Yamaha Vmax 2009

Yamaha Vmax 2009


Hier wird angesaugt - rette sich wer kann!

Was ist mit jemand los, der Dir erzählt, eine Yamaha XJR 1300 sei ein zierliches nettes kleines Einsteigermotorrad mit gemütlicher Kraftentfaltung und einer extrem schmalen Taille? Ganz einfach: Er ist entweder schwer wahrnehmungsgestört, oder ist gerade erst von der neuen Vmax gestiegen. Und damit beides...

Und das ist nur zu verständlich. Wenn ein Motor dich, mitsamt einem über dreihundert Kilo schweren Motorrad innerhalb von gefühlten 3 Sekunden von gemütlichen 35 km/h in den viel zu früh einsetzenden Speedcutter bei 235 km/h reißt, kann sich die Wahrnehmung schon mal verschieben. Einfach irrsinnig, wie dieser 1700 Kubik V4 mit seinen 200 PS anreißt. Dabei geht es unterhalb von 3.ooo Umdrehungen pro Minute eher unrund los. Die Max schüttelt sich und rüttelt sich, als wären nicht alle Megakolben in der Spur. Hat man sich beim gemütlichen Anfahren aber erst durch das "Loch" bei 2.500 Touren geritten, da sackt die Maxe tatsächlich richtig ein bisschen weg, setzt unmittelbar unbändiger, bäriger, fantastisch nachdrücklicher Schub ein, den man fast nicht vernünftig beschreiben kann. Das Bike stürmt voran, als gäbe es einfach kein Ende des Kraftzuwachses, den Yamaha jedoch nominell mit 166,8 Nm bei 6.500 Rotationen in Aussicht stellt.

Wirklich merken kann man das Erreichen des Gipfels aber nicht. Gefühlt geht es bis in den roten Drehzahlbereicht stetig stramm den Berg hinauf. Wer es tatsächlich schafft, in den ersten drei Gängen bis zur heiligen Erscheinung des Schaltblitzes die Drehzahlskala zu durcheilen, muss damit leben, dass seine Eingeweide samt Gehirn erst etwas später dort ankommen, wo sich der Rest des Körpers und die Vmax schon befinden. Ungefähr so haben sich das wohl die ersten Eisenbahn-Skeptiker vorgestellt, als sie vor schweren Gesundheitsschäden ob der gefährlichen Geschwindigkeiten in den schnaubenden Eisenrössern warnten...

Da wird Dir echt schwindelig

Unfassbar auch, wie schnell die Vmax Dich süchtig macht. Süchtig nach immenser Beschleunigung. Sich immer wieder den gleichen Adrenalinkick durch den Körper zu jagen. Gemütliches Dahingondeln mit der Potenzschleuder ist zwar durchaus möglich, keinesfalls aber leicht zu praktizieren. Immer wieder fixt der V-4 den Fahrer bei jedem Millimeter den er den Gaszug aufwickelt an, mehr Kabel aufzuwickeln als beim Versuch zuvor. Wer schon mal in einem Auto mit einem gewaltigen V-8 Big Block gesessen hat und sich von der Kraft eines solchen Aggregates durch die Gegend reißen lies, kann ungefähr ermessen, wie die halbe Kraft in einem "nur" 310 Kilo schweren Zweirad wirkt.

Yamaha Vmax 2009 Bild 21

Die Macht ist mit uns

Zum Glück flößten die Yamaha Techniker dem Fahrwerk der neuen Vmax reichlich Reserven ein. Ganz im Gegensatz zur ersten Auflage des Muscle Bikes, bei dem sich unter der Last der 145Pferdchen schon mal die die zarten Rohre von Rahmen und Gabel bogen und die Federelemente nach belieben einsteckten und austeilten. Jetzt herrscht auch bei 200 PS himmlische Ruhe im sanft sportlichen Gestühl. Dafür sorgt einerseits die 52mm stark ausgeführte Upside-Down Gabel an der Front, die durch den neu konstruierten Aluminiumbrückenrahmen sehr gradlinig mit der extrem langen, brachial bemessenen Schwinge verbunden ist.

Alle Federelemente sind selbstverständlich komplett einstellbar und ermöglichen dem versierten Fahrer eine Abstimmung, die aus dem ehemaligen Dragster ein durchaus agiles Kurventier machen kann. Natürlich muss bei der engagierten Kurvenhatz immer die Formel "Kraft=MassexBeschleunigung" im Hinterkopf des Fahrers die Gashand führen. Denn schwere Sachen, die schnell Beschleunigt werden, entwickeln eine große Durchschlagskraft, die sich Kurveneingangs zum Glück von den riesigen ABS bewährten Bremszangen und Scheiben wieder einfangen lässt. Dem vollen Genuss der 200 PS steht also nichts mehr im Wege.

Yamaha Vmax 2009 Bild 17

Der Tankwart aber auch!

Außer dem Benzinpreis vielleicht, denn die 15 Liter Tankinhalt hat die Max schon nach 100 Kilometern derart minimiert, dass die Reservelampe anfängt zu leuchten. Na klar, von nix kommt nix. 1679 Kubikzentimeter Hubraum wollen gefüllt werden. Und wer den immensen Schub des Triebwerks lobt, der den 200er Spezialreifen jederzeit in Stücke reißen könnte, muss auch die Befeuerung des V-4 Heizkessels bezahlen. Trotzdem hätten die Yamaha Ingenieure ihrem Eisen einen etwas größeren Tank spendieren können.

Yamaha Vmax 2009 Bild 11

Doch wer weiß, wie es mit den Reichweiten aussieht, wenn man sich ganz auf den amerikanischen Markt und die dort üblichen 55 Meilen Speedlimit fokussiert. Beim gemütlichen Cruisen mit Beschleunigungsorgien bis zur sagenhaften Geschwindigkeit von 80 km/h, die dann ungefähr nach 1,25 Sekunden beendet sein dürften, reicht der Durstigen wahrscheinlich ein Bruchteil der Menge, die es hier in Deutschland braucht, um in einem Zug nach ziemlich genau 3,54 Sekunden bei 235 Sachen in den Begrenzer zu rauschen.... Prost!

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Text: Pabi
Fotos: Yamaha/Pabi