BMW C evolution

BMW C evolution


Gegen den Strom schwimmen

BMW präsentiert mit dem C evolution nicht den ersten, aber mit Sicherheit den ausgereiftesten Elektro-Scooter. Elektro und Scooter sind Begriffe die gestandenen Motorradfahrern in der Regel im besten Fall ein mitleidiges Lächeln abringen, in der Regel sogar eher für Hohn und Spott sorgen, spätestens in der genannten Kombination. Der Autor war da bislang keine Ausnahme. Bislang. Denn nach den ersten Fahrten als elektrischer Reiter mit dem C evolution kommt man dann doch ins Grübeln. Denn es gibt Einsatzgebiete, da macht das Teil alles nass was ihm vor die Elektro-Schnauze kommt. Gestandene Motorradfahrer inklusive.

Roller? Nicht unser Ding. Kleine Räder, plärriger Sound. Entweder sitzen Teenies oder Rentner drauf. Die einen, weil sie noch nichts anderes, die anderen weil sie nichts mehr anderes können. Ja, auch Roller können durchaus Spaß machen. Der Test des C600 Sport ist ja der beste Beweis. Dennoch. Mal witzig – aber halt nur mal. Elektrofahrzeuge? Nee, danke. Gerade beim Motorradfahren geht es auch um Sound, Geruch, Vibrationen. Man will ja mit allen Sinnen fühlen. Und ein Handmixer auf Rädern kann da ja nix liefern. Und dann noch einen Elektro-Großroller? Höfliches Doppel-Danke! Nichts für mich. BMW hat den C evolution dennoch gebracht. Erst als Konzept und jetzt fix und fertig steht er auf den knubbeligen Rädern. Also Tasche gepackt und ab nach Barcelona wo wir den elektrischen Reiter spielen dürfen.

BMW C evolution 07

Dort angekommen, fallen einem 2 Dinge auf. Zum einen das absolute Verkehrschaos. Rote Welle ist angesagt, fließender Verkehr ist ein Fremdwort. Dazu sind Unmengen an motorisierten Zweirädern unterwegs. Überwiegend Roller, aber auch einige Motorräder aller Marken und Kategorien. Macht natürlich bei dem Durcheinander und dem ganzjährig milden und trockenen Wetter Sinn. Die Roller schlüpfen flink durch und nutzen jede noch so kleine Lücke. Wir sitzen in unserer klimatisierten Blechdose, kriechen im Schneckentempo dahin und beneiden die Rollerpiloten. Ups! Verstopfte Innenstadt, Roller, Sinn machen und beneiden? Die kopfeigenen Zahnrädchen drehen sich und so langsam dämmert es dem gestandenen Motorradfahrer: ob man Scooter nun mag oder nicht, es gibt Einsatzgebiete da sind die Teile unschlagbar. Was für uns nicht immer offensichtlich ist, hat sich in Südeuropa schon längst herum gesprochen. Hier ist der Roller gerade in Ballungsgebieten vollwertiges Pendlerfahrzeug. Praktisch weil wendig und mit Stauraum gesegnet. Die Karosserie schützt bei schlechtem Wetter Bein- und Schuhwerk.

BMW C evolution 08

Auftritt C evolution. Schick und stylish steht er da. Seinen Konzern-Geschwistern nicht unähnlich, aber dennoch eigenständig. Die lässt er in Sachen Qualität und Verarbeitung deutlich hinter sich. Während die ersten Exemplare von C600 Sport und C650 GT nicht das hielten was man von Premium erwartet, ist der jüngste Spross ein Musterbeispiel dafür. Alles andere wäre bei einem Grundpreis von 15.000 Euro auch nicht akzeptabel. Der rollertypische Durchstieg ist nur noch in Ansätzen vorhanden, da die Akkueinheit den Platz beansprucht. Das ringt uns ein kleines Lächeln ab, da ein BMW-Manager bei der Präsentation der Benzin-Roller den Integra von Honda nicht als Konkurrenz sah. Wegen fehlendem Durchstieg, ist ja daher kein richtiger Roller. Egal. Die Akkus kosten nicht nur Fuß- sondern auch Stauraum. Unter dem Soziussitz befindet sich noch ein Helmfach, der Rest muss draußen bleiben. Die Nennleistung liegt bei 15 PS, die Maximalleistung bei ca. 48 Pferden. Dazu kommt noch ein Drehmoment von 72 NM über den gesamten Drehzahlbereich. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 120 km/h. Damit ist der C evolution mit dem A1 fahrbar, ist also wie eine 125er eingestuft. Trotz der möglichen Maximalleistung von bis zu 48 PS.

