Triumph Tiger 955

Triumph Tiger 955


Tiger im Tank

Sie ist mächtig, stark und schnell. Hat lange Federwege und Stollenreifen. Eben eine Super-Reise-Enduro, mit 98 PS-Dreizylinder-Motor und der Umwelt zuliebe auch mit G-Kat. Triumph zeigt mit der neuen Tiger 955i, was in dieser Saison Sache ist.

Wer von Enduros spricht, meint zunächst Wüste, Piste, Schotter, Geröll und Schlamm. Das große Abenteuer eben, abseits von verstopften Asphalt-Bändern versteht sich. Der Traum des waschechten Enduristen ist die Rallye "Paris-Dakar". Eine der letzten echten Herausforderungen, für Mensch und Maschine. Im Alltag, im wirklichen Leben also, ist die "Paris-Dakar" allerdings so weit weg wie ein Trip zum Mond. Denn selbst wer wollte, mit einer Geländemaschine findet man in unseren Gefilden heutzutage kaum noch einen verborgenen Trampelpfad. Legal jedenfalls. Schranken und Verbotsschilder lassen einen erst gar nicht auf dumme Gedanken kommen. Von modernen großvolumigen Enduros erwartet aber sowieso keiner eine richtige Geländeperformance. Ihre Verwandtschaft zu den echten geländefähigen Hardcore-Enduros, mit denen man tatsächlich die Paris-Dakar gewinnen könnte, besteht längst nur noch in der Namensgebung "Enduro" und ein wenig im Aussehen. Deswegen heißen sie ja auch Reise-Enduros.

Nur wer ganz weit weg fährt, dem kann es tatsächlich passieren, dass die Straßen so schlecht werden, dass Geländegängigkeit von Bike und Fahrer gefragt sind. Mit einer normalen Tourenmaschine wäre man in solch einer Situation aufgeschmissen, mit einer Reise-Enduro wird die Herausforderung mit links weggesteckt. Sozusagen Abenteuer mit Rückversicherung. Doch das ist eigentlich die Ausnahme, in 99 Prozent aller Fälle rollen die Wüstenschiffe über Asphaltdecke.

Baukastensystem

Zu dieser Spezies "Fährtensucher" gehört die neue Triumph Tiger 955i. Wobei die englische Reise-Enduro eigentlich eine alte Bekannte ist, die es bereits seit 1993 gibt. In der ersten Modellreihe, die unverändert bis 1999 gebaut wurde, sorgte ein 885 ccm Dreizylinder-Vergaser-Motor mit 83 PS für Vorschub. Mit überarbeitetem Fahrwerk, neuer Optik und modifiziertem 83 PS-Einspritz-Triebwerk ging die Tiger ab Frühjahr 1999 in ihre zweite Bauserie. Genau zwei Jahre später, seit Anfang 2001, rollt die dritte Generation vom Montageband im englischen Stammwerk Hinckley. Dank des ausgeklügelten Baukastensystems des britischen Herstellers ließ sich das 955i Daytona-Triebwerk relativ einfach in das Tiger-Chassis verpflanzen. Reise-Enduro- "like" powern nun unter dem gewaltigen 24-Liter-Tank satte 98 PS aus dem 955 ccm Dreizylinder-Einspritz-Motor. Genug Schmackes, um mit der 245 kg schweren Raubkatze bequem mit echten 200 Sachen über die Autobahn zu brettern. Mit diesen Fahrleistungen kann die neue Tiger im Vergleich zu ihren vier Klassenkameraden Aprilia ETV1000 CapoNord, BMW R1150GS, Cagiva Navigator und Honda XL1000V Varadero locker mithalten. Das ist nicht nur im Triumph Dealershop ein gutes Verkaufsargument, sondern auch für die "Benzingespräche" am Stammtisch wichtig. Denn auch in diesen Kreisen stehen die Fragen nach Hubraum, Leistung und Speed ganz vorne.

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Neues Triebwerk

Was diese drei Parameter in der Praxis bedeuten, konnte bei der Pressevorstellung der brandneuen Tiger 955i in Chateau de Lignan/ Südfrankreich ausgiebig erfahren werden. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Frühlingshaftes Wetter, traumhaft verwinkelte Landstraßen und dazu ein Bike, auf dem man sich auf Anhieb wohl fühlt. Doch schön der Reihe nach. Die Neue ist weiterhin eine alte Bekannte geblieben. Optisch jedenfalls. Lediglich die knallgrüne Lackierung, es gibt sie allerdings auch in schwarz, sowie die neuen Dekors am Tank verraten dem aufmerksamen Betrachter: hier hat sich etwas geändert und natürlich das Logo am Seitendeckel "Tiger 955i". Frei nach dem Motto, Hubraum und Leistung ist durch nichts zu ersetzen, haben die Triumph Techniker das 149 PS-Triebwerk von der Daytona genommen, es auf ein breites Leistungsband und in der deutschen Ausführung mit serienmäßigen G-Kat auf versicherungsgünstige 98 PS getrimmt. In der Endurowelt ist nämlich nicht maximale Spitzenleistung gefragt, sondern bärenstarker Durchzug ist des Kunden Königreich.

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