Kawasaki Er-6f

Kawasaki Er-6f


F wie Ferkleidung

Bis dato hatte die ER-6f gegen ihre nackte Schwester keine Chance. Während die Schwester n ihre Reize unverhüllt zur Schau stellt, bedeckte die verkleidete Variante diese scheinbar. Im direkten Vergleich wirkte sie etwas bieder und brav, konnte gegen den frechen Auftritt der Schwester wenig entgegensetzen. Dies hat sich jetzt gründlich geändert. Das Kleidchen hat sie sich jetzt nämlich von der großen Schwester Z1000SX geliehen. Und die ist alles andere als Bieder. Ob das reicht gegen die nackte 6er zu bestehen? Wir probieren es aus.

Hauptunterschied der ER-6f zur Zwillingsschwester ist natürlich die Verkleidung. Dennoch basieren beide auf dem gleichen Package. Fahrwerk, Motor und Bremsen sind identisch. Gleiches gilt für Bedienung und Instrumente, wobei diese bei der f in die Verkleidung integriert sind, statt am Lenker wie bei der n. Die Verkleidung verleiht der ER-6f dann auch eine deutlich längere Nase. Nicht kurz und gedrungen wie die Nackte, sondern gestreckt und geduckt steht die kleine Kawa auf den Rädern. Die optischen Anleihen der Z1000SX tun der f sehr gut. Nicht bieder wie die Vorgänger, sondern sportlich frech schaut sie aus den Scheinwerfern. Sie sähe natürlich noch besser aus, wenn beide dauerhaft leuchten würden. So hat sie den gleichen Silberblick wie die SX, da mit Abblendlicht immer nur eine von zwei möglichen Lampen brennt.

Kawasaki Er-6f 08

Ansonsten herrscht weitgehend Gleichheit unter den Zwillingen. Dies gilt z.B. für die Platzverhältnisse. Die Ernas sind eher was für kleine und mittelgroße Fahrer. Bei Großgewachsenen zwickt es dann schon mal im Knie oder kommt der Lenker dem Fahrer zu nahe. Ein Fall für 2 waren die ER-Schwestern eh noch nie, woran sich auch heute nichts geändert hat. Durch die Verkleidung bringt die ER-6f 211kg auf die Waage und damit derer 5 mehr als die Schwester. Preislich kostet jedes dieser Kilos genau 100 Euro. Mit 7.495 Euro ist die f exakt 500 Euro teurer als die n.

Antrieb Kawasaki ER-6f

Ein guter alter Bekannter. Kawasaki hat den potenten Twin im Laufe der Jahre stets optimiert. Dabei stand nicht die Spitzenleistung im Vordergrund, sondern die Fahrbar- und Alltagstauglichkeit. So wurden dem 2-Zylinder die anfangs deftigen Vibrationen abgewöhnt und der Antritt bei niedrigen Drehzahlen von Version zu Version verbessert. Aktuell bringt es der Reihenzweier auf 649 Kubik die für 72 PS und 64 NM gut sind. Für die Spitzenleistung braucht der Motor 8.500 Umdrehungen, für das Drehmoment gerade mal 7.000. Damit lässt sich die ER-6f erstaunlich schaltfaul bewegen. Ab Standgas hängt der Motor gut am Gas und setzt den Dreh mit der Rechten ohne Mucken und immer energisch um. Ein wahres Feuer entfacht die ER dann ab 5.000 Umdrehungen. Dann hängt sie bissig am Gas und zieht nach vorne als gäbe es kein Morgen. Vibrationstechnisch hält sich der Twin angenehm im Hintergrund, dies gilt weitgehend auch für den Sound. Zwar brabbelt die ER-6f recht tief-frequent aus dem tiefliegenden Endtopf, Gänsehautstimmung kommt damit allerdings nicht auf.

Kawasaki Er-6f 13

ER-6f on the road

Die n gilt als quirlig, aber nicht unbedingt als Kilometerfresser. Eher das Spaßgerät für die schnelle Runde auf der Hausstrecke. Das beherrscht auch die f aus dem Effeff. Die Strecke kann nicht verwinkelt genug sein, spielerisch schlägt die ER-6f Haken aller Art. Quasi der Anblick der nächsten Kurve lässt die Kawa schon in Schräglage fallen. In Sachen Handling können wir also einen getrost die Note Mountainbike vergeben. Dabei erkauft sich die ER die guten Noten nicht mit Nervosität. Auch sehr schnell gefahrene, langgezogene Kurven meistert sie mit Bravour. Am Geradeauslauf gibt es bis in hohe Geschwindigkeitsbereiche nichts zu bemängeln. Zwar ist sie mit 211 kg kein Fliegengewicht, die Doppelscheiben vorne habe das Moped aber jederzeit fest im Griff. ABS ist ohnehin serienmäßig.

Kawasaki Er-6f 06

Erst bei harten Bremsmanövern stößt die Gabel an ihre Grenzen und bringt Unruhe ins Fahrwerk. Dieses ist im Vergleich zu den Vorgängermodellen deutlich straffer abgestimmt. Was eine noch sportlichere Gangart ermöglicht und die 6er endgültig zum Big-Bike-Schreck macht. Aber auch Motorräder vom Schlage einer CBF600 oder Bandit 650 müssen sich warm anziehen. Die kommen zwar eine Nummer größer daher, müssen sich aber auch mächtig strecken um mit dem potenten Twin mitzuhalten. In Sachen Durchzug und Antritt aus dem Drehzahlkeller lässt der ihnen ohnehin keine Chance.

Kawasaki Er-6f 12

Die Stunde der Verkleidung schlägt (im positiven Sinn) auf längeren Strecken. Der Windschutz hält je nach Körpergröße den Oberkörper frei von Winddruck. Je nach Stellung der Scheibe bekommt der Helm mehr oder weniger Fahrtwind ab.  Auf der Bahn lassen sich so problemlos höhere Geschwindigkeiten aushalten.