Aprilia ETV 1000 CapoNord

Aprilia ETV 1000 CapoNord


Richtung Norden

Doch dann niemals geradeaus. CapoNord - so heisst die neueste Interpretation aus Italien zum Thema Groß-Enduro. Africa Twin, Dakar und Ténéré. Zur Namensgebung von Abenteuerbikes englischer Hersteller müssen sogar die "Tiger Asiens" herhalten. Und da kommen die Italiener daher und scheren einfach aus der Reihe.

Mit Cagiva hat's schon angefangen: Von der Elephant zur Navigator. Na gut. Doch was zum Kuckuck treibt die Südländer aus Scorz‚ dazu, dem jüngsten Spross aus dem Hause Aprilia den Namen Nordkap zu geben? Kälte, Regen, und immer geradeaus fahren? Aber nicht doch. Denn das sind ja nur die Stereotypen von Leuten, die noch nie im Norden waren. Klar, ganz nüchtern betrachtet ist auch das uns bekannte Nordkap nur ein nackter Felsen im Meer auf der norwegischen Insel Mageröy. Und dieser Stein ist nur der zweitnördlichste Punkt Europas. Der wirklich nördlichste Punkt liegt auf einer Landzunge - genannt Knivskjellodden - auf der gleichen Insel unter 71°11'08'' nördlicher Breite. Aber kann man Bikes und bedeutungsschwangere Landmarken einfach nur nüchtern betrachten? Niemals. Denn sonst müsste man das neue Aprilia-Bike ja "Knivskjellodden" nennen. Blödsinn. Ratio ist gut - Emotionen sind besser: Der Norden ist geheimnisvoll, unbekannt und doch vertraut. Besonders für uns Biker. Warum? Norwegen zum Beispiel verbindet hochalpinen Fahrspass mit unvergleichlicher landschaftlicher Vielfalt. Ein Land voller Gegensätze, eine der schönsten Regionen Europas, gespickt mit genialen Strecken, Fjorden und Gebirgen. Eine tolle Alternative zu den überlaufenen Alpen. Von wegen Transalp.

Wie das Land...

Denn scheinbar unvereinbare Gegensätze verbindet auch das neue Motorrad aus Bella Italia. Geht wie der Teufel und ist - wenn es sein muss - lammfromm. Mit anderen Worten: Vielseitigkeit, Power und einfaches Handling waren sicherlich die Vorgaben der Aprilia-Ingenieure für die CapoNord. Die Italienerin mit dem Nordland-Flair vermittelt schon auf den ersten Metern einen derart guten Draht zur Fahrbahn, dass der Pilot das Gefühl nicht los wird, er hätte niemals ein anderes Bike gefahren. Spielerisch rennt die Italienerin ums Eck und sogar Bremsmanöver in extremster Schräglage - selbst in engen Spitzkehren - bringen das Fahrwerk der CapoNord nicht im Geringsten aus der Ruhe.

Also alles im grünen Bereich. Und was ist mit Abenteuer? Aber sicher. Aussergewöhnliche Erlebnisse gibt es ja nicht nur im Süden - in den Wüsten Afrikas, oder? Wie klingt denn das: "Kurz vor Uppsala rechts halten, dann immer der E4N nach, Richtung Norden." Oder das: "Northcape. Once in a lifetime, every rider has to do this trip." Das dachte sich wohl auch Aprilia und schuf das passende Bike dazu. Und zwar in ihrer Entwicklungsabteilung in Lugano. Aber wie sieht es denn wirklich aus, das Abenteuer Nordkap? So: 24 Stunden Tageslicht. Hoch im Norden scheint die Sonne rund um die Uhr - und da gerät beim Piloten eines komfortablen Langstrecken-Bikes schon mal das Gefühl für Tag und Nacht durcheinander. Eben weil das exzellente Fahrwerk und die hervorragende Sitzposition der CapoNord gar keine Langeweile oder Müdigkeit aufkommen lassen. Dieses Bike sucht geradezu den sportiven Einsatz, ohne vom Piloten höchste Aufmerksamkeit oder gar sportliche Härte zu fordern. Und das, trotz des mit 98 PS stärksten Motors der Gross-Enduro-Klasse. Weniger ist mehr. Weniger Leistung, dafür mehr Drehmoment. Das sind die Hauptunterschiede zum Futura-Antrieb. Der um 4 mm verkleinerte Drosselklappendurchmesser sorgt für besseren Gasdurchsatz bei niederen Drehzahlen. Die modifizierten Steuerzeiten und die niedrigere Verdichtung nehmen dem Triebwerk aber keineswegs den Pepp.

Aprilia ETV 1000

Eine gute Kombination, denn auch der Norden ist kurvig. Ganz im Gegensatz zur Optik der Italienerin. Die ist nämlich eckig wie ein Felsen in der Nordsee. Aber das steht ihr gut zu Gesicht. Die Aprilia brilliert nicht nur mit eigenständigem Design. Die Synthese aller Tugenden heißt Leistung im Überfluss, ein breit nutzbares Drehzahlband, neutrales Handling, ausreichende Schräglagenfreiheit, guter Sitzkomfort sowie exzellenter Wind- und Wetterschutz. Damit dürfte die rassige Italienerin der Konkurrenz nicht nur auf den Straßen des hohen Nordens das Fürchten lehren. Denn soviel wird schon auf den verwinkelten Straßen am Südkap Sardiniens klar: Hondas Varadero wird auf kurvigen Etappen mit ihrem eher sänftenhaften Fahrwerk garantiert zurückstecken müssen. Und selbst die als Kurvenschreck berühmt gewordene BMW R 1150 GS wird ihre liebe Mühe mit der Agilität der neuen CapoNord bekommen. Auch die Mitstreiterin aus dem eigenen Lande, die Cagiva Navigator, dürfte - zumindest fahrwerksseitig - eindeutig das Nachsehen haben. Dabei überzeugt die Neue nicht nur in sportlicher Hinsicht: Die Italienerin bietet für Fahrer und Passagiere jedweder Größe ordentlich Platz und einen tourengerechten Aktionsradius. Sogar an die Bordsteckdose haben die Ingenieure gedacht. Für die grosse Fahrt gibt es natürlich ein aufpreispflichtiges Koffersystem.

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