Regal Raptor 125 Spyder

Regal Raptor 125 Spyder


Goiläääh Schobbbäääh Aldäääh!

Stuben-Tiger oder ausgewachsener AME-Kult-Chopper? Diese Frage stellen sich viele Biker beim Anblick des chinesischen 125er Wunders von REGAL-RAPTOR Motorcycles.

Die Company baut seit 1986 Motorräder und Mopeds, und hat sich in den letzten Jahren auf die Herstellung von Chopper-Motorrädern konzentriert. Das Unternehmen beschäftigt 420 Angestellte und hat eine Kapazität von bis zu 100.000 Motorrädern im Jahr. Es besteht ein weltweites Händlernetz mit über 300 Großhändlern. Seit ca. 7 Jahren gibt es in England, Dänemark, Finnland, Schweden, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Schweiz, Griechenland, Türkei und Slowenien Vertrags-Importeure. Mit der WMI, Wilhelm Motor International im österreichischen Ebbs nun auch für den deutschsprachigen Raum. Für die Entwicklung der Regal Raptor Spyder, sicherten sich die Chinesen die Mithilfe eines der bekanntesten Custombike-Builder der Vereinigten Staaten. Johnny Pag aus Südkalifornien (www.johnnypag.com)!

In den Sattel, Dude

Soviel zur Theorie des Spyder, der seinen großen Auftritt schon beim puren Erscheinen hinlegt. Das Teil fiel mir zum ersten Mal bei der Motorräder 2008 in Dortmund auf. Das sollte eine 125er sein? Im Serientrimm? Niemals! Doch der freundliche Herr am Infostand beharrte auf seinem Standpunkt. Also musste das Teil zum Testen in die Biker Szene Redaktion gelangen. Nach ein wenig Warterei – es gibt ja auch noch andere Motorradmagazine – war es Ende August endlich soweit. Der Regal Raptor Spyder rollte aus dem Transporter auf unseren großen Verlagshof! Der Apparat war mit dem Vorderrad noch gar nicht ganz von der Planke runter, das saß ich schon drauf und knipste vom Urinstinkt geleitet die Zündung ganz harleyesk per Drehschalter auf dem Dashboard an. Ein Druck auf den Starter und – üggelüggelüggel – knattert der Raptor schon nach wenigen Umdrehungen des Elektrostarters vor sich hin. Den zweistufigen Choke muss man nicht immer bemühen.

Nur, wenn es arg kalt ist. Sonst reicht die erste Stufe. Die kryptischen Symbole auf dem Benzinhahn – Wanne voll und Wanne leer – sind schnell entschlüsselt und schon geht die Reise ab. Endlos weit nach vorne gehören die Füße. Und zwar auf eine Rastenanlage, die den großen Customizern dieser Welt auch nicht prächtiger und martialischer hätte gelingen können. Der breite Lenker reckt sich Dir auf ultra langen Risern angenehm entgegen. Präsi-Feeling auf dem Leichtkraftrad. Sofort muss ich an Werner denken. Und an die freakigen AME-Chopper der 70er Jahre. Nur, dass hier einer den Motor zu heiß gewaschen hat. Im Triumph-Style steht der Twin aufrecht im gut durchsichtigen Rahmendreieck. Hinten, und jetzt haltet euch gut fest, oder setzt euch hin, steckt im Softailrahmen mit Starrahmenoptik ein 160er Hinterrad. Und ein Fender, der direkt aus einer Harley stammen könnte. Die Sitzbank ist äußerst bequem und im Chopperstil mit Sissybar auch für die Sozia des Leichtkraftrad-Chopper-Kings ein angenehmes Plätzchen. Vielleicht angenehm für die Sozia, aber auf Dauer auf jeden Fall krass, kommen die Vibrationen des 125er Kurzhub Aggregats rüber. Denn soll es vorwärts gehen, müssen schon die vollen 11 PS bei 9.500 U/min abgerufen werden und zwar in jedem der 5 Gänge. Da wird die Fahrt über die Stadtautobahn von Bochum West zum Ruhrpark schon fast zu lang. Dafür passt der ziemlich freche Knatter-Sound gut ins Gesamtbild.

Aktion1

Biker-Treff-Faktor 10

Auch in der Werkstatt wollen es die Jungs nicht wahrhaben, dass dieser Regal Raptor nur 125 Kubik zu bieten hat. Die versammelte Mannschaft lässt sich jedenfalls nicht lange bitten und prügelt das Eisen wie beim Staffellauf gleich mal zigfach in die Runde. Der sonst obligatorische Schämfaktor „will auf einer 125er nicht gesehen werden“ fällt beim Raptor völlig flach. Jeder will den Mikro-Chopper fahren. Auch unterwegs in der Stadt drehen sich die Leute um und versuchen mit rätselndem Gesichtsausdruck zu deuten, was da wohl gerade vorbei knattert. Viele tippen tatsächlich und allen Ernstes auf eine neue Harley. Das muss wohl auch an dem aus der Ferne zum Verwechseln ähnlichen Emblem da auf dem Tank liegen. Ja, sogar am Biker Treff fragt mich einer, ob das diese neue Harley sei! Und das, obwohl ich inzwischen den Raptor an einen Zielgruppen-Treiber abgetreten und selber mit einer echten Harley Cross Bones direkt daneben angehalten habe. Verrückt! Schon kommen die nächsten Kiebitze angeschlendert. Die sind aber gut informiert.

Starrahmen

Haben bereits einen Testbericht über diesen „China-Chopper“ gelesen und sind vom Auftritt in Natura tatsächlich begeistert. Und, Hand auf’s Herz: Würde ich auf Chopper stehen und hätte die Fahrerlaubnis nur bis 125 ccm, würde ich nicht lange zögern und mir das Teil für 3.600 Euro sofort reinziehen. Denn das Gerät sieht echt aus, wie ein aufwändig umgebautes Einzelstück mit rustikaler Verarbeitung. Klar, durch das Gerappel des kleinen Motors vibriert sich schon mal ne Schraube lose. Da legt einem selbst die wirklich umfassende Bedienungsanleitung das Nachziehen aller Schrauben einmal im Monat nahe. Aber da geht es Yamaha SR und XS Reitern auch nicht besser. Mit ein bisschen Feintuning in Sachen Schraubensicherung schafft man leicht Abhilfe. Wenig zu meckern gibt es über die Stahlflex beschlauchte Doppelscheibenbremse vorne, außer, dass sie für die spirrelige lange Gabel schon fast zu arg zupackt. Chopper bremst man eh hinten. Und das geht gut. Es fährt gut, bremst gut und sieht extrem gut aus. Und wem die 11 PS nicht reichen, der kann per Leistungskit das Gesetzes-Limit von 14 PS voll ausschöpfen. So what!?

Fender

Text & Fotos: Pabi

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