Ducati Diavel Carbon

Ducati Diavel Carbon


Sympathy for the Devil

Ducati überarbeitet sein sprichwörtlich teuflischstes Werk: die Diavel. Der Bologneser Teufel passt nicht wirklich in eine Schublade. Layout und 240er Hinterrad-Walze sprechen für einen Cruiser. Die Leistung und mögliche Performance wiederrum nicht. Denn bei der Diavel geht so richtig was. Wo anderen Powercruisern entweder der dicke Hintern im Weg steht, die Schräglage ausgeht oder im schlimmsten Fall beides zutrifft, zirkelt die Ducati noch locker flockig ums Eck. Und dreht der fahrtechnisch im Grunde genommen nicht vorhandenen Konkurrenz eine lange Nase.

Laut Ducati machen mannigfaltige Anpassungen und Änderungen die Diavel noch besser. Im Wesentlichen fallen 2 Dinge auf. Vorne strahlt jetzt ein LED-Scheinwerfer und der Auspuff kommt mit geschwungenen Enden daher. Auch der Blick auf die technischen Daten gibt nicht viel her, an den Eckdaten hat sich nicht wirklich etwas geändert. Dennoch haben die Herren aus Bologna etwas geschraubt. Zielsetzung war mehr Alltagstauglichkeit und Komfort bei gleichbleibend spektakulärer Performance. Vor allem im untersten Drehzahlbereich sollte die Diavel mehr Manieren an den Tag legen und damit an Fahrbarkeit gewinnen. Leistungs- und Drehmomentkurve gipfeln zwar bei den gleichen Spitzenwerten wie bisher, allerdings steht im Vergleich zur Vorgängerin bei gleicher Drehzahl mehr Power zur Verfügung. Der Testastretta V2 bringt es also weiterhin auf 162 italienische Hengste und stemmt ein Drehmoment von 130 NM. Arg viel zu schleppen hat die Diavel nicht. Für einen Powercruiser ist sie mit 239 Kilo ein wahrer Asket. Die Diavel Carbon bringt Dank Leichtbauteile sogar noch 5 Kilo weniger auf die Waage. Dass weniger mehr ist, zeigt sich dann beim Preis. Die Basis Diavel schlägt mit 17.490 Euro zu Buche. Sie ist lediglich in Mattschwarz zu haben, was weder auf den ersten noch auf den zweiten Blick wirklich toll aussieht. Die Diavel Carbon macht da optisch deutlich mehr her. Sie ist mit Matt-Carbon und wahlweise rotem Rahmen und Farbelementen oder weißem Rahmen nebst selbigen Elementen zu bekommen. Dazu sind die Endtöpfe nicht Schwarz lackiert, sondern metallisch gebürstet. Dazu kommen noch edlere 9-Speichen-Felgen und eben diverse Carbonteile. Hat insgesamt seinen Preis: 20.900 Euro muss man für die Carbon berappen.

Ducati Diavel Carbon 07

Egal ob Basis oder Carbon – die Diavel ist eine Fahr-Maschine mit deutlicher Betonung auf Maschine geblieben. Sie fährt sich tatsächlich etwas sanfter, wirkt nicht mehr so brüllend laut und ist dabei dennoch so herrlich einzigartig. Der Fahrer sitzt weiterhin bestens in die Maschine integriert. In der breiten Sitzmulde findet auch ein dicker Hintern Platz, der Oberkörper ist angenehm aufrecht, der Kniewinkel ist entspannt. Die Bedienung ist weiterhin eigen, aber nach kurzer Eingewöhnung weitgehend intuitiv. Der Fahrzeugschlüssel kann in der Hosentasche bleiben. Die Zündung wird über den Kill-Schieber aktiviert, der Startknopf liegt direkt darunter. Wie schon in der Vergangenheit hat dies das eine oder andere mal auch nicht so wie gewünscht funktioniert. Die unterschiedlichen Fahrmodi wählt man über den Knopf auf dem Blinkerschalter aus. Drücken und kurz halten, schon ist man im Menü. Die Modi bleiben wie gehabt: Sport mit voller Leistung in Verbindung mit sehr direkter Gasannahme und zurückhaltender Traktionskontrolle, Touring mit allen Pferden bei weicherem Einsatz und früherem Einsatz der Schlupfregelung und Urban mit „nur“ 100 Pferden und konservativ agierender Traktionskontrolle.

Ducati Diavel Carbon 11

Ob einem die Diavel nun gefällt oder nicht – sie zieht einen in ihren Bann. Ein Machobike erster Güte, nix für zurückhaltende Naturen. Mit einem ganz eigenen Coolness-Faktor. Irgendwo zwischen Cruiser und Drag-Bike. Bequem und lässig - bei Bedarf das ultimative Fahrer-Katapult. Die Diavel lässt andere Powercruiser tatsächlich alt aussehen. Ein V-Rod degradiert sie zum braven Softchopper, eine V-Max zum barocken Tourencruiser. Die Überarbeitung hat man tatsächlich an den entscheidenden Stellen vorgenommen. Im Drehzahlkeller nochmal ein kleines Plus an Manieren macht den täglichen Umgang leichter. Der Sound immer noch elektrisierend, aber nicht mehr so brüllend laut wie bisher. Der konnte einem nach gewisser Zeit nämlich mächtig auf die Nerven gehen. Ansonsten alles wie gehabt. Ein Handlingwunder ist die Diavel auch nach der Modellpflege nicht. Der Teufel will kräftig bei den Hörnern gepackt werden, legt dann aber eine Stabilität und Präzision an den Tag die in dieser Klasse einmalig ist.

Ducati Diavel Carbon 03

Ein besonderes Lob gebührt dabei dem Reifenhersteller. Pirelli hat mit dem Diablo Rosso II einen 240er Hinterreifen geschaffen, der sich trotz üppigster Ausmaße hervorragend um die Ecken treiben lässt. Gripp und Handling sind für eine 240er-Walze hervorragend. Zur fast sportlichen Performance trägt auch die straffe Fahrwerksabstimmung bei. Aufschaukeln bei Bodenwollen? Nicht mit der Diavel. Wer eine Komfortsänfte mit Power sucht, sollte sich woanders umschauen. Die Diavel ist ein Brett. Zwar nicht bretthart, aber auf weniger gutem Belag ein Rüttelbrett. Und sie ist ein Lot. Denn ständig ist man dabei seine eigene Wahrnehmung aus zu loten. Mit einem verkappten Cruiser so um die Ecke biegen? Wo sind denn die Fußrasten, die müssten doch schon längst kratzen. Da geht ja noch ein Stückchen mehr.

Ducati Diavel Carbon 05

Die Kehrseite? Theoretisch gibt es einen Platz für Beifahrer, aber halt nur theoretisch. Ähnlich sieht es mit Gepäck aus. Alles was über eine Kreditkarte hinausgeht, sollte man vergessen. Zwar bietet Ducati auch Packtaschen an. Die Optik tendiert dann allerdings extrem Richtung Augenkrebs. Sie ist halt nicht praktisch. Will sie auch gar nicht sein. Sie ist wie eine Frau vor der dich Mama immer gewarnt hat – und gerade deshalb so geil. Teuflisch eben.