Triumph Bonneville 2009

Triumph Bonneville 2009


Mehr Fahrspaß zum Jubiläum

Triumph hat seinem Klassiker Bonneville zum fünfzigsten Geburtstag eine umfangreiche Frischzellenkur spendiert. Das agile Kultmotorrad mit dem charakteristischen Paralleltwin ist ab sofort für 8140 Euro im Handel. Wohl kein anderes Motorrad verkörpert den Aufstieg, aber auch den Fall der britischen Motorradindustrie glaubwürdiger als die legendäre Triumph Bonneville.

Ihren Namen bekam sie als Reminiszenz für die erfolgreichen Weltrekordfahrten auf dem Bonneville Salzsee in Utah/USA durch Johnny Allen Anfang der 1950er Jahre, ihre Premiere feierte sie 1958 als Bonneville T120 auf der Earls Court Motorradausstellung in London, bevor ein Jahr später der Verkaufsstart war. Dabei erwies sie sich gleich von Anfang an als großer Erfolg in Großbritannien und den USA. Die Kombination aus viel Leistung, einem handlichen, leichtgewichtigen Fahrwerk und attraktivem Design entpuppte sich als perfekte Mixtur, während zweier glücklicher Motorrad-Jahrzehnte, die 1950er und 60er, etablierte sich die Triumph Bonneville als die stilbildende Maschine dieser Zeit, ein Status, den sie bis heute innehat. Motorradfahren war auf dem Höhepunkt seiner Popularität, und die Bonneville erreichte weltweit Kultstatus.

Der Bonneville-Kult

In den 1960ern entwickelte sich die Triumph Bonneville zu „dem“ Motorrad des Rock ’n’ Roll, rund um das Ace Café als Zentrum und Herz der Szene galt sie als die einzig wahre Maschine. Doch in den Siebzigern begann der Niedergang der gesamten britischen Motorradindustrie und damit auch von Triumph, das als Unternehmen praktisch nicht mehr existierte. Als 1990 die Marke Triumph unter Führung des neuen Besitzers John Bloor zunächst nur mit modernen Modellen wieder in Erscheinung trat, schien die Bonnie endgültig Geschichte geworden zu sein. Doch im Jahre 2000 erschien eine neue, moderne Bonneville, traditionelle gestylt aber mit fortschrittlicher Technologie. Und jetzt, zum fünfzigsten Geburtstag, steht die Bonneville wieder im Rampenlicht. Stolz reckt sie ihren typisch britischen Parallel-Zweizylinder in die Welt, umgeben von einem klassischen Fahrwerk aus Stahlrohr-Schleifenrahmen, konventioneller Telegabel und stabiler Zweiramschwinge, ebenfalls aus Stahl gefertigt.

Triumph Bonneville 2009 Bild 16

Die Auferstehung

Für die 2009er Auflage haben sich die Verantwortlichen von den Siebziger Jahren inspirieren lassen, die aktuelle Bonnie wurde deutlich versportlicht, mit knappen Radabdeckungen vorn wie hinten, sportlichen Megaphon-Schalldämpfern und auffälligen Gussrädern. Herz und Seele bleibt aber der ganz in Schwarz gehaltene, bewährte Paralleltwin mit 865 Kubikzentimeter Hubraum und Luftkühlung. Sein Hubzapfenversatz von 360° bewahrt den typischen Charakter eines klassischen Paralleltwins, während zwei Ausgleichswellen für eine moderne, zivilisierte Laufkultur sorgen. Unterm Strich kommen 67 durchzugsfreudige PS heraus, kerngesunde 69 Newtonmeter liegen bei 5800 U/min an und bescheren dem Paralleltwin eine gleichförmige Beschleunigung in jedem seiner fünf Gänge. Geschickt schaffen die Briten übrigens klassisches Motorenambiente durch die Tarnung der Einspritzanlage durch waschechten Vergaser-Look mit Choke-Knopf. Doch anders als das weich agierende Vergaser-Original geht die Einspritzanlage etwas hart ans Gas, und auch beim Übergang in den Schiebebetrieb stört ein deutlicher Ruck das ansonsten tadellose Erscheinungsbild der Britin. Erstaunlich fleischig gibt sich zudem die Auspuffnote schon bei den Serienschalldämpfern, wer’s kerniger mag, wird im prall gefüllten Triumph-Zubehörregal fündig – bei allerdings nicht zugelassenenen Nachrüsttüten. Beim Fahrwerk greifen die Modifikationen tiefer als bei der nach wie vor traditionellen Optik. Vor allem die neuen 17-Zoll-Gussräder vorn wie hinten fallen auf, nicht nur dem Auge, sondern auch dem Popo: Zunächst erlauben sie die Verwendung von Schlauchlos-Reifen, zusammen mit Bremsscheiben und entsprechenden Aufnahmen sparen sie satte 8,5 Kilogramm an ungefederten Massen ein. Das kleinere und leichtere Vorderrad macht die neue Bonneville deutlich agil und manövrierfähig, noch nie war eine Bonnie so kinderleicht zu handhaben. Im kurvigen Terrain wedelt sie sämtliche Krisen dieser Welt aus den Köpfen ihrer Fahrer, so leichtfüßig und kinderleicht lässt sie sich durch engstes Geläuf führen. Hinzu kommt eine um 35 Millimeter auf niedrige 740 Millimeter reduzierte Sitzhöhe, ein neuer Lenker liegt näher zum Fahrer hin. Beides schafft viel Vertrauen und Sicherheit auch für ungeübte Fahrer und Wiedereinsteiger und vermittelt eine völlig entspannte Haltung mit gutem Bodenkontakt beider Beine.

Triumph Bonneville 2009 Bild 8

Tradition vs. Funktion

Tadellos funktionieren auch die überarbeiteten Bremsen, die ihren Job jederzeit verlässlich und effektiv verrichten. An eine solche Wirkung und Dosierbarkeit dürften die Fahrer der alten Bonneville nur in den wagemutigsten Träumen gedacht haben. Guten Fahrkomfort ohne Einbußen bei der Stabilität gewährleisten sensibel ansprechende, aber durchaus gut dämpfende Federelemente. Unter die Rubrik “Klassik” fällt die (Un)Eigenart der zwei Schlösser: Rechts an der Gabel sitzt ein Neymann-Schloss zur Blockade der Lenkung, links das eigentliche Zündschloss – beide lästigerweise mit separaten Schlüsseln versehen. Hier wäre weniger Tradition zugunsten moderner Praxistauglichkeit besser gewesen. Doch das lässt sich Verschmerzen angesichts der stimmigen Fassade, des kinderleichten Fahrverhaltens und des eigenständigen Charakters, den die Bonneville für vergleichsweise bescheidene 8140 Euro bietet. Für 8890 Euro holt sich der geneigte Briten-Fan mit der Bonneville SE noch mehr Flair ins Haus. Hier gehören gebürstete Leichtmetall-Motordeckel und verchromte Tankembleme zum Serienumfang. Hinzu kommt eine umfassende Instrumentierung mit serienmäßigem Drehzahlmesser und einer Zweifarb-Option.

Triumph Bonneville 2009 Bild 6

Back to the roots