Kawasaki ZZR 1400 Baujahr 2009

Kawasaki ZZR 1400 Baujahr 2009


Ihr Potenzial – ein echter Wahnsinn!

Sie steht vor mir in der Sonne in strahlendem Kawa Metallic-Diablo-Black . Absolut geile Erscheinung, finde ich. Gruselig beängstigend meinen andere. Es gibt eben wie bei allem, immer schnell zwei Lager.

Die amerikanische Verkaufsbezeichnung lautet ZX-14 R. Die mächtigste Ninja aller Zeiten. Die von Kawasaki beauftragten Europastrategen prophezeiten für diese Bezeichnung in Europa Horrorvisionen und rückläufige Verkaufszahlen. Deshalb hat die ZX-14 R die offizielle Europabezeichnung ZZR 1400 bekommen. Ich denke, die Modelbezeichnung Ninja ZX-14 R alleine für sich, ist schon ein Kaufargument potenzieller Kunden.

Puhhhh – erst mal tief durchatmen beim Einbiegen in die Autobahnausfahrt. Tempo 300 fährt man schließlich nicht jeden Tag. Ein ganz spezielles Erlebnis. Die dritte Dimension löst sich auf, die Welt ist eine Gerade. Der Tunnelblick fokussiert den Lkw am Horizont. Oder sind es zwei? Und bleibt der hintere wirklich rechts? Jetzt bloß keinen Stress. Drei Sekunden später zischst du mit gut 200 km/h Überschuss an schemenhaften Hindernissen vorbei.

Für 300 brauchst du Platz. Für den Anlauf mit der ZZR gar nicht mal besonders viel. Umso wichtiger ist Raum nach vorn, um das Teil im Notfall von 300 auf 80 runterzubremsen, falls der Lkw doch zum Elefantenrennen ansetzt, obwohl im Rückspiegel die gleißende Schweinwerferbatterie der Kawasaki ZZR 1400 aufleuchtet. 300 sind kein Spaß, das ist nichts für Hitzköpfe. Hier gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren. Der 7er-BMW, der gerade noch im Stau drängelte, ist Sekunden später nur noch ein klägliches Pünktchen im Rückspiegel. Das sind andere Dimensionen. Absolute Dominanz, die schiere Kraft.

Zumindest kann dieses Tempo auf der ZZR relativ entspannt genossen werden. Da wackelt nichts, da schlägt der Lenker nicht einmal ansatzweise, auch ohne Lenkungsdämpfer. Mit der Präzision eines Pfeils durchtrennt das Highspeed-Geschoss die Atmosphäre. Das hält den Stress in Grenzen. Dabei muss man sich tief hinter die flache Original - Scheibe ducken, um dem tosenden Orkan zu entgehen. Bei Hochgeschwindigkeiten entwickelt die Verkleidung eine absolut laminare Luftströmung. Der Orkan tobt irgendwie nur um einen herum. Eine Tourensportscheibe schirmt dagegen bei Hochgeschwindigkeiten sehr ordentlich ab, erzeugt aber etwas mehr Windgeräusche als das Original und auch zusätzliche Windverwirbelungen für Sozias.

Wer sich für eine dermaßen übermotorisierte Maschine interessiert, dem geht es statt um Tempo 300 sicher eher um den Leistungsüberschuss, um Überlegenheit, um absolute Souveränität, die in Zahlen und Werten nur andeutungsweise vermittelt werden kann. Üppige 203 PS gibt Kawasaki an. Mit Ram-Air-Effekt. Ohne den Wind von vorn, galoppieren immerhin 193 Pferde. Der 10-PS-Bonus resultiert aus der mittlerweile bei vielen Motorrädern verwendeten Technik des Ram-Air –Systems.

Wie fühlt sich das auf der Landstraße an?
Schon von unten heraus überraschend stark. Der Motor hängt längst nicht mehr so sanft am Gas, wie der vom Vorgängermodel bis Baujahr 2007, wirkt im unteren und mittleren Drehzahlbereich keineswegs mehr „zahm“. Die ZZR 1400 verwöhnt mit einer sehr direkten Gasannahme. So kommt im Gegensatz zum Vorgängermodel wieder das gewohnte Kawa-Feeling auf, dieser raue, aggressive Charakter anderer Modelle. Auch das „Klonk“ beim Einlegen des ersten Gangs und mitunter etwas harte Schaltvorgänge sind typisch Kawasaki. Im Motor minimieren gleich zwei Ausgleichswellen Vibrationen äußerst erfolgreich.
Die Sitzposition trifft einen guten Kompromiss zwischen Komfort und Sportlichkeit. Man hockt entspannt, große Piloten müssen allerdings mit einem sportlich-spitzen Kniewinkel leben.
Gleitet man also mit souveräner Lässigkeit durch die Landschaft, lässt sich der gewaltige Schub, den die Daten versprechen, nur erahnen. Aus dem Cruisen heraus mit 3000 U/min im Sechsten passiert beim Beschleunigen schon deutlich mehr, als bei einem Mittelklassemotorrad im besten Drehzahlbereich. Das kernig klingende Aggregat macht schon im Standgas auf sein enormes Potenzial aufmerksam. Da schon bei 2000 Umdrehungen beachtliche 98 Nm Drehmoment zur Verfügung stehen, ist entspanntes Fahren leicht möglich.
Zum Vergleich, die hammerstarke Ducati 848 EVO mit 140 PS hat ein maximales Drehmoment von 98 Nm bei 9750 Touren.