Yamaha TMax 500 ABS

Yamaha TMax 500 ABS


Mehr und mehr

Der Wunsch nach immer mehr scheint heute zum guten Ton zu gehören – mehr Geld, mehr Arbeitszeit, mehr Rendite. Im Rollerbereich hat uns der Größenwahn wahre Scooter-Riesen beschert. Yamaha geht bei dem neuen Tmax ABS einen anderen Weg – ohne modische Hubraumerweiterung, aber mit tief greifenden Modifikationen

Autobahn, linke Spur, Tachonadel auf 173 – der TMax läuft unbeirrt geradeaus und verscheucht ein paar Kleinwagen auf ihren angestammten Platz nach rechts. So viel Überholprestige hätte man dem überarbeiteten Yamaha-Maxi nicht unbedingt zugetraut, aber die neuen aggressiven Linien samt sportlichem Doppelscheinwerfer machen offensichtlich enorm Druck im Rückspiegel, und der Geschwindigkeitsüberschuss, mit dem er heranrauscht, tut ein Übriges. Dabei fühlt sich der Fahrer keineswegs gestresst, im Gegenteil: Hinter der schräg aufragenden Verkleidungsscheibe herrscht mehr Ruhe als bei einem ausdrehenden 125er, der Fahrtwind strömt schön gerade an, keine Turbulenzen umtosen den Helm. Dazu haben die Beine freie Platzwahl nach vorn, im Lendenbereich gibt eine kleine Lehne dem unteren Rücken Halt. So bleibt reichlich Bewegungsspielraum für sämtliche Spielarten, sei es zurückgelehntes Cruisen oder ambitioniertes Kurvenschnupfen. Alles passend für Körperlängen von 165 bis 190 Zentimeter, dabei sitzt man einen Tick weiter vorn als bei anderen Maxis.

Hochwertige Verarbeitung

Doch der TMax-Treiber genießt sein erstes Hochgefühl schon weit vor dem eigentlichen Fahrerlebnis: Das Aufsitzen auf die niedrige Bank versetzt ihn in eine schöne neue Rollerwelt, in der nichts mehr an billige Plastikteile oder friemelige Verschlüsse erinnert. Alles wirkt wertig, die Kunststoffabdeckungen sind passgenau, solide und tadellos lackiert. Informative Instrumente, bei denen sich nur der LCD-Balken für die Drehzahl nicht gut ablesen lässt, zwei stabile verschließbare Seitenfächer, eine massive Schlosseinheit als Hingucker – überall tolle Details, an denen man sich gar nicht satt sehen kann. Erstmals bei einem Roller gewinnt man den Eindruck, für den Haufen Kohle einen anständigen Gegenwert zu bekommen. Bei so viel Neuerungen bekam auch der bekannte Hightech-Antrieb sein Fett weg, allerdings ohne an der konstruktiven Basis des Paralleltwin zu rütteln: Ohne trendgemäße Aufstockung bleibt der Hubraum bei 499 cm3, eine effiziente Einspritzanlage mit geregeltem Katalysator kümmert sich um das 11 zu 1 verdichtete Gemisch, eine Ausgleichswelle sorgt für annähernd vibrationslosen Motorlauf – selbst bei Geschwindigkeiten jenseits der 150 km/h. Überarbeitet wurden Einlasssystem und Auspuff, die Steuer-Elektronik und die Kupplung. Alle inneren Maßnahmen münden jedoch nicht in einer Leistungssteigerung: Maximal stehen bärige knapp 47 Newtonmeter Drehmoment und 44 PS zur Verfügung, die über einen doppelten Kettentrieb mit automatischem Längenspielausgleich ans 15-Zoll-Hinterrad geliefert werden. Die Motormodifikationen dienen vielmehr der Haltbarkeit und Einhaltung der Euro-3-Norm, außerdem tragen sie zu einem schnelleren Ansprechen auf Gasgriffbefehle bei. Damit braucht man sich vor keinem Ampelduell mehr zu fürchten, und über Land gewährleistet das mehr als zügige Überholmanöver.

