblich hohen Kawasaki-Niveau und verzögern die 236 Kilogramm Lebendgewicht auf Wunsch punktgenau. Auf Grund der legeren Sitzposition lässt sich das Bike leicht handhaben und eignet sich als Alleskönner in der Rush-hour sowie für den zweisamen Wochenend-Trip. Daran sind die neuen Bridgestone BT020 nicht ganz unschuldig. Auch der Komfort überzeugt die Passagiere. Dank des großen 22-Liter-Tanks ist die ZR-7 S prädestiniert für ausgedehnte Touren. Geht man von einem realistischen Verbrauch von ca. 5 Litern Normal je 100 Kilometer aus, ergeben sich gut 400 Kilometer Reichweite!

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