Yamaha SR 500 Aufbau

Yamaha SR 500 Aufbau


Blick in Lesergaragen

Meine Heimat Iwata ist weit – die Sonne geht für mich jetzt im Rheinland auf. Doch bevor ich meine Geschichte erzähle, möchte ich mich vorstellen. Ich bin eine Yamaha SR 500. Mein jetziger und hoffentlich letzter Besitzer nennt mich „Maja“.

Dieser Name ist wahrscheinlich von Yamaha abgeleitet worden. Da soll es aber auch eine Biene mit gleichem Namen geben, die hat mit mir aber nix zu tun. Im Jahr 1979 wurde ich in Iwata/Japan auf die Räder gestellt und mein Typ 2J4 zum Leben erweckt. Ich ging, wie damals viele meiner Art, auf große Reise nach Europa oder in die ganze Welt. Meine neue Heimat wurde Deutschland, weit weg vom Land der aufgehenden Sonne, und hier wurde ich am 28.03.1980 das erste Mal für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen. Damals bin ich als ganz normales Serienmotorrad ausgeliefert worden. Schöner großer Suchscheinwerfer vorn (ich mochte ihn nie), Blinker hinten, Drehzahlmesser usw. die üblichen Anbauteile eben, aber das alles ist lange her.

Doch nun weiter zu meiner Geschichte. Damit es für Euch liebe und hoffentlich neugierig gewordene Leser einfacher ist, nenne ich meinen Besitzer „Christi“. Anfang des letzten Jahres hatte Christi durch seinen Kumpel Dirk der im Verdener Raum wohnt durch Zufall von mir gehört. Christi’s Interessen gingen in viele Bereiche und hatten mit Motorrädern rein gar nichts zu tun. Doch tief in seinem Herzen hatte er wohl schon oft von einem Zweirad geträumt und jetzt sollte es soweit sein. Als wir uns dann das erste Mal sahen schien Christi sehr nervös, obgleich er wohl schnell einen Plan und auch dessen Umsetzung im Kopf hatte. Wenn Ihr Euch die Bilder anseht könnt Ihr meinen Allgemeinzustand vor der Überholung sehen. Es folgte die erste Fahrt, die sehr behutsam von statten ging, das Beste kommt nämlich noch: Christi hatte zu dem Zeitpunkt nicht einmal den erforderlichen Führerschein um mich fahren zu dürfen. Dennoch ließ er sich nicht von seinem Traum abbringen. Es vergingen einige Telefonate bis dann endlich die Kuh vom Eis und der Kauf perfekt war. Zur Abholung brachte Christi seine Freundin „Bibbi“ und seinen Sohn Daniel mit. Ich wurde auf einen Anhänger geladen und wir machten uns auf den Weg ins Rheinland, meiner neuen Heimat.

Yamaha SR 500 17

Für den erforderlichen Führerschein brauchte Christi keine vier Wochen. Dann war da aber noch das Problem wie und wo sollte man an mir auch nur eine Schraube drehen wenn dafür kein Platz ist. Also wurde kurzerhand extra für mich eine kleine Werkstatt gebaut. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr raus, sollte es wirklich jemanden geben der mich nach so vielen Jahren so in sein Herz geschlossen hatte? Im Dezember war es dann soweit, sämtliche Teile wurden von mir abgebaut und auf ihren Zustand geprüft. Alles wurde ordentlich aufgelistet und in Kartons verpackt. Der Rahmen und andere Teile gingen zum Sandstrahlen, ein Teil ging zum Verchromen und Polieren. Mein Motor lief vorher wie der berühmte Sack Muscheln und vom Vergaser möchte ich lieber gar nicht erst sprechen. Christi studierte Stunde um Stunde mein Reparaturhandbuch um mich und meine Technik zu verstehen und machte sich dann auf die Suche nach den benötigten Ersatzteilen. Manchmal machte es den Eindruck, dass es mit den Ersatzteilen kein Ende mehr nehmen würde. Als die ersten Teile bei ihm ankamen, sah es unter seinem Bett schnell aus wie im Ersatzteillager. Doch das Ziel rückte näher.

Yamaha SR 500 22

Langsam konnte Christi an meinen Wiederaufbau denken. Wir verbrachten viele Stunden am Abend und am Wochenende gemeinsam. Es ging immer weiter und jede Schraube, war sie auch noch so klein wurde mindestens einmal in seine prüfende Hand genommen. Der Motor wurde eingebaut und angeschlossen, sämtliche Lager für Schwinge, Gabel, Räder ersetzt. Die original Alu-Felgenringe wurden durch VA-Felgen und VA-Speichen ersetzt, das Hinterrad hat jetzt Größe 2.15. Die komplette Bremsanlage wurde überarbeitet, die Sitzbank neu aufgepolstert, um nur einige Dinge zu nennen. Seht Euch die Bilder an, wie schön ich geworden bin. In der ersten Mai Woche 2006 war es endlich soweit, ich bekam ohne Probleme eine neue TÜV Plakette, und der Prüfer ist vor lauter Begeisterung erstmal eine Runde mit mir gefahren.

Yamaha SR 500 21

Von mir wurde dann noch ein Wertgutachten gemacht - man weiß ja nie was passiert und seit der Überholung haben wir bereits 3.000 km zurückgelegt, es gab dabei nur eine kleine Panne (dieHauptdüse zu), aber das kann passieren!

Ich sag Euch, wo wir auch hinkommen gibt es immer lange Hälse und große Augen, und viele Fragen von anderen Bikern die Christi beantwortet. Wir haben auch schon einige aus meiner Verwandtschaft kennen gelernt und freuen uns Sie immer mal wieder zusehen.  Das ich gepflegt werde ist wohl klar, ich bin eben eine Schönheit aus dem Land der aufgehenden Sonne.

Text & Fotos: „Maja“ für Christoph Fleischer

Besonderen Dank geht an dieser Stelle für die stets freundliche Unterstützung an: Bibbi und Daniel, Fahrschule Dieter Gnichtel, Gerd Blater Hürtgenwald, Bernd Antons Polierarbeiten, KEDO GmbH Hamburg Herr Semtner, Köhler Radspannerei Koblenz „Klaus“, PALLAS Oberflächentechnik Aachen.