Yamaha TMax 500 ABS Staufach

Neuer Alu-Rahmen

Wesentlich tiefer greifen die Fahrwerksmodifikationen – der 2008er TMax bekam praktisch ein komplett neues Chassis. Wichtigste Neuerung ist der Aluminiumrahmen, der den Einrohr-Stahlrahmen ersetzt. Wie beim 400er Majesty besteht er aus gegossenen und gepressten Leichtmetallprofilen und verleiht dem TMax ein stabiles Rückgrat. Zusammen mit leichten Verkleidungsteilen spart er stolze fünf Kilogramm gegenüber dem letztjährigen Modell ein. Vorn nimmt eine stabile Gabel mit dickem 43er Durchmesser nun ein 15- statt 14-Zoll-Rad auf, auch der Radstand wurde ein wenig verlängert und beträgt nun 1580 Millimeter. Dass dies auf der Autobahn für eine satte Straßenlage sorgt, haben wir bereits erwähnt. Doch im kurvigen Geläuf macht das Ganze noch viel mehr Spaß: Der Yamaha-Maxi mutiert zum flotten Feger und ernstzunehmenden Gegner für manche Motorräder. Durch den tiefen Schwerpunkt und die frontlastige Gewichtsverteilung setzt er Richtungsbefehle ohne Zeitverzögerung und mit spielerischer Leichtigkeit um, ohne an nervöser Überhandlichkeit zu leiden. Natürliche Schikanen mit Schräglagenwechseln durcheilt er dank des direkten Fahrverhaltens im Handumdrehen. Dabei zieht er seine Asphaltbahn mit ausgesprochener Präzision, und selbst pockennarbige Oberflächen bringen ihn nicht aus dem Konzept. Auf allen Untergründen bleibt der Fahrkomfort erfreulich hoch, seine sportlichen Tugenden erkauft er sich nicht mit übertriebener Härte.

Yamaha TMax 500 ABS 06

echte Motorrad-Bremsen

Dieser frischen Dynamik gebieten vorn nun einteilige Vier-Kolben-Festsättel Einhalt, wie sie bei Yamaha-Motorrädern zum Einsatz kommen. Deren Verzögerungsleistung fällt gewaltig aus, sind zum Glück aber sehr gut dosierbar und per ABS abgesichert. Dieses greift speziell an der Vorderhand erst recht spät regelnd ein, was sich durch deutliches Pulsieren des Bremshebels bemerkbar macht. Die an beiden Bremshebeln einstellbare Griffweite rundet die Überarbeitung sinnvoll ab und erhöht das Bremsgefühl. Das neue Rahmenkonzept bietet aber auch mehr Freiraum, mit dem die Entwickler den Tank um einen Liter vergrößern konnten. Das erscheint angesichts des Durstes auch notwendig – für seine hervorragenden Fahrleistungen verlangt der TMax Tribut in Form eines Benzinzuschlags. Der schmale Rahmen ermöglicht ebenso die erstaunlich tiefen Fächer in der Front. Allerdings hilft das nur bedingt darüber hinweg, dass unter der neuerdings nach hinten aufklappbaren Sitzbank ein zwar tiefer, aber nicht sehr breiter Stauraum übrig bleibt. Das ändert aber nichts daran, dass der TMax eine äußerst gute Figur als typischer Gran Turismo-Roller abgibt – schnell, bequem, sportlich und elegant. Die zahlreichen Modifikationen haben seine vorhandenen Qualitäten noch verfeinert und ihm zu einem größeren Einsatzspektrum verholfen. Vor allem die erquickende Handlichkeit steht dem Japaner gut zu Gesicht. Der in astronomischen Sphären schwebende Preis ist ein Kapitel für sich – aber dass der deutlich verbesserte 2008er nur hundert Euro mehr kostet als der Vorgänger, ist verblüffend.

Yamaha TMax 500 ABS 01
 

Text: Thilo Kozik

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