Harley-Davidson Electra Glide Ultra Limited

Harley-Davidson Electra Glide Ultra Limited


Glide-Mittel

Die Electra Glide ist eine der traditionsreichsten Baureihen von Harley-Davidson. Sie gilt als der amerikanische Tourer schlechthin. Kein Wunder, rein optisch hat sich an der Electra Glide in den letzten Jahrzehnten nicht viel geändert: die „Batwing“ genannte Verkleidung prägt das Erscheinungsbild der E-Glide von Beginn an. Als Topmodell der Palette war und ist die Electra Glide so etwas wie der Technologieträger der luftgekühlten Harley-Davidson-Modelle. Die Electra Glide Ultra Limited packt hier noch was drauf: einen im Hubraum vergrößerten Motor.

Für unser Touring Spezial in der Bikerszene habe ich bei Harley Davidson ein Touringmodell angefragt. Electra Glide war die prompte Antwort, Electra Glide Ultra Limited stand dann in der Bestätigung. YES! E-Glide war der Wunschkandidat, die Ultra Limited Wunschgedanke. Der Winter sollte sich ja dann Mitte März auch endlich mal verzogen haben. Von wegen! Zum Abholtermin zeigte das Thermometer gerade mal 5 Grad über Null. Aber die Vorfreude war groß und hat den Winter aus den Gedanken vertrieben. Wie nicht anders zu erwarten, stellt sich die Harley-Davidson Electra Glide Ultra Limited als mächtige Erscheinung heraus. Muß sie ja, bei dem Namen. Vorne mächtige Verkleidung, hinten mächtige Gepäckeinheit. Dazwischen 2 Sitzplätze die auch als Fernsehsessel durchgehen könnten. Vor allem der hintere Platz mit Rückenlehne und Armauflage schmeichelt Gesäß und Rücken. Aber auch der Fahrer ist außerordentlich bequem untergebracht. Wer auf diesem Sitzkissen keine bequeme Sitzposition findet, ist klar ein Fall für den Orthopäden. Der Soziusplatz gibt dabei eine hervorragende Rückenstütze ab. Die Füße ruhen auf angenehm positionierten Trittbretten. Übrigens auch die des Beifahrers.

Kommen wir zu den Eckdaten der Electra Glide Ultra Limited. Natürlich ist nicht nur die Erscheinung stattlich, sondern auch das Gewicht: 400 kg Trockengewicht. Das verlangt nach einem potenten Motor. Hier schlägt dann die Stunde der Ultra Limited. Harley-Davidson hat sie mit dem aufgebohrten Twin-Cam-Motor ausgestattet. Der Hubraum wuchs von ohnehin nicht wenigen 1.584ccm auf üppige 1.690ccm. Die Leistung steigt dabei um gerade mal 2 Pferdchen, allerdings wächst das Drehmoment um 9 auf insgesamt 136 NM. Und die liegen bei gerade mal 3.500 U/Min an. Gebremst wird mit 300mm großen Scheiben, vorne derer 2, hinten 1. Alle mit Vierkolben-Bremssätteln ausgestattet. ABS ist serienmäßig an Bord. Die Koffer sind mit Innentaschen ausgestattet, auf dem Topcase glänzt ein verchromter Gepäckträger. Tempomat, Griffheizung und Harmon-Kardon Audio System mit Gegensprechanlage komplettieren die Ausstattung. Daß alles hat natürlich seinen Preis: 27.995 Euro rufen die Amerikaner für den Erwerb einer Electra Glide Ultra Limited aus.

