Honda Fireblade CBR 1000 RR

Honda Fireblade CBR 1000 RR


Eine Frage der Philosophie

Hondas neue Feuerklinge weist alle Leistungsmerkmale klassischer Supersportler auf, doch das motor- wie fahrwerksmäßig rundum erneuerte Sport-Flaggschiff des weltgrößten Motorradherstellers schlägt 2008 einen neuen Weg für supersportliche Motorräder ein

Auf den ersten Blick wirkt Hondas neues Supersportflaggschiff Fireblade gemäßigt, alles andere als aggressiv. Schon beim ersten Kontakt will dieses Motorrad klarmachen, dass es mit dem Rest der supersportlichen Tausendermeute nicht viel am Hut hat – ihr fehlen die charakteristischen Ecken und Kanten der Kunststoffverkleidung ebenso wie die martialische Kriegsbemalung, mit denen diese Gattung Motorrad ansonsten zu beeindrucken versucht. Dagegen macht die aktuelle Fireblade einen auf nobles Understatement, die minimalistische Verkleidung und die kompakten Dimensionen und die geschickt in die Spiegel integrierten Blinker erinnern fast an einen eleganten Sporttourer. Komplett aus dem Rahmen fällt die gestauchte Stupsnase, die manche schon vom neuen Honda-Touristenroller S-Wing kennen. Von diesem ungewohnten optischen Eindruck sollte man sich jedoch nicht auf die falsche Fährte locken lassen, denn diese Honda hat’s faustdick in den Zylindern: Aus exakt 1000 cm3 Hubraum erlöst der rundum neue Reihenvierzylinder pralle 178 PS Maximalleistung und ein gewaltiges Drehmoment von 114 Newtonmeter. Dazu verhelfen dem deutlich kompakteren Aggregat beschichtete Laufbahnen, leichtere Motorinnereien und hitzebeständige Titan-Ventile, die zusammen mit der kurzhubigeren Auslegung ein höheres Drehzahlmaximum erlauben. Insgesamt konnten die Techniker sensationelle zweieinhalb Kilo allein am Vierzylinder einsparen.

Homogene Leistungsentfaltung

Im Fahrbetrieb erfreut die Honda ungeachtet der drehzahlfreudigeren Konfiguration nach wie vor schon bei mittleren Drehzahlen mit richtig fettem Druck und feuert darüber ihre Pferdchen völlig befreit bis zum Begrenzer bei 13.000 U/min ans Hinterrad. Das geschieht enorm drehfreudig aber ohne jegliche Hinterlist, die CBR entfaltet ihre unbändige Kraft äußerst homogen und gleichmäßig. Einzig die im Vergleich zum Vorgängermodell zwar verringerten, aber immer noch spürbaren Lastwechsel und knackigeren Vibrationen stören den gentlemanliken Auftritt. Das Durchbeschleunigen geschieht fast unspektakulär, so dass man am Ende der mehr als einen Kilometer langen Start-Zielgeraden der Losail-Rennstrecke von Doha ungläubig auf die „292“ Digital-Anzeige im neuen Cockpit schielt. Dieser Anblick löst einen unwillkürlichen Bremsreflex aus, schließlich möchte man das 13.760 Euro teure Edelstück ja nicht im Kies von Katar begraben.

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Sicheres Abwinkeln

Analog zur mächtigen Beschleunigung geschieht der Tempoabbau höchst wirkungsvoll dank neuer einteiliger Radialzangen der Doppelscheibenanlage, bei denen zur Gewichtsersparnis nun Alu-Kolben gegen die Beläge drücken. Eine clevere Anti-Hopping-Kupplung eliminiert lästiges Hinterradstempeln beim Runterschalten und trägt damit ihren Teil zum sicheren Abwinkeln in die nächste Kurve bei. Übrigens macht sich dieses Feature entgegen der landläufigen Meinung nicht nur auf der Rennstrecke bezahlt, auch über Land spart das unauffällige, aber höchst wirksame Bauteil Zeit, die man in die volle Konzentration auf Verkehr und Strecke investieren kann.

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Fahrfertiges Leichtgewicht

Auf der Landstraße, nach Honda-Befragungen das bevorzugte Einsatzgebiet der Fireblade, dürfte sich die neue Fahrwerkskonfiguration positiv auswirken. Der neue, aus vier statt neun Teilen aufgebaute Rahmen, leichtere Räder und Bremsscheiben sparen weitere 2,5 Kilo ein, insgesamt bringt die Fireblade nach Honda-Angaben vollgetankt lediglich 199 Kilo auf die Waage – die erste Tausender unter der 200er-Schallmauer! Das bedingt einen neuen Bestwert beim Leistungsgewicht, bei der 08er Honda beschleunigt jedes PS lediglich 1,11 Fahrzeug-Kilo.

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Untadeliges Benehmen

Viel aussagekräftiger als diese isolierte Zahl ist aber das spurstabile, verzeihende Fahrverhalten, das die Fireblade des 2008er Jahrgangs an den Tag legt. Das kompakte Motorrad lässt sich leichtfüßig in enge wie weite Radien einbiegen und mühelos von der rechten auf die linke Seite werfen. Korrekturen in Schräglage nimmt sie gelassen hin, auch bei der Lenkpräzision bleiben keine Wünsche offen. Das liegt nicht nur am niedrigen Gewicht oder der neuen Generation des elektronisch gesteuerten Lenkungsdämpfers, der jetzt übrigens vor den Blicken verborgen unter der Tankabdeckung sitzt. Das untadelige Benehmen kommt vor allem durch fein austarierte Gewichtsverteilung zustande, für die beispielsweise der mit mehreren Klappen kompliziert aufgebaute Titan-Schalldämpfer nun rechtsseitig auf halber Höhe endet. Mit der auf dem Losail-Circuit von Doha abgegebenen Visitenkarte untermauert die neue Fireblade ihren Ruf als ausgewogenste Tausender eindrucksvoll. Dem breiten Publikum wird das Flaggschiff der 2008er Sportflotte am 16. Februar im Rahmen des Supersporttages beim Honda-Vertragshändler vorgestellt.

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Thilo Kozik

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