Suzuki Intruder VL 800 Volusia

Suzuki Intruder VL 800 Volusia


Bequemer Bock für flotte Cruiser

Nachdem ich viele Jahre ohne Einser-Schein meinen Jugendtraum des eigenen Choppers mit einem Aufsehen erregenden 50ccm-Mini-Chopper überbrückte, begab ich mich 2010 nach Erwerben des A-Scheins auf die Suche nach der passenden großen Maschine.

Nach einigen Vergleichen war schnell klar, dass es eine Suzuki Intruder werden sollte. Anfangs versteifte ich mich auf die 1500er-Variante, schwenkte aber recht schnell zur „kleineren“ 800er Volusia um. Wobei das Wörtchen „klein“ hier in Anführungszeichen steht – warum, das erkläre ich gleich...

Volusia wer?

Volusia ist ein US-County (bekannt von der jährlichen „Bike Week“) in der Nähe von Daytona und leiht der mit 805 Kubik versehenen Maschine seinen Namen. Mit der Intruder VL800 Volusia wollte Suzuki einen Chopper auf den Markt bringen,  der auch mit den dort vertretenen Harleys mithalten kann – was sehr erfolgreich gelang! Mehr als nur einmal wurde ich bei Tourenstopps von Passanten und sogar Motorradhändlern auf meine „Harley“ angesprochen (o: Mit ihren 260 Kg Leergewicht ist die Volusia zwar deutlich leichter als die große 1500er-Schwester, jedoch optisch sogar noch einen Tick wuchtiger! Dicke Reifen, ein ebenso breiter und bequemer Sitz und ein angenehmer 17-Liter-Tank sorgen für einen amtlichen Auftritt. Der 45°-V2 und zwei die glänzenden Sidepipes tun optisch ihr Übriges.

Suzuki Intruder VL800 Volusia 03

Ich selbst suchte nach einem schwarz-blauen Chopper, einfach weil dies meine Lieblingsfarbe ist. Erst nach dem Kauf erfuhr ich von Suzuki selbst, dass dieses Blau tatsächlich ausschließlich im Jahr 2003 gebaut wurde und zudem deutschlandweit nur 112 Mal verkauft wurde – das wusste der Gebrauchtverkäufer zum Glück auch nicht (o: Die Volusia ist übrigens ein dicker Chopper/Cruiser im klassischen Stil – also viel Chrom, weiche und runde Formen und ein mächtiges Auftreten. Soweit ich selbst im Internet recherchieren konnte, liegt der Neupreis der 800er von Suzuki bei rund 8.000,- Euro – wobei ich betonen möchte, dass die Nachfolger der Volusia (die M800) heute nicht mehr ganz so „klassisch“ aussehen, was mir persönlich nicht wirklich gefällt. Somit hat Suzuki es tatsächlich geschafft, mit der Volusia eine Art Sondermodell zu kreieren, das Kultstatusverdächtig ist.

Aufgestiegen:

Die auf ca. 700 mm Höhe liegende Sitzposition des Fahrers ist für mich (mit rund 1,76 Meter Körpergröße) hervorragend – obwohl ich mit einem erblich bedingten chronischen LWS-Syndrom „gesegnet“ bin, zeigen sich hier auch bei sehr langen Fahrten keinerlei Rückenprobleme, und auch mein „Poppes“ macht den Spaß ohne zu schimpfen perfekt mit. Die sichere Sitzhöhe hat natürlich auch positiven Einfluss auf das Handling der fetten Lady. Tacho samt Anzeigen liegen in der verchromten Tankkonsole - sieht genial aus, ist jedoch etwas gewöhnungsbedürftig. Während man den Tacho noch zumindest ansatzweise im Augenwinkel sehen kann, muss man schon den Kopf nach unten neigen, um die Blinker, Öl- und Temperaturanzeigen sehen zu können. Was ich persönlich jedoch nicht als tragisch empfinde…zumindest habe ich bislang keinen Gedanken daran verschwendet, zusätzliche Hardware am Lenker anzubringen.

Suzuki Intruder VL800 Volusia 05

In einigen Tests habe ich bereits gelesen, dass der Soziussitz um Einiges unangenehmer sein soll. Manche berichten, dass der Sozius spätestens nach einer dreiviertel Stunde Fahrt um die erste Pause bettelt. Das kann ich soweit nicht bestätigen – ich bin zwar logischerweise nicht mit dem hinteren Sitz vertraut, aber alle Freunde, die ich schon chauffiert bzw, choppiert habe, waren begeistert vom bequemen Sitzen. Bei etwas größeren Beifahrern ergibt sich hauptsächlich nur ein Problem: durch die um einiges erhöhte Sitzposition sind sie dem Fahrtwind komplett „ausgeliefert“, trotz des extra großen „Highway“-windshields. Aber ein echter Biker muss auch etwas Fahrtwind vertragen, und aus physiotherapeutischer Sicht kann ein Bisschen Nackenmuskulaturtraining ja auch nicht schaden (o:

Slow ride – take it easy...das “Triebwerk”

Wie schon oben erwähnt verfügt die Volusia über 805 ccm, was sie fast schon zu einem sportlichen Cruiser macht. Die 53 PS bei 6500 Umdrehungen lassen diesen Chopper amtlich von unten kommen und auch mehr als gut mit anderen Motorrädern seiner Klasse mithalten. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 160 kmh angegeben, ich kenne nur maximal 140 km, weil die Windscheibe nur für diese Geschwindigkeit zugelassen ist. Reicht (zumindest mir) vollkommen aus, ich bin ein gemütlicher Cruiser der alten Sorte und will beim Biken auch Sehen und Erleben. Dank der guten Straßenlage und dem sicheren Handling ist das auch ganz gut zu bewerkstelligen...in einem anderen Testbericht hatte ich übrigens gelesen, wie dessen Autor die Volusia nicht unbedingt als Anfängermotorrad empfahl. Ich würde mich aufgrund der jahrelangen Mini-Chopper-Erfahrung als „Semi-Anfänger“ bezeichnen, und komme mehr als perfekt mit dieser Maschine zurecht. Ich habe auch bei komplett unerfahrenen Anfängern keine Bedenken, sofern derjenige auch wirklich weiss, warum er einen Chopper will…
Klar, bei engen Kurven und sehr langsamem Rollen merkt man die samt Tank und Fahrer knapp 350 Kilo schon, aber das ist bei dieser Gewichtsklasse einfach normal.

Suzuki Intruder VL800 Volusia 06