Harley-Davidson Electra Glide Ultra Limited

Los geht’s. Erstmal die Harley Davidson Electra Glide Limited besteigen. Wie erwartet sitzt man seeehr bequem. Die niedrige Sitzhöhe verschafft sicheren Stand mit den Beinen. Der ist beim Rangieren auch bitter nötig. Der Lenker liegt gut in der Hand, könnte aber gerne noch etwas breiter sein. Die Verkleidung ist am Lenker montiert und lässt einen überraschend großen Lenkeinschlag zu. Dies kann bei oben schon angesprochenem Rangieren schnell kippelig werden. Zündung an, per Schaltwippe den neutralen Gang einlegen und auf den Starter drücken. Harley-typisch erwacht der Motor mit einem lauten Schlag zum Leben und versetzt Fuhre samt Fahrer in wohlige V2-Schwingungen. Mit einem weiteren Schlag wird der 1. Gang eingelegt und ab geht es. Wieder einmal bewahrheitet sich die alte Weisheit: Hubraum ist durch nichts zu ersetzen – außer durch mehr Hubraum. Die Electra Glide Ultra Limited zieht trotz ihres immensen Gewichts los wie der Stier aufs rote Tuch. Begleitet vom wunderbar bassigen Sound des aufgebohrten V2. Die Konkurrenz hatte Harley-Davidson in Sachen Leistung in letzter Zeit zum Teil doch deutlich abgehängt. Der Twin Cam 103 holt aber wieder mächtig auf. Keine von mir bis dato gefahrene Harley hing so gut am Gas wie die Ultra Limited. Selbst im als Overdrive ausgelegten 6. Gang geht einiges. Der 5. Gang kann schon ab 50 km/h eingelegt werden. Kurzer Dreh am Gasgriff und schon schiebt es die Electra Glide gnadenlos nach vorne. Auch der Sound profitiert vom gewachsenen Hubraum, wie gesagt: irgendwie bassiger und kerniger. Ohne dabei krawallmäßig laut zu sein. Harley-Davidson sollte diesen Motor so schnell als möglich auch in den anderen Modellen verbauen, wie herrlich lässt sich erst eine Harley mit 100 kg weniger Gewicht mit dem Twin Cam 103 bewegen?

Harley-Davidson Electra Glide Ultra Limited

Mit Sicherheit nicht sportlich, aber dennoch sportlicher als mit der Electra Glide Ultra Limited. Diese legt – einmal in Bewegung – zwar einen Großteil ihrer Pfunde ab, dennoch kann man keine Wunder erwarten. Auf guten Belägen lässt es sich mit der Ultra Limited locker und sanft durch die Kurven swingen. Wird es allerdings holprig, sieht die Sache schon anders aus. Dann hilft nur eines: Gas zurücknehmen. Das Vorderrad scheint geradezu in jede Unebenheit zu fallen, die 76mm Federweg hinten sind ebenfalls schnell aufgebraucht. Man muß nicht schleichen, aber eben doch angepasst fahren. Die Bremsen vorzögern ordentlich, aber nicht brachial. Der Motor ist für cruisen wie gemacht. Im großen Gang durch die Kurven, am Ausgang den Hahn aufziehen und die Beschleunigung und den Sound geniessen. Alles herrlich einfach und völlig unaufgeregt. Auch wenn man zügig unterwegs ist, das Gesamtpaket wirkt wie ein Beruhigungsmittel. Erholung im doppelten Sinne: dem Alltag entfliehen und stressfrei Motorradfahren. Genial!

Harley-Davidson Electra Glide Ultra Limited

Die Griffheizung vertreibt die Kälte wirkungsvoll aus den Fingern. Aber Vorsicht: wer dauerhaft mit der höchsten Stufe 6 unterwegs ist, riskiert verbrannte Griffel. Will sagen: die Dinger funktionieren verdammt gut. Auch gut ist der Wetterschutz der Verkleidung. Der Oberkörper bleibt frei von irgenwelchen Winddrücken. Allerdings liegt der Helm sehr ungünstig im Wind. Schon ab ca. 120 km/h rüttelt der Fahrtwind sehr kräftig am Helm, gefühlt ist man deutlich schneller unterwegs. Auch bei Ortsdurchfahrten mit offenem Visier ergibt sich ein unangenehmer Zug direkt auf das Gesicht. Was man getrost vergessen kann ist das Radio. Der Sound passt zwar, aber wenn der Twin Cam 103 sein Lied singt, hat es das Radio schon schwer. Kommt dann noch der Fahrtwind dazu, hat es ganz ausgespielt. Wer will denn auch schon Mucke hören, wenn der V2 so herrlich brabbelt? Immer wieder eine Erwähnung wert: die automatische Blinkerrückstellung. Funktioniert verlässlich und ist praktisch. Warum bekommen andere Hersteller sowas nicht hin? Überhaupt muß man sagen: trotz hoher Ausstattung ist die Ultra Limited keine Schalterwüste. Die Bedienung geht einfach und locker von der Hand. Alles ist selbsterklärend.