Haubrich Centaurus Diesel 851

Haubrich Centaurus Diesel 851


Lass dieseln

Noch sind die sich derzeit auf dem Markt befindlichen Dieselmotorräder nicht voll im Trend, doch mit dem Selbstzünder-Bike, zusammengestellt aus Enfield-Komponenten und dem italienischen Ruggerini-Motor, soll sich dies laut Hersteller Udo Haubrich nun ändern.

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Ja, laut ist sie. Dabei ist es weniger das Pöttern des Auspuffs, als vielmehr der nagelnde Sound des italienischen Zweizylinders, der seine selbstzündenden Lebensäußerungen auf den ersten Knopfdruck zur akustischen Schau stellt. Ohne den dämpfenden Flüssigkeitsmantel kann das 20 PS starke luftgekühlte Aggregat nicht mit einer akustischen Tarnkappe aufwarten. Aber wer es gern Dieseln lässt, mag wahrscheinlich auch die dazu gehörige Geräuschkulisse. Haubrich wählte den Ruggerini-Dieselmotor aufgrund seiner bewährten Standfestigkeit aus. Die kompakte Bauweise und die unkomplizierte Peripherie sind weitere wichtige Aspekte für den Einbau dieses Triebwerks in einen Motorradrahmen. Die Vibrationen des Motors lassen das Bike im Stand auf dem Hauptständer tanzen, wenn man kurz am Gasgriff dreht. Das können jedoch auch alte Benziner-Zweizylinder vom Schlage einer Yamaha XS 650 recht gut.

Losdieseln

Bevor ich das Bike durch die schöne Eifel jage, muss ich mich erst einmal an die “verkehrte” Schaltung gewöhnen. Mein rechter Fuß darf nun nicht mehr bremsen, sondern muss zum Losfahren den Schalthebel nach oben bewegen. Der erste Gang ist nach einem kräftigen Zug eingerastet. Kurzes Anfahren mit Leerlaufdrehzahl und schon verlangt der Motor deutlich hörbar nach dem zweiten Gang. Ein beherzter Fußtritt auf den Schalthebel lässt die Vibrationen des Diesels wieder erträglich werden. Schon verlangt er nach dem nächsten Gang. Ab 50 km/h ist die vierte und somit längste Übersetzung angesagt. Gute 125 km/h schafft die Centaurus mit Anlauf auf der Autobahn. Das 195 kg wiegende Zweirad lässt sich dabei leichtfüßig bewegen.

Centaurus 12

Angströhre

In den achtziger Jahren gab es mal ein Flugzeug mit dem Spitznamen “Angströhre”. Beobachter am Flughafen wunderten sich regelmäßig über die leicht lächelnden Gesichter der aussteigenden weiblichen Passagiere, die zumeist im Midlife-Crisis-Alter waren. Grund der Zufriedenheit war in aller Regel das extreme Vibrationsgehabe der Flugzeugmotoren des Metroliners. Als echter Vibrator kommt auch die Centaurus daher. Meine Sozia lächelte ganz zufrieden vor sich hin als ich sie durch die Eifel fuhr. Für intensivere Gefühlsabenteuer ist die Sitzbank dann auf Dauer aber doch zu hart.

Alternative

Als “sinnvolle Alternative zu überzüchteten Hyberbikes” stellt Haubrich sein Dieselmotorrad vor. Doch in der Preisklasse um die 7.000 Euro gibt es zum Beispiel auch einfach gestrickte Individualistenbikes wie die 883 Sportster von Harley-Davidson, die Moto Guzzi Breva oder die auf Oldtimer getrimmte Kawasaki W 650. Allerdings kann sich die Centaurus mit einem konkurrenzlos niedrigen Dieselverbrauch von 2,5 Liter auf 100 Kilometer in Szene setzen. Sogar Biodiesel schlürft sie. Das exklusive Ambiente, das ein Kleinserienbike mit sich bringt, wird sicherlich die “Hyperindividualisten” in ihren Bann ziehen. Die Motorentechnik gilt als unkaputtbar. Mit Schmackes lässt sich das antiquierte Enfield-Fahrwerk, welches sonst den 500er Bulett-Einzylinder trägt, in die Kurven drücken. Doch Vorsicht, nur wer die Centaurus im moderaten Bereich bewegt, wird feststellen, dass das Enfield-Fahrgestell seiner Aufgabe gewachsen ist. Mit viel Vorausschau bremst es sich dann auch besser, denn die indischen Trommelbremsen sind alles andere als zeitgemäß.

Centaurus 02

Zielgruppe

Sicherlich wird sich nicht jeder Otto-Normalbiker für diese Art der Fortbewegung auf zwei Rädern begeistern können. Der will es nämlich in der Regel richtig knallen lassen und hat nichts im Sinn mit der Philosophie “der neuen Langsamkeit”. Da wäre noch das Argument der Sparsamkeit, wo doch die Wirtschaft momentan immer mehr den Bach runter geht und das imageträchtige Bike, sowie das Auto, demnächst vielleicht ob der Steuern nicht mehr zu finanzieren ist. Die Centaurus als kostengünstiges Alltagsfahrzeug würde wohl viele Skeptiker überzeugen. Doch noch sind wir nicht wieder in den wirtschaftlichen Nachkriegszuständen, in denen das billig zu unterhaltende Zweirad das Fortbewegungsmittel Nummer eins war. Als Zielgruppe für die Jetztzeit bieten sich eher die überzeugten Liebhaber des selbstzündenden Motorenkonzepts, welche sich bei der vor drei Jahren angebotenen Enfield Taurus mangels Leistung vom Diesel abwandten. Für Enfield-Importeur Haubrich spielte für die Verwirklichung seines Diesel-Projekts auch eine entscheidende Rolle, dass auf diesem Gebiet wenig Konkurrenz vorhanden ist. Nur eine handvoll engagierter Händler stellten bisher Selbstzünder auf zwei oder auch drei Räder.