Fahrbericht Yamaha XT1200ZE Super Ténéré

Fahrbericht Yamaha XT1200ZE Super Ténéré


Das Abenteuer ist überall

Mit der 2010 erstmals vorgestellten Reise-Enduro XT1200Z wollte Yamaha dem BMW-Bestseller R 1200 GS Paroli bieten. Das ist damals nicht wirklich gelungen. Mit der neuen XT1200ZE mit elektronisch einstellbaren Federelementen und zahlreichen Detailverbesserungen haben die Japaner nun aber gute Chancen, den Abstand zum Marktführer bei den Reise-Enduros deutlich zu verringern.

Lust auf Abenteuer?  Für welches Motorrad-Abenteuer würden Sie sich entscheiden? Mit der Groß-Enduro durch die Wüste? Mit dem Langstrecken-Tourer einmal um die Welt? Oder mit dem Urban-Bike kreuz und quer durch eine der italienischen Chaos-Metropolen? Yamaha hat sich bei der Vorstellung seines neuen Adventure-Bikes XT1200ZE Super Ténéré  für die italienische Variante entschieden. Aus Angst vor dem Albtraum Neapel durften die europäischen Pressevertreter dann doch etwas weiter südlich an der quirligen, mit Kurven übersäten Amalfi-Küste mit der Super Ténéré auf Tour gehen. Wer italienische Verkehrsgepflogenheiten kennt, weiß, dass selbst das zum abenteuerlichen Überlebenstrip avancieren kann.

Also raus aus der Kuschelecke und rauf auf das erstmals 2010 vorgestellte und jetzt kräftig überarbeitete Yamaha-Gegenstück zum BMW-Bestseller R 1200 GS. Dabei wurde der japanische Hersteller nicht müde zu betonen, dass die Super Ténéré im Gegensatz zu manchen Mitbewerbern als echte Fernreise-Enduro für den Offroad-Einsatz entwickelt wurde. Mittlerweile scheint man aber zu der Erkenntnis gekommen zu sein, dass das Abenteuer nicht alleine in der Wüste stattfindet.

Yamaha Super Ténéré ZE-07

Die neue XT1200ZE setzt nämlich auf eine größere Bandbreite, sucht das Abenteuer im Großstadtdschungel ebenso wie auf kurvigen Asphaltstraßen und während der beschaulichen Urlaubsreise. Dafür haben die Entwickler jede Menge Detailarbeit geleistet. Angefangen beim flüssigkeitsgekühlten Vierventil-Parallel-Twin mit 1199 cm3 Hubraum, der dank zahlreicher Modifikationen wie z.B. größere Einlass- und Auslassventile, überarbeitete Nockenwellen und Kolbenringe und einer neuen Auspuffanlage mit jetzt 112 PS nicht nur 2 PS mehr Leistung besitzt als das Vorgängermodell, gleichzeitig auch das in der Vergangenheit kritisierte, nervige Motorgeräusch bei niedrigen Drehzahlen beseitigt. Der Antriebsstrang verfügt zudem über einen neuen Gummidämpfer in der Kupplungseinheit, zusätzlich wurde die Dämpfer-Auslegung zwischen Motor und Kardanwelle optimiert.

Die Veränderungen am Motor führen in Verbindung mit einem Update des Mapping zu einer deutlichen Spreizung der beiden über einen Schalter am rechten Lenker programmierbaren Fahrmodi „Touring” und „Sport”. Besonders auffällig wird dies beim Durchschlängeln im Stadtverkehr von Sorrento, wenn der Fahrer ständig zwischen erstem und zweitem Gang hin- und herschalten und mit dem Gasgriff „spielen” muss. Während im Sport-Modus die Gasannahme bei niedriger Drehzahl in solchen Situationen sehr direkt ist und lästige Lastwechselreaktionen hervorruft, gewinnt man im T-Modus das Gefühl, völlig entspannt an den Fiats, Apes und Alfas vorbei zu gleiten. Hat man erst einmal freie Fahrt  aufgenommen und die Drehzahl bewegt sich im mittleren bis höheren Bereich, dann schiebt der Motor die 265 kg schwere Reiseenduro druckvoll vorwärts.

