Honda NC 700 X

Honda NC 700 X


Einsteiger aufsteigen bitte!

Honda nimmt die Motorradeinsteiger aufs Korn. Und das mit voller Breitseite. Mit gleich 3 Modellen ballern die Japaner auf die Zielgruppe. Erinnert ein wenig an die Schrotflinte – wo breit gestreut wird, ist die Trefferwahrscheinlichkeit höher. Alle 3 Modelle basieren auf der gleichen Technik und teilen sich sowohl Antrieb als auch Rahmen. Die Grundidee günstiger Preis bei ausreichend Leistung und guter Ausstattung soll Kunden zum Neu- statt Gebrauchtkauf animieren.

Optisch reiht sich die NC 700 X als kleine Schwester der Crossrunner ins Honda-Programm ein. Uns gefällt sie nicht nur gut, sondern vor allem auch besser als das ältere Schwesterlein. Die X wirkt in ihrer Erscheinung stimmiger, die Proportionen passen besser. Preislich bildet sie die Mitte der NC-Drillinge. 5.990 Euro ruft Honda für die NC 700 X aus. Wohl gemerkt inklusive Combined ABS, aber zuzüglich Überführungskosten. Wer jetzt Spuren des Rotstifts sucht, wird angenehmerweise enttäuscht. Die Verarbeitung geht absolut in Ordnung, der Markt bietet deutlich teurere Motorräder bei denen z.B. der Auspuff die Sparvorgaben alles andere als verheimlicht. Beim Blick auf das Vorderrad wird man schließlich doch noch fündig, bzw. auch nicht. Eine zweite Bremsscheibe ist nicht verbaut. Die 320er Scheibe wird von 3 Kolben in die Zange genommen. Was soll’s. Harley-Davidson baut deutlich teurere und schwerere Motorräder die mit einer Scheibe und ohne ABS auskommen müssen.

Als besonderes Gimmick bietet die Honda ein Staufach in der Tankattrappe an. Praktischerweise passt das Volumen für einen Integralhelm und bewährt sich im Alltag. Der Tank ist unter der Sitzbank versteckt. Zwecks Befüllung muss der Soziusplatz nach oben geklappt werden. Das war es auch schon mit Extravaganzen. Ansonsten ist alles so wie man es auf den ersten Blick erwartet. Die Sitzposition aufrecht mit entspanntem Kniewinkel, die Sitzbank breit und bequem, der Lenker hoch und ebenfalls breit. Ein erwachsenes Motorrad mit ordentlich Platz auch für größere Zeitgenossen. Eine Gladius oder ER-6n ist deutlich enger geschnitten.

Motor Honda NC 700X

Den Antrieb übernimmt ein 670 Kubik großer Parallel-Twin. Der Schwerpunkt der Entwicklung lag dabei auf homogener Kraftentfaltung über den gesamten Drehzahlbereich. Die Spitzenleistung spielte eine untergeordnete Rolle. Daher belässt es Honda bei einsteigerfreundlichen 48 Pferdchen, die neue Führerscheinregelung 2013 lässt grüßen. So gesehen kein Wert der einem die Gänsehaut den Buckel raufschickt. Immerhin sind die Meter von Herrn Newton alle da: auf deren 60 bei gerade mal 4.750 Umdrehungen bringt es die Honda. Und die machen sich bemerkbar. Der Antritt ist ob der geringen Erwartung beeindruckend. Erinnert an die bullige Kraftentfaltung älterer Einzylinder, allerdings mit einem breiteren Drehzahlband. Dazu blubbert der Twin deutlich vernehmbar aus dem Rohr. Wahrlich keinen Langweiler hat Honda auf die Räder gestellt. Erinnert ein wenig an moderne Turbodiesel: ordentlich Drehmoment lässt die nicht ganz so üppige Leistung fast vergessen. Aber halt nur fast. Beschleunigt man die Gänge aus, landet man hart im Drehzahlbegrenzer. Bei einem Überholvorgang nicht ganz so schön. Insgesamt ist der Twin sehr gelungen. Keine Nähmaschine sondern eher bollerig. Der bullige Antritt entschädigt locker für die fehlende Spitzenleistung.

Honda NC 700 X 09

Fahreindruck Honda NC 700X

Da hat natürlich das Fahrwerk ein leichtes Spiel. Stabil und komfortabel sind die passenden Vokabeln. Wie gemacht für Einsteiger. Die NC 700 X liegt satt und komfortabel auf der Straße. Der breite Lenker erleichtert das Handling, die aufrechte Sitzposition sorgt für eine gute Übersicht. Die Honda lässt sich leicht in Schräglage bringen ohne dabei an das spielerische Handling einer ER-6n zu kommen. Dies macht sie jederzeit berechenbar und bringt niemand ins Schwitzen. Wieder ein Punkt für die Einsteiger. Draufsetzen, losfahren und wohlfühlen, so einfach geht das. Und schon ist man flott in der Gegend unterwegs. Wobei flott auch klar die Grenze des machbaren bezeichnet. Sobald aus flott sportlich wird, gerät das Honda Motorrad außer Tritt. Dann nehmen die Fußrasten recht früh Kontakt zur Straße auf und verkünden kratzenderweise ihren Unmut. Das gleiche gilt für das Fahrwerk. Die komfortable Auslegung verhindert sportlichen Einsatz, es kommt Unruhe in die ganze Fuhre. Dann hilft nur noch Gas wegnehmen. Bedenken ob der Bremse bestätigten sich nicht, die einsame Scheibe im Vorderrad war jederzeit den Anforderungen gewachsen.

Honda NC 700 X 04