BMW C evolution 10

Genug der Theorie. Schlüssel rum und auf den Starter gedrückt. Es tut sich nichts. Zumindest nicht solange man nicht den Gas- will sagen Stromgriff dreht. Dann setzt sich der C evolution lautlos in Bewegung. Wobei „in Bewegung“ nur eine vage Beschreibung dessen ist, was sich schubtechnisch abspielt. Wer den Stromfluss auf Anschlag stellt, wird Sturm ernten. Zugegebenermaßen einer ohne Donnergrollen. BMW spricht von sensationellen 2,7 Sekunden auf 50, was locker dazu reicht an der Ampel alles aufzuschnupfen was neben einem steht. Ist ja auch kein Wunder, drückt doch das Drehmoment von 72 NM von der ersten bis zur letzten Umdrehung. Da wird der Traktionskontrolle alles andere als langweilig, hat sie doch auf Fahrbahnmarkierungen und ähnlichem ständig Regelbedarf. Holla die Waldfee! Wir hatten ja mit vielem gerechnet, aber damit nicht. Wir drehen das Rad mal ein paar Sätze zurück. Wir reden letztendlich von einer (aus Zulassungssicht) 125er. Wer jetzt glaubt der Schub steht nur vorübergehend zur Verfügung, tappt abermals in die Vorurteilsfalle. Beschleunigt wird immer mit der vollen Power. Die reicht in der Regel für ca. 100 km Reichweite. Je nach Fahrmodus. Von dem gibt es nämlich 4. Am meisten Spaß macht natürlich Dynamic: maximal Beschleunigung aber auch starke Rekuperation. Reku was? Der Elektromotor simuliert per Schleppmoment eine Motorbremse. Dieses wiederrum wird dazu verwendet die Batterie zu laden. Die Verzögerung der Motorbremse ist übrigens so stark, dass die Bremsleuchte aktiviert wird. Die Motorbremse wird übrigens bei allen Bremsmanövern dazu genommen, egal in welchem Modus. Der Antrieb sorgt also grundsätzlich für zusätzliche Verzögerung. Im Eco Pro Modus wird sanfter beschleunigt und noch stärker rekuperiert. Das soll die Reichweite um etwa 10 bis 20% erhöhen. Der Road-Modus ist die goldene Mitte: volle Beschleunigung  mit etwas weniger Rekuperation. Der Sail-Modus ist aus unserer Sicht eher ein Gimmick. Geht man hier vom Gas, „segelt“ die Fuhre annähern ungebremst weiter.

BMW C evolution 11

Die Fahreigenschaften erinnern stark an den C600 Sport. Das Fahrwerk ist straff und vermittelt eine recht gute Rückmeldung bezüglich der Fahrbahn. Die Schräglagenfreiheit ist hoch, das Handling unkompliziert. Erst bei tieferen Schräglagen wird das Fahrverhalten etwas kippelig, dann ist man allerdings schon deutlich außerhalb der Norm unterwegs. Kurvenfahrten sind ein echtes Vergnügen, denn der C evolution drückt auch aus der Biegung als wäre der Stromdieb hinter ihm her. Ganz geräuschfrei geht das alles jedoch nicht von statten. Der Antrieb gibt je nach Fahrzustand und Geschwindigkeit pfeifende bis jaulende Lebensäußerungen von sich. Damit ist er nicht lauter als andere, allerdings hört man es einfach aufgrund des fehlenden Motorgeräusches.