Honda CBF 1000F

Honda CBF 1000F


So einfach ist das

Spaß und Sicherheit. Maßgeschneidert. Seit 2004 verwöhnt Honda die Motorrad fahrende Minderheit der Menschen mit Maschinen, die unter der Modellbezeichnung CBF durch ihre Einfachheit und ein ausgeprägt gutes Preis-Leistungsverhältnis bestechen. Jüngstes Beispiel für dieses Erfolgskonzept ist die CBF 1000F des Angenda-Jahrgangs 2010.

Vor 6 Jahren initialisierte Honda mit den CBF 600 und 500 Modellen das Just-Fit-Zeitalter. Bezahlbare Motorräder, die sich in der Ergonomie an die körperlichen Gegebenheiten des Fahrers und vor allem der Fahrerinnen anpassen ließen, sollten inaktive Motorradführerschein-Inhaber, so genannte Schläfer, zurück an den verstellbaren Lenker locken. Hondas Konzept ging voll auf. Besonders die CBF 600 verkaufte sich wie geschnitten Brot an Fahrschulen, Fahranfänger und Wiedereinsteiger. Variabilität, ein weites Einsatzspektrum, solide Verarbeitung und Sicherheit durch ABS, gepaart mit einem schlichten, aber dafür eben auch zeitlosen Design, trieben seither 42.000 Käufer an die Ladentheke des Honda-Händlers um einen Spross aus der CBF Familie zu erwerben. Unterwegs hatten die Japaner der 600er Mama noch den großen Papa an die Seite gestellt. 2006 literte Honda die CBF voll aus und schob mit der 1000er einen weiteren Verkaufsschlager gleicher Bauart nach, der vor allem die Herren der Schöpfung mit dem bärigem Drehmoment des Fireblade-Rumpfmotors auf Anhieb begeisterte. Den eigenen Nachwuchs erzieht die CBF Reihe seit letztem Jahr zudem mit der günstigen 125er. Eine Erfolgsgeschichte, die nach der erfolgreichen Modellpflegemaßnahme der 600er im Jahre 2008 nun mit der neuen CBF 1000F auch im nächsten Jahrzehnt fortgeschrieben werden soll.

Zuwachs statt Ablösung

Dabei ist es keinesfalls so, dass die CBF 1000 mit dem Zusatzbuchstaben „F“, die bisher so erfolgreiche, im letzten Jahr 1.494fach verkaufte und damit auf Platz 7 der deutschen Verkaufshitparade platzierte, CBF 1000 ablöst. Diese bleibt zunächst unverändert im Programm. Vielmehr soll die Neue sich mit sportlicherem Design, mehr Leistung, Aluminiumrahmen und deutlich mehr Dynamik, in der Honda-Modellpalette irgendwo zwischen der bewährten CBF 1000 und der schlanken, nackten CB 1000R einsortieren. Optisch scheint das Vorhaben auf den ersten Blick direkt gelungen. Die aus der CBR 600RR in die schmal geschnittene Halbschale transplantierten Line-Beam-Scheinwerfer verleihen der CBF 1000F schon im Stand einen ziemlich schnittigen Auftritt. Sehr schick sehen auch die nah an der Gabel in die Verkleidung integrierten Blinker mit den weißen Gläsern aus. Die hinteren, ovalen Fahrtrichtungsanzeiger stammen übrigens ebenfalls von der CB 1000R. Dazu erinnert die neue, auf der rechten Seite verlegte, vier in eins Auspuffanlage mit Edelstahlkrümmern an glorreiche Honda-Sport-Motorräder der CB Baureihe, wie 400er Sport und Bol d’Or. Diese hatten freilich noch keine Katalysatoren. Weder in Sammler, noch im Endtopf. Das schlanke Heck glänzt zeitgemäß mit LED Rücklicht und wertig ausgeführten Haltegriffen aus Aluminium. Das sieht schön aus und fühlt sich gut an. Genauso, wie die einstellbare 41 mm Telegabel mit schwarzen Standrohren und roten Einstellnubsies für die Zugstufendämpfung. Ebenfalls in freundlichem Schwarz präsentieren sich die einfach ausgeführte, stabile Kastenschwinge und das neue Aggregat, welches in guter CBF Tradition auf dem der Fireblade basiert. Oder, genauer gesagt, in diesem Fall eher als ein direkter Nachfolger des CB 1000R Motors zu sehen ist. Der wiederum aber auch dem Rumpfmotor der Fireblade der Baureihe SC57 entsprang. Schon verrückt, wenn man sich vor Augen führt, dass es möglich ist, so ein supersportliches Aggregat, das in der Doppel-R satte 170 PS leistet, erfolgreich in ein potenzielles Brot und Butter Motorrad zu integrieren. Für den kräftigen Allrounder wählten die Ingenieure eine wunderbar füllige Abstimmung mit satten 96 Nm Drehmoment in der Mitte des Drehzahlbandes. Die Spitzenleistung von 79 kW ist da eher Nebensache. Wer darauf gesteigerten Wert legt, sollte tatsächlich zur Fireblade greifen.

