Yamaha MT-07

Yamaha MT-07


Erstklassiger Fahrspaß für die Mittelklasse

Yamahas nächster Aufschlag heißt MT-07 und macht mit toller Optik, neuem Motor und easy Handling ein Riesenvergnügen. Yamaha komplettiert nach und nach seine eigenständige MT-Familie mit appetitlichen Neuheiten. Seit dem Herbst vergangenen Jahres gibt es die dreizy-lindrige MT-09, die laut Yamaha bis zum August 2014 bereits ausverkauft ist, und jetzt holen die Japaner mit der neuen MT-07 zum nächsten Schlag in der Mittelklasse aus.

Der frische Landstraßenroadster wird nicht zuletzt wegen des unverschämt günstigen Preises von 5995 Euro für die ABS-Version (5.495 Euro ohne) für mächtig Furore sorgen. Dabei ist die MT-07 kein Motorrad, dem man eine kostengünstige Produktion ansieht, im Gegenteil: Von weitem macht die langgestreckte, flache Silhouette einen ausgewachsenen, richtig sportlichen Eindruck. Das formschöne LED-Rücklicht und die technisch verspielte Seitenansicht mit dem unter dem Motor auf der rechten Fahrzeugseite hervorlugenden Schalldämpfer fügen sich prima in das Gesamtbild eines wertigen Zweirades ein. Viele sichtbare Technikdetails wie das schicke Krümmergeschlängel und die am Motor zur Schau gestellten Schraubverbindungen machen technikaffine Zweiradfreunde an. Das schmale, gut ablesbare LCD-Instrument oberhalb des Lenkers bietet zahlreiche Funktionen – unter anderem wird der aktuelle und der Durchschnittsverbrauch sowie der eingelegte Gang angezeigt – und unterstreicht beim Blick aus dem Kommandostand nach vorn diesen Eindruck.

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Andererseits macht die MT-07 beim Aufsitzen mit ihrer extrem schmalen Taille und der niedrigen Polsterhöhe von 805 Millimeter auf Anhieb einen sehr gut beherrschbaren Eindruck, selbst Kleingewachsene sollten kein Problem mit beidbeinigem Bodenkontakt haben. Der schmale und vergleichsweise hoch montierte Lenker trägt zum guten Gefühl der Kontrolle bei und erlaubt eine vergleichsweise aufrechte Haltung. Entspannt hockt der Pilot auf der Sitzbank und genießt eine angenehme Geräumigkeit, die Beine finden guten Knieschluss an den Tank und ruhen mit entspannten Winkeln auf den Rasten – dieses Motorrad verströmt auf Anhieb den Eindruck, alles leicht zu machen.

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Ein Druck auf den Anlasser erweckt den neu entwickelten Reihenzweizylinder mit 689 cm3 Hubraum zum Leben, brav und sehr dezent brabbelt der flüssigkeitsgekühlte Vierventiler unter dem Fahrer. Vom Anfahren weg begeistert der sehr kompakt gebaute Twin mit einem saftigen Drehmoment und einem breiten nutzbaren Drehzahlband, das bis weit über die 7000er Marke reicht. Diese Charakteristik erlaubt es, engagiert oder beschaulich unterwegs zu sein, ohne etwas zu vermissen: Mit maximal 75 PS bei 9.000/min und einem Drehmomentmaximum von 68 Newtonmetern, das bei 6500 Touren anliegt, ist der MT-Treiber für alle Anforderungen in der Stadt wie über Land gleichermaßen gewappnet. Für Führerschein-A2-Kandidaten halten die Händler einen 35-kW-Umrüstsatz von Alphatechnik bereit, der die Leistung per Drosselklappenanschlag begrenzt. 

Der gut spür- und kontrollierbare Druck nach Manier eines kleinen Vau-Zwo-Motors geht auf den 270 Grad Hubzapfenversatz der Kurbelwelle zurück, der auch für ein sonores Motorengeräusch bei zurückhaltender Lautstärke sorgt. Beim Fahrer selbst kommt die Auspuffnote deutlich kräftiger an als beim Publikum. Eine leichte Ausgleichswelle hält bis zum oberen Drehzahlende – die Redline liegt bei 9900 Touren an – lästige Vibrationen im Zaum, für einen Reihenzweizylinder läuft das MT-Triebwerk sehr kultiviert – und durchaus sparsam: Für die mitunter engagiert gefahrene Testrunde zeigte der Onboard-Computer einen Durchschnittsverbrauch von knapp fünf Litern an.

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Während die meisten Testexemplare hierbei durchweg sehr gut funktionierten, zeigten einige wenige MT-Modelle einen bisweilen harten Leistungseinsatz der Einspritzanlage nach längerer Rollphase. Manchmal ließ sich das Sechsganggetriebe gerade bei niedrigeren Drehzahlen nicht immer reibungslos schalten, hier war ein gewisser Nachdruck erforderlich. Offensichtlich machte sich eine Serienstreuung bemerkbar.

Ungetrübte Freude macht die MT-07 durch ihr leichtfüßiges, fast intuitives Handling. Fast wie ein Fahrrad klappt die nur 179 Kilogramm leichte Yamaha – in der ABS-Version packt sie noch drei zu vernachlässigende Kilos drauf – in jede Kurve und biegt nach Fahrerwunsch in die Ecke. Neutral und präzise fährt sie auf der eingeschlagenen Bahn und macht gerade ungeübten Fahrern mit ihrer freundlichen und transparenten Natur einen Heidenspaß. Mit der Gewichtsverteilung von 49 Prozent auf der Vorderhand gegenüber 51 hinten stärkt sie traditionelle Fahrverhaltensmuster. Stabilitätseinbußen muss niemand befürchten, denn der über verschiedene Wandstärken optimierte Stahl-Brückenrahmen und die formschöne Zweiarm-Stahlschwinge sorgen für tadellosen Geradeauslauf unter allen Bedingungen. Nur besonders versierte Tester werden die minimale Aufstelltendenz spüren, die vom vergleichsweise breiten 180er-Hinterreifen auf Bodenwellen in Schräglage ausgeht.

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Dabei stellen die Federelemente – eine nicht einstellbare 41er Gabel und das horizontal unter der Sitzbank verlegte, lediglich in der Vorspannung einstellbare Federbein – einen sehr guten Fahrkomfort bereit, der schon kleinere Unebenheiten prima herausfiltert und erst bei derben Schlaglöchern die großzügig dimensionierten Federwege bis zum Anschlag aufzehrt. Beim forcierten Kurvenwetzen mit kratzenden Rasten beginnen Front wie Heck zu pumpen und entlarven die auf viel Komfort ausgelegte softe Dämpfung, doch für solche Gangarten suchen sich Ambitionierte ohnehin andere Modelle. Entsprechend dem unkomplizierten Einsatzzweck und dem angepeilten Käuferkreis ist die Bremsanlage ziemlich defensiv ausgelegt. Für gute Verzögerung muss am löblicherweise fünffach einstellbaren Handbremshebel schon sehr kräftig gezogen werden, der hintere Stopper agiert da kräftiger und neigt deutlich früher zum Blockieren. Eine Empfehlung ist sicherlich das ABS, das zwar 500 Euro mehr kostet, aber noch gedankenloser in die Tasten greifen lässt.