Triumph Thruxton

Triumph Thruxton


Ready to Race

Es gab Zeiten, da wäre die Thruxton als waschechter Supersportler durchgegangen. Und an genau diese soll die Thruxton auch erinnern. Allerdings ohne die damaligen Nachteile wie wackeliges Fahrwerk und miese Bremsen. Hat geklappt. Dummerweise aber auch mit modernen Nachteilen: in Sachen Sound kann die moderne Triumph ihren Ahnen in keinem Fall das Wasser reichen.

Dass die Klassiklinie von Triumph mit viel Liebe zum Detail gemacht ist, dürfte den meisten bekannt sein. Bei der Thruxton haben die Jungs und Mädels von Triumph noch einen drauf gelegt. Der sportliche Lenker, der abgedeckte Bürzel der Sitzbank, die Lenkerenden-Spiegel, die Speichenräder, die hochgezogenen Auspufftüten. Man könnte die Details seitenlang beschreiben. Sie ist einfach ein wunderschönes Stück Motorrad. Zwar hatte die erste Version der Thruxton stilechtere Stummellenker, dafür aber auch „normale“ Spiegel. Egal. Sie ist und bleibt – wie die Schwester Bonneville – eine fahrende Zeitmaschine. Man fühlt sich mit ihr in vergangene Zeiten zurück versetzt, Motorradfahren pur, analog sozusagen. Die Moderne verraten nur die kleine Digitalanzeige und der bereits angesprochene biedere Sound. Dabei wünschen wir uns durchaus ein weiteres unauffälliges Merkmal moderner Zeiten: ein ABS steht auch einer Thruxton gut. Den Bonneville-Schwester übrigens ebenfalls. Und preislich? Na ja, Triumph verlangt immerhin 8.990 Euro für den Retro-Racer. Da gibt es aus gleichem Haus schon die brandneue Street Triple inklusive ABS. Aber es war halt schon immer ein wenig teurer einen besonderen Geschmack zu haben.

Triumph Thruxton: Luftgekühlter Parallel-Twin

Technisch basiert die Thruxton auf den Bonneville-Modellen. Mit diesen teilt sie sich auch den Antrieb: der 865 Kubik große Parallel-Twin bringt es auf 69 PS bei 7.400 Umdrehungen. Bereits bei 5.800 liegt das maximale Drehmoment von 69 NM an. Alles in allem überschaubare Leistungsdaten. Dennoch hat der Twin seine Qualitäten. Entscheidend ist nicht die maximal Anzahl von Pferdestärken und Newtonmetern, sondern wo sie anliegen. Und genau hier punktet die Triumph. Wunderbar linear ist die Leistungsentfaltung, bereits bei niedrigen Drehzahlen schiebt das Drehmoment die Fuhre ordentlich vorwärts. Dabei läuft der Reihenzweier angenehm ruhig und verschont Fahrer und Maschine mit nervigen Vibrationen.

Triumph Thruxton 22

Eigentlich alles gut. Eigentlich. Denn irgendwie fehlt der Kick, die Emotion. Die Triumph zieht zwar kräftig, aber auch immer gleichmäßig. Kein Afterburner bei einer bestimmten Drehzahl, immer wie am Gummiband. Der Sound hilft da leider ebenfalls nicht weiter. Brav, wie eine zu laute Nähmaschine verrichtet die Thruxton soundmäßig ihren Dienst. Insgesamt fehlt uns da ein wenig der Charakter. Viel braucht es nicht. Wahrscheinlich bringt einen schon eine in Sachen Auspuffgeräusch etwas großzügigere Zubehöranlage weiter. Geschaltet wird über eine sehr gut funktionierende 5-Gang-Box. Der Gangwechsel geht unauffällig, verlässlich und weitgehend lautlos über die Bühne. Genauso wie man es gerne hat.

Triumph Thruxton 10

Fahreindrücke Thruxton

Auf den ersten Blick traut man der Thruxton aufgrund der klassischen Optik nicht viel zu. Stereo-Federbeine, schmale Bereifung, nur eine Bremsscheibe am Vorderrad sieht gemütlicher Runde aus. Funktioniert auch ohne Probleme. Allerdings kann die Triumph viel mehr als man besagtem ersten Blick zutraut. Das fängt schon bei der Sitzposition an. Der Lenker nicht zu tief, die Fußrasten nicht zu hoch und zu weit hinten. Insgesamt sportlich aber sehr angenehm. Der Lenker liegt gut in der Hand und vermittelt ein gutes Gefühl für das Vorderrad. Die Instrumente fallen positiv ins Auge, die außen montierten Rückspiegel bieten eine gute Rück-Sicht. Ansonsten sitzt man eher auf als im Motorrad.

Triumph Thruxton 04

Auf unseren Testrunden im Odenwald zeigt sich die Thruxton dann von ihrer besten Seite. Dank schmaler Bereifung lässt sich die immerhin 230 kg schwere Triumph spielerisch um die Ecken bewegen. Sitzposition und schmaler Knieschluss tun ein Übriges. Es macht einfach einen Höllenspaß mit der Triumph um Biegungen aller Art zu pfeifen. Der schmale 18-Zöller sorgt nicht nur für gutes Handling sondern vor allem für präzises Handling. Die Thruxton hält die einmal eingeschlagene Linie ein und zieht wie an der Schnur gezogen um die Kurve. Kurve anpeilen, die Fuhre mit dem berühmten Schenkeldruck umlegen und durch die Kurve wie das heiße Messer durch die Butter.

Triumph Thruxton 05

Das funktioniert nicht nur auf perfektem Belag. Gerade auf weniger guten Nebenstrecken zeigt das Fahrwerk seine gekonnte Abstimmung. Komfortabel genug um nicht bockig über die Unebenheiten zu hoppeln, straff genug um die Maschine auf Kurs zu halten. Die Thruxton taugt insgesamt für die flotte Wochenendrunde, ein modernes Renneisen ist sie allerdings nicht. Zu forscher Tatendrang bringen schnell die Fußrasten auf den Boden und das Fahrwerk an die Grenze. Die Bremse hält es mit dem Motor: tut unauffällig ihren Dienst, arbeitet zuverlässig aber nicht auffallend gut.