Vergleich Honda Transalp, Kawasaki Versys und Suzuki V-Strom

Vergleich Honda Transalp, Kawasaki Versys und Suzuki V-Strom


Von wegen Mittelklasse

Bequeme Sitzposition, schluckfreudige Fahrwerke, genug Leistung und durchaus sportliche Talente. Was will man eigentlich mehr? Ja – was eigentlich? Unsere Testkandidaten Transalp, Versys und V-Strom eröffneten die diesjährige Testsaison und bereiteten den Testern mächtig Spaß. Stimmt hier also mal wieder die Devise weniger ist mehr?

Eindruck

Unterschiedlicher lässt sich das Thema Reiseenduro wohl nicht interpretieren. Auf der einen Seite die hochbeinige aber dennoch grazile Versys, auf der anderen die stämmige V-Strom. Irgendwie dazwischen liegt dann die Honda. Aber fangen wir mit der V-Strom an. Optisch ein echter Brocken. Auch auf dem Motorrad fühlt sich die V-Strom nach mehr an. Verursacht wird dies durch den breiten Tank und die noch breitere Verkleidung. Die üppig und etwas weich gepolsterte Sitzbank bietet dem Fahrer eine tiefe Sitzmulde, so finden auch weniger Langbeinige einen sicheren Stand. Der breite Lenker ist recht hoch montiert. Zusammen mit der tiefen Sitzposition findet sich der Fahrer quasi im Motorrad wieder. Ganz anders die Versys. Schlank und hoch sind die Begriffe die einem zunächst einfallen. Mehr Supermoto als Reiseenduro. Man sitzt deutlich höher bei gleichzeitig flacherem Lenker, also mehr auf als im Motorrad. Dennoch taugt auch die Kawasaki für längere Touren. Die schmalere und straffer ausgelegte Sitzbank ist bequemer als sie auf den ersten Blick aussieht.

Honda Transalp 04

Bleibt noch die Honda. Von der Sitzposition ähnlich wie die V-Strom, allerdings wirkt die Transalp wesentlich schlanker. Die Sitzbank ist ähnlich breit wie die der Suzuki und gleichzeitig ähnlich straff wie die der Kawa. Ansonsten einen die drei die typischen japanischen Qualitäten. Narrensichere Bedienung auch ohne Studium der Betriebsanleitung, komplette Instrumentierung und gute Verarbeitung. Preislich liegen die Damen aus Fernost recht nah beieinander. Die Suzuki V-Strom ist mit 8.090 Euro die günstigste. Wobei sowohl die Honda Transalp mit 8.390 und die Kawasaki Versys mit 8.190 Euro nur unwesentlich mehr Kosten. Sehr erfreulich: alle sind serienmäßig mit ABS ausgerüstet. Die deutlich teurere Konkurrenz Triumph Tiger 800 und BMW F800GS verlangen hierfür immer noch Aufpreis.

Motoren

Halten wir es mit dem Alphabet und fangen mit der Honda an. Der Motor der Transalp ist ein uralter Bekannter und hat schon so manches Modell bei Honda angetrieben. In der Transe bringt es der V2 mittlerweile auf 680 Kubik und entwickelt 60 PS bei 7.750 Umdrehungen. Das maximale Drehmoment von 60 NM steht bei 6.000 Umdrehungen zur Verfügung. Geschaltet wird über ein 5-Gang-Getriebe. Im Fahrbetrieb fällt die Transalp motorseitig im Vergleich zur Konkurrenz etwas ab. Die Leistungsentfaltung ist recht zäh, das Triebwerk glänzt weder mit ausgeprägtem Antritt aus dem Drehzahlkeller noch mit ausgesprochener Drehfreude. Für sich geht der Vortrieb vollkommen in Ordnung. Die Honda hängt gut am Gas und legt auch bei niedrigen Drehzahlen tapfer zu. Erst der direkte Vergleich bringt sie ins Hintertreffen. Dafür glänzt die Honda mit einem nahezu perfekten Getriebe. Neben der zuverlässigen und weitgehend geräuschfreien Bedienung sind es vor allem die ultrakurzen Schaltwege die begeistern. Da wird die Schaltarbeit gefühlt zum Mausklick. Weiteres Plus der Honda: der Sound. Der V2 hat einen herrlich hämmernden, schnarrigen Sound der eigentlich gar nicht zum soften Charakter des Triebwerks passt.