Honda CBF 1000 F 54

Leichtigkeit des Fahrens

Doch, wer CBF fährt, der braucht sowieso keine PS-Orgie, sondern will auf einer früh einsetzenden, gleichmäßig anschwellenden Drehmomentwelle surfen, zeitig in den nächst höheren Gang wechseln und geschmeidig aus den Kurven heraus beschleunigen, ohne die Kupplungshand weder vor noch nach dem Scheitelpunkt überhaupt in Aktion zu bringen. Schaltfaules Fahren wird verlangt. Und auch geboten! Gleich ab Standgasdrehzahl zwirbelt der Reihenvierer los. Nachdrücklich wie eine Flugzeugturbine beim Start. Man kann sogar ganz ohne Gas zu geben, mit der rechten Hand in der Tasche, anfahren. Einfach sachte einkuppeln, schon setzt sich die brave CBF in Bewegung und zuckelt ohne Rumgezicke von dannen. Quasi unabwürgbar! Kein Wunder, dass die CBF gerade bei Wiedereinsteigern ganz oben auf der Wunschliste steht. Denn die wollen zwar ein Big-Bike – Downsizing ist bei männlichen Motorradfahrern ein nicht wirklich weit verbreitetes Vernunftgebaren – haben aber keine Lust, sich mit kapriziösen Diven herum zu plagen. Und genau hier spielt Honda gleich eine ganze Hand von Trümpfen aus.

Honda CBF 1000 F 49

Was nicht passt, wird passend gemacht

Außer der imponierenden Elastizität und nachdrücklichen Power des Triebwerkes, das aus jeder Lebenslage ruckfrei am Gas hängt, macht die CBF den Piloten mit ihrer hochgradig einfachen Handhabung glücklich. Draufsetzen, Starten, Losfahren und Wohlfühlen. Alles in einem Aufguss. Die sonst übliche Eingewöhnungsphase entfällt ersatzlos. Die Sitzposition ist touristisch aufrecht ausgestaltet. Hände und Füße des Fahrers finden sich wie von selbst an allen Bedienelementen ein. Schnell sind die Weitenverstellungen für die ordentlich ausgeführten Hebeleien justiert und die Druckpunkte von Kupplung und Bremse verinnerlicht. Die Sitzbank ist dreifach einstellbar und lässt sich aus der mittleren Position bei 79,5 cm Höhe, jeweils 1,5 Zentimeter nach oben oder unten verstellen. Das ermöglicht Fahrern jeder Bauart, sowohl bequem festen Boden zu erreichen, als auch längere Extremitäten gemütlich zu verstauen. Wobei sich für alle eine ähnlich komfortable aber gleichzeitig agile Sitzposition ergibt. Ebenso einstellbar, und zwar vierfach, ist das Windschild. Wer jedoch am Lenker nach einem elektrischen Bedienelement sucht, wird nicht fündig. Einfachheit ist auch hier die Maxime. Die Scheibe kann manuell, mit einer ausgeklügelten Mechanik, ganz ohne Werkzeug, um 120 Millimeter herauf oder herunter manövriert werden. Wirklich gut geht das aber nur im Stand, indem man mit beiden Händen das Windschild von vorne greift und leicht hin und her wackelnd in Bewegung setzt, bis es spürbar in der nächsten Position einrastet. Dann generiert die Scheibe einen ausreichenden Wetterschutz, der es ermöglicht, auch mal einen heftigen Regenschauer fast komplett trocken zu überstehen. Vorausgesetzt, man macht sich klein und gibt genug Gas, damit der Luftstrom das kühle Nass um die schnittige Verkleidung und den Körper des Fahrers herum leitet.

