Boom Trike Intruder 1800

Boom Trike Intruder 1800


V-Twin als Drilling

Trikes – für viele halb Auto und halb Motorrad. Im Grunde genommen aber weder das eine noch das andere. Seit kurzen hat die Firma Boom Trikes auch die Motor Trikes im Programm. Da hier die Basis tatsächlich ein Motorrad ist, rückt das Moto Trike denn auch deutlich mehr in Richtung Motorrad als die klassischen Trikes. Führerschein massig bleibt alles beim Alten: für die Intruder 1800 von Boom Trikes genügt der PKW-Führerschein. Ob sich das Moto Trike dann auch mehr wie ein Motorrad fährt? Nein, in keinem Fall. Aber der Spaßfaktor ist dennoch enorm hoch.

Unser Testexemplar ist das Moto Trike Intruder 1800 Thunderbird. Basis ist eine Suzuki C1800 die bis zur Hinterachse auch weitgehend original ist. Dann greifen die Umbaumaßnahmen: Karosserie, Fahrwerk, Differential und natürlich die 2 fetten Hinterreifen. Ein paar Eigenheiten bringt der Umbau auf PKW offen dann auch noch mit sich. Da ist zum einen die Feststellbremse, beim Auto auch gerne Handbremse genannt. Auch der eigentliche Scheinwerfer ist nur noch Zierde. Beleuchtet wird über die Zusatzscheinwerfer, die Motorradlampe bleibt aus. Die Bremsen werden ebenfalls erweitert. So kommen ausschließlich Stahlflexbremsleitungen zum Einsatz. An allen Scheiben sind zusätzliche Bremskolben montiert um das Moto Trike schnell und sicher zum Stehen zu bringen. Wer nicht schieben will, kann die Thunderbird auch mit einem Rückwärtsgang ausstatten. Hier übernimmt der Anlasser die Arbeit und schiebt die ganze Fuhre nach hinten. Gepäck stellt kein wirkliches Problem dar. Im Heck ist ein 163 Liter großer Stauraum zu finden, der sich über die große Klappe auch noch sehr gut beladen lässt. Die Thunderbird hat zusätzlich noch ein 78 Liter großes Topcase serienmäßig. Natürlich mit Rückenlehne für den Beifahrer und zusätzlich noch auf Schienen montiert. Daher kann sich der Beifahrer das Topcase samt Rückenlehne in die gewünschte Position rücken.

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Der erste Eindruck des Moto Trikes ist mächtig. Das breite Heck mit dem hohen Topcase wirkt wie ein Turm. Erst einmal Platz nehmen. Im Grunde genommen sitzt man wie auf einer normalen Intruder. Aber diese steht halt von alleine, die Füße können also immer auf den Trittbrettern bleiben. Die Instrumente und Schaltereinheiten sind ohne Änderung übernommen worden, die Bedienung also kein Problem. Breiter Sattel, angenehme Polsterung, die Beine stehen locker nach vorne auf den Trittbrettern – insgesamt ist der Fahrer sehr bequem untergebracht. Noch besser hat es der Beifahrer. Der hat den reinsten Ohrensessel und das auch noch mit verstellbarer Rückenlehne. Da der Soziusplatz auch etwas höher platziert ist, genießt der Passagier auch noch eine herrliche Aussicht.

Zum mächtigen Eindruck passt der V2 der Intruder 1800 wie die berühmte Faust auf das Auge. Bei einem Gewicht von vollgetankt einer halben Tonne, braucht man wirklich jede Pferdestärke und jedes einzelne Newtonmeter. Gut dass hier mit 114 PS und 155 NM kein Mangel besteht. Der Suzuki-V2 schiebt naturgemäß schon aus dem Drehzahlkeller ordentlich nach vorne. Bedingt durch das hohe Gewicht fühlt er sich aber im mittleren Drehzahlbereich erst so richtig wohl. Traktion ist bei den beiden 255er Schlappen im Heck kein Thema. Erst bei engen Kehren mit viel Gas kommt schon mal das Heck rum. Und das Grinsen ins Gesicht. Drehzahlorgien sind aber völlig deplatziert.