Yamaha Super Ténéré ZE-10

Ein ähnliches Erlebnis hat der Fahrer auf den Serpentinen hinauf zum Monte Faito. Im T-Modus fühlt sich die Super Ténéré zwischen dem 2. und 3. Gang sanfter in der Gasannahme und leichter manövrierbar an. Auf den flüssigeren Kurven-Passagen zwischen Amalfi und Positano passt dagegen die Sport-Einstellung ideal und lädt zur fahraktiven Kurvenhatz ein. Bei reiner Asphalt-Fahrt wollte es Yamaha bei der Präsentation nicht belassen. Die letzten Kilometer zum Monte Faito führen zunächst über eine aus tiefen Rinnen bestehende Schlaglochpiste, dann über eine grobe Schotterstrecke. Hier ist man wieder mit dem Sportmodus bestens bedient, die dreistufige Traktionskontrolle lässt sich für die Offroad-Passagen deaktivieren. Die Yamaha gleitet unbeeindruckt über die Bodenwellen und Unebenheiten hinweg. Der neue, weniger stark gekröpfte Alu-Lenker liegt dabei sehr gut in der Hand und sorgt für eine verbesserte Rückmeldung des Vorderrades. Die aufrechte Sitzposition verstärkt zudem das sichere Fahrgefühl. 

Neben den Verbesserungen am Antrieb weist die 2014er-Großenduro zahlreiche praktische Neuerungen auf: Zum Beispiel ein in vier Stufen ohne Werkzeug per Hand verstellbares Windschild mit Navihalter-Vorbereitung, eine Cruise-Control für entspanntes Langstreckenfahren auf der Autobahn, im Cockpit ein wesentlich größeres Digital-Display inklusive Ganganzeige, schicke LED-Lichter als Blinker und Rücklicht sowie einen Seitenständer aus geschmiedetem Aluminium, der jetzt wesentlich einfacher zu erreichen ist als beim Vorgängermodell. Außerdem verspricht er mehr Stabilität beim Laternenparken.

Yamaha Super Ténéré ZE-01

Die eigentliche Neuerung der XT1200ZE gegenüber der bisherigen Standard-Ténéré XT1200Z sind die elektronisch einstellbaren Federelemente, die sich vom Fahrer selbst während der Fahrt justieren lassen. Das System wird über einen Multifunktionsschalter am Lenker gesteuert. Die Federvorspannung lässt sich in vier Stufen variieren, je nachdem ob man alleine, mit Sozius, mit oder ohne Gepäck unterwegs ist. Darüber hinaus hat der Fahrer die Wahl zwischen den drei Dämpfungsstufen „Hart”, „Standard” und „Soft”. Inklusive weiterer sieben Einstellungsvarianten stehen so insgesamt 84 Setup-Möglichkeiten zur Wahl. Die wird man eher selten nutzen, denn bereits in der vorgegebenen Standardeinstellung bieten die Kayaba-Gabel und das einzelne Kayaba-Zentralfederbein jede Menge Fahrkomfort. Die Dämpfer schlucken selbst die gröbsten Schlaglöcher abseits der Piste, ohne dass Unruhe ins Fahrwerk kommt oder die Bandscheibe in Mitleidenschaft gerät. 

Zurück auf dem Asphalt umkurvt die Super Ténéré geradezu leichtfüßig Lieferwagen und Pkw, die in den schmalen Ortsdurchfahrten an der Küste im Weg stehen. Lenkbefehle werden spontan und gleichmäßig umgesetzt. Der Wendekreis ist für ein Motorrad mit einem üppigen Radstand von 1540 mm erstaunlich gering.

Yamaha Super Ténéré ZE-06

Ins positive Bild passt das Bremssystem aus zwei Scheibenbremsen im Wave-Design vorne und einer hinten, unterstützt von einem serienmäßigen Integral-ABS und der bereits erwähnten dreistufigen Traktionskontrolle.

15.295 Euro verlangt Yamaha für die neue XT1200ZE (1000 Euro mehr als für die Standard-XT), dafür gibt es neben den elektronisch einstellbaren Federelementen auch noch eine Aufbockhilfe, eine Vorbereitung fürs Topcase, einen Hauptständer und beheizbare Lenkergriffe. So ausgestattet kann das nächste Abenteuer ruhig kommen, egal ob in der Wüste oder an der Küste. Mit der Super Ténéré ist man auf alle Unwegbarkeiten bestens vorbereitet.  

Text: Norbert Meiszies 

Bilder: Yamaha

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