Honda CBF 1000 F 48

Genauso einfach wie die Handhabung der CBF 1000F fällt ihr Handling aus. Mit dem neuen Aluminium-Backbone-Rahmen und dem moderaten 160er Hinterreifen gelang es den Ingenieuren sowohl die Stabilität, als auch die Agilität des Big-Bikes in einem Arbeitsgang zu verbessern. Der schmale, recht hoch gekröpfte Lenker transportiert die Lenkimpulse des Fahres direkt, ungemein exakt und derart transparent an das Fahrwerk, dass es eine ausgesprochene Leichtigkeit ist, die CBF durch enges Kurvengeschlängel zu scheuchen. Der Lenkeinschlag fällt groß genug aus, um ohne Probleme auf einer schmalen, zweispurigen Straße in einem Zug wenden zu können. In Schrittgeschwindigkeit, ohne auch nur einmal das Verlangen zu haben, den Fuß auf den Boden zu setzen, wird dabei geschmeidig mit Gas und Kupplung hantiert. Da werden die Fahrschulgrundübungen glatt zur Gaudi.

Eingebaute Sicherheit

Wunderbar Vertrauen erweckendes Feedback und guter Grip der Bridgestone BT 021 lassen selbst die kapriziösen Verhältnisse der Mallorquiner Bergstraßen nach den schweren Regenfällen der vorangegangenen Tage vergessen. Leicht wie eine 600er kann die große CBF von einer Schräglage in die andere geworfen werden. Da gibt es kein Wegsacken um den Lenkkopf vor engen Kehren, keine Schrecksekunden beim Wechsel von trockener auf nasse Fahrbahnstellen und keine Angst vor Schmutz auf der Fahrbahn. Das CBF Fahrwerk schluckt alle Unbilden der Straße einfach so weg. Und auch beim beherzten Einschenken mit der Gashand aus der Kurve heraus, bleibt der Grip am Hinterrad glasklar einschätz- und fühlbar. Da fährt man Mopped wieder mit dem Popometer. Surft auf der dicken Drehmomentwelle und genießt das Fahren als solches. Bis ans Drehzahllimit bei 10.000 Umdrehungen steht zudem stets reichlich Power zur Verfügung. Eigentlich egal, in welchem der sechs gut schaltbaren, allerdings über etwas lange Wege, zu erreichenden Gänge man gerade herumgondelt. Turbinenartig liefert die CBF ihre Power ab und vermittelt Fahrspaß ohne Reue. Dafür, für das Ausbleiben der Reue nämlich, sorgt zudem das bewährte Combined-ABS System. Gut ansprechend und schnell regelnd verteilt es die Bremsleistung stets optimal an die drei Bremsscheiben. Das übersichtliche Cockpit glänzt mit einem schönen großen analogen Drehzahlmesser in der Mitte, vielen wünschenswerten Infos wie Verbrauch-, Restreichweitenanzeige und Tripmetern auf der rechten und großem Digitaltacho und Uhr auf der linken Seite. Optisch gut gelungen und sinnvoll ist auch die Warnleuchten Leiste oben in der Verkleidung. Da sind die wichtigsten Anzeigen immer peripher sicht- und auf einen Blick ablesbar. Soll ja schon vorgekommen sein, dass man zu tief im Cockpit positionierte Warnlampen schlicht übersehen hat und wegen Benzinmangel liegen blieb! Und auch die Blinker geraten nicht mehr in Vergessenheit.