Das Moto Trike lässt sich schaltfaul bewegen. Auf Landstraße passt der 5. und letzte Gang in den meisten Fällen. Lediglich bei engen Überholvorgängen sollte man schon runterschalten. Die Beschleunigung ist gut, aber nicht so wie man es vom Motorrad gewohnt ist. Aber nicht nur im Vorwärtsdrang fordert das hohe Gewicht sein Tribut. Spätestens an der Zapfsäule muss man die Zeche zahlen. Damit man nicht allzu oft den Tankwart besuchen muss, hat die Thunderbird einen 21 l fassenden Zusatztank. Dennoch ist nach spätestens 300 km Schluss mit Lustig. Manchmal sogar noch früher, je nachdem wie lustig man es auf der Fahrt getrieben hat. 8 Liter Verbrauch sollte man mindestens kalkulieren – und nach oben ist die Skala wie immer offen. Aber was soll’s. Kraft kommt von Kraftstoff und wer den sparen will, soll sich ein Elektroauto kaufen.

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Wie fährt sich denn die Intruder 1800 Thunderbird? Vor allem extrem auffällig. Wir waren ja schon mit so manchem Gefährt unterwegs, aber keines erregte ein solches Aufsehen wie die Thunderbird. Hälse-Verrenken ist das mindeste. Neidische Blicke, freudiges Winken, erstaunte Gesichter – das volle Programm. Fast hat man das Gefühl wenn man langsam fährt, laufen einem freudig schreiende Kinderscharen hinterher. Sämtliche Kolleginnen und Kollegen fragten nach einer Mitfahrt. Passiert uns sonst nie. Ein solches Gefährt ist also schon mal nix für schüchterne Leute mit Kontaktproblemen. Ansonsten fährt sich die Intruder weder wie ein Motorrad noch wie ein Auto. Sitzposition ist wie auf dem Motorrad, Bedienung und Schaltung ebenso. Aber das Teil steht von alleine und kennt keinerlei Schräglage, so bleiben an der Ampel die Füße auf den Trittbrettern. Gang rein, Gas geben und Kupplung kommen lassen, alles wie gehabt. Geradeaus ist noch alles weitgehen wie gehabt. Aber wenn es um die Ecke geht, ist echte Lenkarbeit gefragt. Dann wird der Lenker zum Hebel für die Richtungsänderung. Mit steigender Kurvengeschwindigkeit nehmen auch die Haltekräfte am Lenker deutlich zu. Bei schnell angegangen engen Kehren ist da schon ordentlich Krafteinsatz gefragt.

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Anfangs geht man die Kurvenfahrt noch zaghaft an, trägt das Gefährt quasi mit gezogener Kupplung um die Ecke. Mit jeder Kurve wird es besser, gewinnt man mehr Vertrauen in sich und die Intruder.  Nach kurzer Eingewöhnung geht es dann richtig knackig vorwärts. Die möglichen Kurvengeschwindigkeiten sind erstaunlich hoch. Die Intruder vermittelte nie das Gefühl kippen zu wollen. Bei schneller Fahrt hatte man eher den Eindruck sie schiebt etwas über das Vorderrad.  Der Komfort geht insgesamt in Ordnung. Eine Sänfte sollte man allerdings nicht erwarten. Das Gewindefahrwerk der Marke Bilstein an der Hinterachse arbeitet nach dem Motto hart aber herzlich ohne dabei bockig über Unebenheiten zu hoppeln. Die Kombination aus Fahrwerk und üppiger Sitzbank sorgt dennoch für ordentlichen Komfort für viele Kilometer. Ein ähnliches Bild vermittelt die Bremse. Die Bremsleistung geht trotz der hohen Gewichts absolut in Ordnung. Allerdings muss man beherzt zupacken bzw. zutreten.