Ducati Monster 1200 S

Ducati Monster 1200 S


Monstermäßig abgefahren

Mein Gott ist das Kind groß geworden. Diesen Satz haben wir wohl schon alle gehört. Und er gilt auch für die Monster 1200 S, vergleicht man sie mit ihrer Urahnin die vor 21 Jahren den Markt betrat. In nahezu allen Belangen legte Ducatis Nacktmonster zu. Die Leistung annähernd verdoppelt, in die Länge und in die Breite gewachsen. Und ist im Großen und Ganzen dabei doch schlank geblieben. Ihre Erbauer haben die Monster 1200 heftig in die Muckibude geschickt und lassen sie in der S-Version mit mächtigen 145 Pferden von der Leine. Wir durften es er-fahren.

Die Monster hat schon immer fasziniert. Auch wenn man keine hatte oder wollte, begehrenswert war sie immer. Und wie es halt so mit Diven ist, pflegte sie so ihre Eigenarten. Aber genau die machten sie so individuell, so einzigartig. Genau dies liebten und lieben die Fans an ihr. Kein leichtes Erbe also. Immerhin findet hier eine Ikone ihre Fortsetzung. Und eine schöne und gleichzeitig perfekte Monster würden sicher viele mögen – aber ob sie sie auch lieben würden? Ducati setzte sich zum Ziel die typische Monsterlinie zu erhalten, das Motorrad im Alltag deutlich fahrbarer zu machen und dabei dennoch den Charakter zu erhalten. Was mit fahrbarer gemeint ist, merkt man schon bei der ersten Sitzprobe. Der Fahrersitz ist breit und ausgesprochen komfortabel, integriert den Sitzenden wunderbar in die Maschine. Zudem ist er serienmäßig höhenverstellbar. Nutzt man noch die optional höher bzw. niedriger gepolsterten Sitzmöbel, kann man die Sitzhöhe zwischen 745 und 830 mm variieren. Der Lenker wurde um heftige 40 mm höher angebracht, was den Fahrer aufrechter und wesentlich komfortabler sitzen lässt. Dazu ist die Alustange sehr breit, was dem Handling entgegenkommt.

Ducati Monster 1200 S 07

Alles in allem kein Vergleich zur Vorgängerin, die deutlich mehr Kompromisse von der Besatzung verlangte. Eine Ducati-Eigenheit hat jedoch auch die Monster 1200 nicht abgelegt. Auch auf ihr finden die Füße wenig Platz. Speziell auf der rechten Seite nimmt man mit der Ferse ständig Kontakt zum Auspuff aus. Fahrer mit großen Füßen müssen diese weit nach unten strecken, was bei tiefer Schräglage für häufige Kontaktaufnahme zwischen Stiefelspitze und Asphalt sorgt. Davon abgesehen: Tutto Bene! Wirklich gelungen ist das Dashboard, also das TFT-Instrument. Es lässt sich auch bei starker Sonneneinstrahlung hervorragend ablesen und bietet dem Spielwütigen mannigfaltige Möglichkeiten sich aus zu toben. Jeder Fahrmodus hat eine eigene Anzeige, die für die jeweilige Fahrsituation die – nach Ansicht von Ducati – optimalen Informationen bereithält. Wer Zeit, Muße und Verständnis aufbringt, kann jedoch die Anzeigen selbst konfigurieren. Das einzige was uns übrigens fehlt, ist eine Ganganzeige – die gibt es schlichtweg nicht.

Ducati Monster 1200 S 10

Die Monster 1200 S ist auch in Sachen Sicherheit gut ausgestattet. Das Bosch-ABS ist in 3 Stufen einstellbar. Level 1 ist die sportlichste Einstellung. Hier gibt es keine Stoppie-Verhinderung, Level 2 lässt das Heck leicht nach oben, greift dann aber ein. Level 3 bietet volle Sicherheit und hält das Heck am Boden. Ähnlich ist es mit der 8-stufigen (!) Traktionskontrolle. Stufe 1 lässt viel Schlupf zu, Stufe 8 so gut wie keinen. Alles einzeln einstell- und konfigurierbar. Ob dies in Realität wirklich jemand tut, darf man bezweifeln. Denn die 3 Riding-Modes bieten für den Straßeneinsatz im Grunde alles was man braucht. Sport mit voller Leistung, aggressiver Gasannahme sowie sportlichem ABS und Schlupf. Touring ebenfalls mit voller Leistung, sanfterer (und alltagstauglicherer) Gasannahme, weniger Schlupf und ABS-Level 2. Urban mit voller Traktionskontrolle und ABS 3 und reduziert auf 100 PS. Im Unterschied zur „normalen“ Monster 1200 ist die S mit edlerer Ausstattung und mehr Leistung gesegnet. Das Plus von 10 PS basiert auf einem anderen Mapping. Das vordere Schutzblech ist aus Carbon gefertigt, es ist ein komplett einstellbares Öhlins-Fahrwerk verbaut, die Gabel ist golden, die Auspufftöpfe schwarz und die Felgen edler. Die Bremsanlage der S stammt von der Panigale und glänzt mit größeren Scheibendurchmessern. Während die Monster 1200 nur in rot erhältlich gibt, hat man bei der S die Wahl zwischen rot und weiß. Der ganze Spaß kostet im Falle der Monster 1200 S insgesamt 15.990 Euro. Kein Sonderangebot. Zumal eine 1290 Super Duke R mit deutlich mehr Power noch knappe 500 Silberlinge günstiger ist. Spart man sich bei der Duc 10 Pferde und das S, ist man mit 13.490 Euro dabei. 

