Kawasaki Z1000

Kawasaki Z1000


Alles Manga oder was?

Kawasaki gestaltete die neue Z1000 bewusst anders. Der eigenwillige Look der Front wurde bewusst gewählt und soll polarisieren. Das hat auf jeden Fall funktioniert. Take it or leave it. Entwender man liebt oder man hasst sie. Egal ob sie nun gefällt oder nicht. Fahrqualitäten bringt die Z1000 auf alle Fälle mit.

Eindruck Z1000

Die Optik darf getrost als extrem bezeichnet werden. Schon die Vorgängerin war nicht gerade zurückhaltend gestylt, die aktuelle Z1000 setzt dem aber noch eine Krone auf. Das Heck sehr clean und hoch, die Front geduckt, die Scheinwerfermaske so tief als möglich montiert. Böse Zungen meinen die Scheinwerfer seien so tief, man verwechselt die Front fast mit einem Roller. Wir meinen: wenn ab sofort alle Roller so rüber kommen wie die neue Z, dann satteln wir auf Scooter um. Uns hat die Z1000 jedenfalls trotz anfänglicher Skepsis immer besser gefallen. Gerade weil Kawasaki hier mutig einen anderen Weg beschreitet.

Kawasaki Z1000 2014 05

Der Charakter der Maschine bleibt weitgehend erhalten. Die Ergonomie passt, auch wenn sich ein paar Kleinigkeiten zur Vorgängerin verändert haben. So sitzt der Fahrer ein ganzes Stück näher am Lenker. Dieser ist etwas tiefer platziert wodurch sich eine leicht sportlichere Haltung als bisher ergibt. Leider entrücken die sehr tief platzierten Instrumente dem Blick dadurch noch ein Stücke mehr. Wer die gesammelte Information ablesen möchte, riskiert im wahrsten Sinne einen Blick. Die Ablesbarkeit geht grundsätzlich in Ordnung, lediglich die Drehzahl ist nicht wirklich einfach ablesbar. Bis 3.000 Umdrehungen als Balken im Display abgebildet, ab 4.000 Umdrehungen als „Leucht-Linie“ überhalb der Instrumente. Positiv: die starr montierten Spiegel mit innen verstellbarer Scheibe lassen eine recht gute Sicht nach hinten zu. Die insgesamt 4 LED-Scheinwerfer brennen sehr hell. Die inneren beiden sind für Abblendlicht, die äußeren für Fernlicht zuständig. Ob dies tatsächlich für gute Sicht bei Nacht reicht, müssen wir in einem ausführlicheren Test bei Nachtfahrt klären.

Motor Kawasaki Z1000

Man kann es im Grunde genommen kurz und knapp auf den Punkt bringen: 4-Zylinder-Bulle. Und der bullige Charakter wurde noch einmal verstärkt. Ziel des Aufwandes: mehr Power und direkteren Antritt. Die Mission darf als erfüllt gewertet werden. Wohliger Effekt ganz nebenbei. Die Airbox wurde für besseren Sound ordentlich durchlöchtert. Die Z1000 dankt dies mit herrlichem Röcheln bei der Beschleunigung. Einen guten Teil der Anpassung betrifft das Getriebe. Die Abstufung der Gänge 1 bis 5 bleibt unverändert, Gang 6 ist etwas länger übersetzt. Da jedoch gleichzeitig die Sekundärübersetzung ein wenig gekürzt wurde, bleibt das Niveau im 6. annähernd gleich, die Stufen 1 bis 5 profitieren jedoch von der kurzen Endübersetzung. Im Klartext: bis Gang 5 hängt die Kawasaki noch direkter am Gas, die Fahrstufe 6 sorgt dennoch weiterhin für fulminanten Durchzug aus allertiefsten Drehzahllagen. Deshalb spielt es eigentlich auch überhaupt keine Rolle ob sich die Drehzahl nun gut oder nicht gut ablesen lässt. Denn es gibt nahezu keinen Drehzahlbereich in dem sich der Reihenvierer nicht wohl fühlt.

Kawasaki Z1000 2014 09

Der druckvolle Antritt bei niedrigsten Drehzahlen ist und bleibt die Domäne der Z1000. Ab Standgas drückt der Reihenvierer die Fuhre unbarmherzig nach vorne, kennt kein Verschlucken oder sonstiges Rumgezicke. Sondern macht genau das was der Fahrer will. Schaltfaules Fahren definiert der Kawa-1000er immer wieder aufs Neue. Da spielt die Spitzenleistung fast eine Nebenrolle. Wobei 142 PS ja mal keine Kleinigkeit sind. Und wer die Z1000 mal Richtung Nenndrehzahl von 10.000 Umdrehungen jagt, wird nicht ein Pferdchen vermissen. Ansonsten drücken die Newtonmeter die Tinte auf den Füller. 111 davon liegen maximal bei 7.300 Umdrehung an. Gefühlt 110 über den gesamten Drehzahlbereich. Was uns etwas verwunderte, ist die Tatsache dass die neue Z1000 ohne Traktionskontrolle kommt. Zumal die frisch renovierte Z1000SX damit dienen kann. Laut Kawasaki legt die Zielgruppe keinen großen Wert darauf. Laut unseren Vermutungen hebt man sich die Traktionskontrolle für das Facelift auf. Wirklich vermisst haben wir es bei den Testfahrten jedenfalls nicht.

Kawasaki Z1000 2014 14

Fahreindrücke Z1000

Die Sitzposition ist angenehm tief, man sitzt gefühlt im und nicht auf dem Motorrad. Der breite Lenker kommt einem recht nah, was dem Handling entgegenkommt. Mit 221 kg vollgetankt ist die Z1000 nicht gerade eine Ballerina, eher eine muskulöse Sprinterin. Also nicht besonders leicht, aber von einem ungelenken Metallklotz meilenweit entfernt. Schon auf den ersten Metern zieht einen die Z1000 in ihren Bann. Keine Spur mehr von gefällt mir oder gefällt mir nicht, sondern eine Fahrmaschine erster Wahl. Entspannte und doch ausreichend sportliche Sitzposition, stabiles Fahrwerk und diese Bär von einem Motor. Eingewöhnungszeit? Quasi nicht vorhanden. Draufsetzen, losfahren und Spaß haben. Das Fahrwerk ist voll einstellbar, tendiert grundsätzlich in Richtung sportlich straffe Abstimmung. Wer möchte kann ohne großen Aufwand seine persönlich favorisierte Einstellung austesten.

Kawasaki Z1000 2014 02

Oben auf der Gabel verstellt man links die Federbasis und rechts die Druck- und Zugstufendämpfung. Am Hinterrad lassen sich Federbasis und Zugstufendämpfung anpassen. Die Testmotorräder waren sehr sportlich eingestellt, ließen sich per Schraubenzieher in wenigen Minuten auf die gewünschte Komfortrate ändern. Danach war Fahrspaß pur angesagt. Auf winkeligen und teilweise recht welligen Straßen ging es bei Sevilla ins Hinterland. Die Z1000 hat dies nicht aus der Ruhe gebracht. Im Vergleich zur Vorgängerin fährt sich die Kawa tatsächlich spürbar handlicher, lenkt williger ein und lässt sich leichter in Schräglage bringen. Erst wenn man ganz tief abtauchen möchte, verlangt die Z etwas Nachdruck. Ein echtes Manko ist dagegen die deutliche Aufstellneigung beim Bremsen. Dies könnte aber auch an der serienmäßigen Dunlop-Bereifung liegen und kann daher nicht final beantwortet werden.

Kawasaki Z1000 2014 03