Cagiva Xtra-Raptor

Cagiva Xtra-Raptor


Einfach genial!

Nachdem ich jahrelang höchstzufrieden eine Bandit gefahren bin (GSF 600 S), wollte ich mir mal einen echten V-Twin gönnen. Eine gebrauchte TL1000 sollte es zwar sein, es ergab sich aber in 2009 sehr schnell die Möglichkeit eine Xtra-Raptor, Hersteller MV Agusta (EZ 07/2005; 1.300 km auf der Uhr) zu erwerben.

Mein Kumpel war bereits Besitzer einer V-Raptor, und so hatte ich bereits erste Erfahrungen. Mein erster Eindruck zur Xtra-Raptor war: Einfach genial! Das Fahrverhalten der Xtra war präzise und problemlos; super Fahrwerk. Aber die Leistung war nicht zu vergleichen mit der meiner alten Bandit. Booaaahh! Gekauft! Ich hab´ mir die Nr. 346 von 999 geleistet. Und jetzt, nach rund 15.000 km kann ich dazu auch mal was schreiben. Immer wieder überrascht bin ich von der enormen Leistungsentfaltung des 90-Grad-V-Twins, der ja in der TL 1000 (Suzuki) verbaut wurde. Robust, modern, äußerst kräftig und dabei fabelhaft kultiviert. Man könnte es so beschreiben: Es tut einen Schlag und weg bist Du. Einfach verführerisch, wie bissig dieses Viech am Gas hängt, auch aus niedrigen Drehzahlen gierig vorwärts schnalzt, stets für reichlich Pferdestärken am Hinterrad sorgt, unterstützt von einem tollen Sechsganggetriebe und der kurzen Gesamtübersetzung. So knackig wie bei einer kurz übersetzten TL1000. Die 102 NM bei 6557 U/min sind einfach nur geil. Ich hatte die Cagiva Xtra-Raptor zur Feinabstimmung im Bikeroffice Bingen (TL 1000 Spezialist). Danach standen 92,8 KW (=126,2 PS) und eine Spitzengeschwindigkeit von 250,9 km/h zu Buche.

Cagiva Xtra-Raptor 02

Erster Eindruck der Cagiva

Das Fahrwerk beeindruckt mit einer phänomenalen Leichtigkeit beim Einlenken. Voll einstellbare Federelemente sowie der Lenkungsdämpfer sorgen bei optimaler Straßenlage für tollen Fahrgenuss. Das Ding ist eben ein Kurvenfresser und macht seinem Namen alle Ehre. Schräääglage bis zum Anschlag? Mit der Cagiva Xtra-Raptor kein Problem. Habe von Bridgestone auf Michelin gewechselt. Fahre jetzt den Pilot Power, der zuverlässig in jeder Lage und bei jeder Witterung seinen Dienst verrichtet. 

Mit einem Leergewicht von 206 kg ist die Xtra auch relativ leicht zu „handeln“. Die niedrige Sitzhöhe, wie gemacht für 1,72 m Riesen wie mich, tut ihr Übriges für einen hohen Fahrkomfort. Bei Bedarf packen vorne die 4-Kolben Doppelscheibenbremsen von Brembo gierig zu und bringen das Viech zuverlässig zum Stehen. Die 2-Kolben-Einscheibenbremse von Brembo ist ausreichend dimensioniert.

Cagiva Xtra-Raptor 04

Fahreindruck der Cagiva

Was mich allerdings manchmal stört, ist das Agieren bei Lastwechseln, also die Reaktion des Motors bei Gaswegnahme in engen Kurven, um dann bei Kurvenausfahrt wieder voll aufzudrehen - da kann es einen fast vom Rahmen ziehen! Aber ansonsten ist der Motor die volle Wucht! Negativ auch, dass die Halterungen für den an der Gabel montierten Lenkungsdämpfer sehr schnell brechen, da diese im Gelenk viel zu schmal dimensioniert sind.

Also habe ich mir neue anfertigen lassen (CNC-gefräst). Das passt jetzt. Der Verbrauch liegt bei ca. 7 Liter/100 km. Mit einem Tankvolumen von 15,2 l ist der Tank einfach zu klein dimensioniert. Bereits bei ca. 160 km geht das Reservewarnlämpchen an. Spätestens nach 200 km sollte aber der nächste Tankstop erfolgen, sonst ist „Essig“. Das nervt mitunter bei längeren Touren. Auch die Ersatzteilversorgung ist nicht einfach. Viele Carbonteile sind verbaut und auch nicht unbedingt günstig zu haben. Also schafft man sich mit der Zeit ein kleines „Ersatzteillager“ an, dank Ebay.