Fahreindrücke Monster 1200 S

Wenn man am Ende des Tages mit einem fetten Grinsen vom Hobel steigt, hat der Hersteller ziemlich viel richtig gemacht. Im Falle der Monster 1200 definitiv. Das schöne dabei: sie behält sich gerade noch ein solches Maß an altbekannten Eigenheiten vor, dass sie weiterhin als geliebte Diva durchgeht. Kein weichgespültes, rundgelutschtes, antiseptisches Supermodel, sondern eine Schönheit mit Ecken und Kanten an denen man sich reiben kann. Beispiel gefällig? Der 1100er-Antrieb war ein echter V2 von altem Schrot und Korn. Unter 3.500 Umdrehung nicht zu gebrauchen, besser noch ab 4.000 ordentliche Arbeit erwarten. Darunter gab es von Geruckel bis Hackerei auf Kette und das Gemüt des Fahrers das volle Programm. Das 1200er Testastretta-Derivat ist da deutlich umgänglicher. Ab 2.000 U/Min geht er ordentlich zur Sache und schiebt gut an. Ab 4.000 zündet er den Nachbrenner und schießt die Monster bis zur Nenndrehzahl katapult-artig Richtung Horizont. Ein säuseliger Geselle ist der V2 dennoch beileibe nicht. Es schüttelt und rüttelt im Gebälk, hier ist das Prinzip Verbrennungsmotor noch stets spürbar. Aber nie lästig. Quasi wie in der Schokoriegelwerbung. Ducati hat der Diva ein Snickers verpasst – und schon ist die wieder verträglich. Für die Straße reicht übrigens der Touring-Modus locker aus. Die volle Leistung bei wunderbar weichem und gut dosierbarem Gaseinsatz. Wer im 2. mit Schmackes aus der Kurve beschleunigt, spürt dennoch wie die Duc das Vorderrad leicht lupft. Das Getriebe passt sich da gut ein. Die Bedienung ist mitunter etwas hakelig und verlangt Konzentration, arbeitet dafür aber zuverlässig. Schaltgeräusche sind angenehmerweise nicht zu vernehmen.

Ducati Monster 1200 S 03

Sahnestück ist aber in jedem Fall das Fahrwerk. Die ultrasteife Rahmenkonstruktion in die der Motor als tragendes Element integriert ist, lässt Bewegungen nur da zu wo sie hingehören: in die Federelemente. Das Öhlins seinen Job versteht, ist auf der Monster S jederzeit erfahrbar. Man spürt das Fahrwerk (und nicht das Motorrad) regelrecht Arbeiten und auf welligem Geläuf den Bodenkontakt halten. Nicht weil es bockig oder bretthart ist. Im Gegenteil. In Schräglage auf Straßen 2. Ordnung fühlt man regelrecht wie die Monster die Wellen wegsteckt ohne zu pumpen oder die Unebenheiten an den Fahrer weiter zu geben. Sehr beeindruckend. Mit waren hauptsächlich im Touring-Modus unterwegs und hatten keinen Grund zur Klage. Gerade langgezogene Kurven waren ein echter Genuss. In tiefer Schräglage durch und früh wieder ans Gas. Der V2 drückt Fahrer und Maschine aus der Biegung und bollert dabei den typischen Ducati-V2-Sound. Dank Traktionskontrolle und dem sehr guten Grip der Pirelli Diablo Rosso 11 hält die Duc auch bei heftiger Beschleunigung stabil den Kurs.

Ducati Monster 1200 S 04

Wieselflink waren die Monster noch nie, sind sie auch im Falle der 1200er nicht. Die Diva lässt sich zwar sehr präzise um die Ecken zirkeln und einfach einlenken, will aber mit Nachdruck in Schräglage gebracht werden. Obwohl sie mit 209 Kilo vollgetankt kein Schwergewicht ist. Aber wir jammern auf hohem Niveau, denn die Duc ist eine echte Spaßmaschine. Einen großen Anteil daran hat die wirklich bequeme Fahrerunterbringung. Tiefe Sitzmulden fixieren den Fahrer häufig auf dem Motorrad. Nicht so bei der Monster. Der breite Sitz integriert den Fahrer sehr gut in die Maschine und lässt ihm dennoch große Bewegungsfreiheit. So passt es von Eins Siebzig bis Eins Neunzig. Die Brembos stoppen hervorragend, allerdings nicht ganz so brachial und präzise wie erwartet.