Yamaha FJR 1300 2013

Yamaha FJR 1300 2013


Touren auf die dynamische Art

Mit einer gezielt vorgenommenen Rundum-Modellpflege bringt Yamaha seinen Dynamiktourer FJR 1300 auf ein zeitgemäßes Niveau. Lange hat es gedauert, bis sich Yamaha entschlossen hat, seinem tourigen Flaggschiff FJR 1300 eine Modellpflege angedeihen zu lassen: Seit der Premiere im Jahre 2001 hat es lediglich ein zartes Update vor sieben Jahren gegeben, das war's. Inzwischen hat die Konkurrenz in form einer Kawasaki GTR 1400, BMW K 1600 und jüngst Triumph Trophy den einstigen Vorreiter in Sachen dynamischem Touren überholt, das wirkte sich nicht gerade günstig auf die Verkaufszahlen aus. Bei der längst überfälligen Überarbeitung fürs kommende Modelljahr krempelten die Entwickler den Dauerbrenner nicht komplett um, sondern spendierten ihm elektronische Zugaben, praxisgerechte Details sowie eine aufgefrischte Optik.

What’s new - Motor und Fahrwerk blieben weitgehend unberührt, die Basis bilden also nach wie vor der flüssigkeitsgekühlte Reihenvierer mit 1298 cm3 Hubraum samt Kardanantrieb, ein Leichtmetall-Brückenrahmen mit mächtiger 48er Telegabel und einem Zentralfederbein. Sogar das Styling bewahrt die charakteristische Schärfe einer FJR. Änderungen im Detail wie LEDs am unteren Scheinwerferrand als Tagfahrlicht, ein neues Windschild und zart modifizierte Seitenteile unterstreichen das Design. Tiefer im Detail zeigen sich neue Uhren und umfangreiche Bedienelemente, die für die elektronischen Innovationen notwendig waren. Dank der neuen elektronischen Ride-by-wire-Drosselklappensteuerung führt Yamaha einen Tempomaten, zwei wählbare Fahrmodi (Sport und Touring) sowie eine neue Traktionskontrolle ein, verknüpft mit dem nun schneller arbeitenden ABS.

Antrieb FJR1300 - Sanfter Riese

Trotz aller Neuerungen empfängt die FJR ihren Piloten mit bekanntem Ambiente in 805 oder 825 Millimeter Höhe, also mit etwas sportlichen Kniewinkeln und deutlichem Abstand zum Lenker. Wohlig wie eh und je grummelt der Vierzylinder in Gentle Giant-Manier unterm Sitz und vermittelt ein souveränes Fahrgefühl: Sanft, mühelos und geschmeidig nimmt er schon ab 2000 Touren Gas an, kleine Dörfer lassen sich selbst im letzten Gang entspannt durchrollen. Letzter Gang bedeutet übrigens Fünfter, und dass Yamaha trotz aller Kritik hat immer noch kein das Drehzahlniveau senkende Sechsganggetriebe implantiert hat, entlarvt die Überarbeitung als unvollständig. Dafür spricht das Aggregat nun sehr sanft an, was Kardanreaktionen auf ein Minimum reduziert. Etwas enttäuschend fällt der Durchzug trotz der mit 146 um drei Pferdchen gestiegenen Leistung und des erstarkten Drehmoments von 138 Newtonmetern aus. Zum Überholen selbst im Sportmodus gilt es, einen Gang herunter zu schalten, im Touring-Modus entfaltet der Vierventiler seine Kraft so zurückhaltend, dass sogar Ungeübte selbst auf rutschigem Kopfsteinpflaster in der Stadt nicht überfordert werden.

Yamaha FJR 1300-29

Yamaha FJR1300 - Schneller Reise-Express

Auf der Autobahn ist sie ein ausgezeichneter Kilometerfresser, der einfach vom linken Lenkerende bedienbare Tempomat erleichtert das Leben und lässt Zeit, die vielen neuen Funktionen zu goutieren: Vom linken Lenkerende lässt sich entweder die Scheibe höhenverstellen, die Heizgriffe justieren oder das Multifunktionsdisplay umschalten. Das funktioniert simpel und ohne lange Eingewöhnung. Der Windschutz hinter dem neuen Vorbau ist jedoch in keiner Scheibenstellung perfekt. Zwar bleiben lästige Turbulenzen fern, doch ist es recht laut im Helm und es gibt stets eine laminare Anströmung.

Yamaha FJR 1300-05

Das eigentliche Revier der FJR liegt auf gewundenen Überlandstraßen. In den schnellen Radien fühlen sich Maschine und Fahrer sauwohl, stabil liegt die FJR in Schräglage und profitiert vom Gripniveau der neuen Metzeler Z8-Bereifung. Bergab und in engen Kurven schieben die fast sechs Zentner Gewicht jedoch nach außen, die FJR will mit Körpereinsatz auf Linie gehalten werden. Auf schlechten Untergründen liefern die sensibel ansprechende Gabel wie das ebenfalls komplett verstellbare Federbein guten Komfort, doch bleiben Rückmeldungen in der soften Dämpfung hängen. Ab April kommt die kupplungslos schaltbare AS-Variante in den Handel, die erstmals bei Yamaha über ein elektronisches Fahrwerk verfügt. Die Fahrwerksgrundabstimmung dürfte dann jedoch kaum anders sein.

Yamaha FJR 1300-15

Einen Schritt vorwärts haben die Stopper der FJR gemacht. Wer nur die Vorderbremse nutzt, muss für gute Bremskraft ziemlich kräftig am Hebel ziehen, doch zusammen mit der als Kombibremse ausgeführten Hinterbremse gibt es eine sehr effektive Verzögerung bei subjektiv eine Spur zu früh eingreifendem serienmäßigem ABS. Die Touringausstattung komplett macht das bei ausgeschalteter Zündung selbstschließende Handschuhfach in der Front, die voluminösen, prima integrierten Seitenkoffer und ein überarbeiteter Hauptständer, der das Aufbocken erleichtert.