Honda Transalp 05

Widmen wir uns dem Kawasaki Motorrad: die bringt den 650 Kubik großen Reihen-Twin der ER6 mit. Eckdaten: 64 PS bei 8.000 und 61 NM bei 6.800 Umdrehungen. Der Twin ist bekannt für seinen guten Antritt bei niedrigen Drehzahlen. Auch die Drehfreude geht in Ordnung, allerdings nehmen mit steigender Drehzahl die Vibrationen zu. Die Versys hängt sehr direkt am Gas und verlangt gerade bei hohen Drehzahlen eine vorsichtige Gashand. Mit Nachdruck bedient werden will das Getriebe. Die Schaltwege sind zwar kurz und knackig, aber die Bedienung gestaltet sich hakelig. Ein wenig enttäuschend ist der Sound. Im Stand bollert der Twin noch wahrnehmbar, mit steigender Geschwindigkeit ist leider nicht mehr viel von ihm zu hören. Kommen wir zur Suzuki. In der V-Strom ist wie in der Honda ein V2 verbaut. Auch hier kurz die Eckdaten: 645 Kubik, 67 PS bei 8.800 und 60 NM bei 6.400 Umdrehungen. Der V2 ist ein Gedicht. Egal ob im unteren Drehzahlbereich oder beim Ausdrehen der Gänge, immer stellt die V-Strom ordentlich Leistung zur Verfügung. Dabei verkneift sich der V2 unangenehme Vibrationen und brummt zufrieden vor sich hin. Auch der Sound geht in Ordnung. Nicht ganz so ballernd wie die Transalp aber immer noch wohlig bollernd aus dem dicken Endtopf. Auch vom Getriebe gibt es Gutes zu berichten. Nicht ganz so exakt wie die Honda, aber dafür auch nicht so hakelig wie die Kawa.

Fahreindrücke

Hier liegen alle Probanden wieder dicht zusammen. Alle drei bieten auf der Landstraße eine tolle Performance, vor allem auch dann wenn Straßenmotorräder längst die Segel streichen. Wo unser Fotograf auf einer Bandit die Winterschäden der Straßen verfluchte, drehten die Hochbeiner erst so richtig auf. Los geht’s mit der Honda. Die Transalp fährt sich auf Anhieb wie ein alter Bekannter. Stur verfolgt sie die einmal eingeschlagene Linie, lässt sich durch nichts aus der Fassung bringen. Allerdings ist sie im Vergleich etwas behäbig. Die Leichtfüßigkeit der Konkurrenz kann sie nicht bieten. Hier punktet die Kawasaki. Als einzige hat sie ein kleines 17-Zoll-Vorderrad, was dem Handling deutlich entgegenkommt. Dafür gerät sie von allen dreien bei schlechtem Fahrbahnzustand als erste aus der Bahn. Neben dem kleineren Vorderrad liegt dies auch an der strafferen Auslegung des Fahrwerks.

Suzuki DL 650 V-Strom 02

Eben halt mehr Funbike als Reiseenduro. Bis dahin begeistert die Versys allerdings mit ihren fast schon sportlichen Qualitäten. Schnelle Schräglagenwechsel, langgezogene Kurven oder enge Kehren, die Kawa nimmt alles spielerisch leicht. Und verleitet zu flotter bis sehr flotter Gangart. Einziger Wehrmutstropfen: auf Dauer nerven die Vibrationen, fangen Hände und Füße an zu kribbeln. Die V-Strom scheint die Vorteile der Konkurrenz in sich zu vereinen. Durch die niedrige Sitzposition und den breiten Lenker fühlt man sich als Fahrer sehr geborgen. Im Handling kommt sie fast an die Versys heran, bietet aber die gleiche Stabilität auf schlechten Straßen wie die Transalp. Suzuki Motorrad hat hier einen hervorragenden Kompromiss zwischen Komfort und Sport gefunden. Die V-Strom bügelt nahezu alles glatt und bleibt dabei dennoch ohne jede Schaukelei. Bei den Bremsen überwiegen dann wieder die Gemeinsamkeiten. Alle Stopper verrichten ihre Arbeit gut und glänzen mit guten Verzögerungen. Aufgrund der strafferen Abstimmung taucht die Versys mit der Front etwas weniger ab als Transalp und V-Strom.