MZ BK 350

MZ BK 350


Zwei-Zylinder-Zweitakt-Boxer

Ein guter Bekannter aus der Express-Interessengemeinschaft hatte schon lange Mitleid mit mir, weil ich mit meiner Express Radex 102 gerade so über die 70 km/h kam. Er wollte, dass ich auch einmal mit einem Oldtimer-Motorrad so richtig Gas geben kann. Vor ein paar Wochen hat es dann endlich geklappt und er stellte mir seine MZ BK 350, Baujahr 1957 zur Verfügung.

Da steht sie nun vor mir und ich schaue sie mir erst einmal genau an. BK steht für Boxer Kardan und 350 für 350 ccm Hubraum. Der Motor erinnert mich von der Form her an ein U-Boot. Aber es ist schon eine interessante Motorvariante so ein Zwei-Zylinder-Zweitakt-Boxer. Irgendjemand hat sie im Osten, mehr schlecht als recht, neu lackiert und mit neuen Zündspulen versehen. Die weinrote Lackierung hat es meines Wissens damals ab Werk gegeben. Als Alternative zu Schwarz. Im Gegensatz zu den originalen Zündspulen, die, wie auch die Vergaser, wind- und wassergeschützt im oberen Teil des Motorgehäuses untergebracht sind, sind die neuen mittels Flacheisen an den vorderen Rahmenrohren befestigt. Wahrscheinlich hat es in der ehemaligen DDR keinen Ersatz für die alten Zündspulen gegeben. Ich bin jedenfalls sehr gespannt wie der Motor läuft. Die Reifen sind ebenfalls noch original DDR, Marke Riesa und wahrscheinlich hart wie Beton. Also Vorsicht bei der ersten Fahrt.

Ein paar Tritte

Nachdem es bei den ersten Startversuchen und Probefahrten immer wieder Zündungsprobleme gegeben hat, werden erstmal die Kerzen getauscht. Mit neuen Kerzen und dem gleichen Wärmewert auf beiden Seiten läuft der Motor nun richtig gut und springt auch nach ein paar Tritten zuverlässig an. Erstaunlich ist, dass der Motor schon nach wenigen Momenten rund läuft und man den Choke, der direkt am Motorgehäuse sitzt, rausnehmen kann. Er braucht auch zum Anspringen kein Gas. Lediglich in kaltem Zustand sind die Vergaser per Tupfer zu fluten. Beim Ankicken fällt auch ein weiteres, schönes Detail auf. Da boxermäßig zur Seite hin getreten wird, wurde in diesem Bereich nicht nur ein Gummianschlag für den Hebel, sondern auch ein robuster Gummischutz am Rahmenrohr angebracht, damit der vom Pedal abrutschende Fuß keine Kratzer am Lack verursacht. Echt klasse!

MZ BK 350 01

Ab geht die Post

Jetzt geht es aber endlich los. Mit lautem Krachen lege ich den ersten Gang ein und ab geht die Post. Die anderen Gänge „rutschen“ mit ebenso lautem Krachen, untermalt von Malgeräuschen und lautem Scheppern rein, mein lieber Mann! Zu meiner Beruhigung konnte ich in einer alten Ausgabe von Motorrad Classic nachlesen, dass dies völlig normal ist. Das mit vier Stiftschrauben angeflanschte Zweiwellengetriebe läuft nämlich mit Kurbelwellendrehzahl mit und produziert deswegen beim Schalten die grausamsten Geräusche. Selbst mit viel Übung geht die Schalterei nicht lautlos vonstatten.

MZ BK 350 05

Gute Bremsen

Ansonsten läuft die Kiste echt super. Schon aus niedrigen Drehzahlen schiebt der 13 kW starke Motor nach vorne, so dass laut Tacho ruck, zuck 110 km/h erreicht sind. Das Fahrwerk gibt sich auch, im Vergleich zu meiner Express, sehr gutmütig. Kleinere Bodenunebenheiten und Schlaglöcher, sowie Strassenbahnschienen und Kopfsteinpflaster werden gut glattgebügelt. Nur bei größeren Schlaglöchern kommt die Federung an ihre Grenzen. Ich bin jedenfalls immer zu schnell unterwegs und als eine Ampel dann plötzlich auf Rot springt, bin ich froh, dass die BK zwei wirklich gute Bremsen hat. Diese sind wohlweislich für große Lasten und Seitenwagenbetrieb ausgelegt und ebenso wie das Kardangehäuse aus Elektronguss gefertigt. Echt edel für ein Arbeiter- und Bauernmotorrad.