Suzuki GSX 1300 R Hayabusa

Suzuki GSX 1300 R Hayabusa


Der japanische Rekordfalke

Als erstes Großserienmotorrad durchbrach Suzukis GSX 1300 R Hayabusa 1999 die 300 km/h-Schallmauer. Es dauerte nicht lange, bis Kawasaki mit der ZX-12R nachzog. Aber schon 2001 einigten sich die Hersteller, die Höchstgeschwindigkeit auf 300 km/h zu begrenzen, um Beschränkungen durch den Gesetzgeber zuvor zu kommen.

So bleiben beide Modelle jetzt knapp unter dieser freiwillig gewählten Grenze. Wer sich schon jemals in diesen Temporegionen bewegt hat. Wird erkennen, wie unsinnig der Kampf um ein paar Kilometer mehr Endgeschwindigkeit ist. Um muntere 175 Pferdestärken bei 9.800 Umdrehungen in der Minute aus dem Vierzylinder zu quetschen, benötigen die Japaner weder Turbolader noch Kompressor. Das Triebwerk ist vergleichsweise simpel, aber effektiv und mit einem Ram-Air-System auch modern gestrickt. Immerhin liegen bei 7.000 Touren gigantische 141 Newtonmeter an der Kurbelwelle an. Dabei wären nach Aussage der Suzuki-Techniker sogar 200 PS möglich gewesen. Aber das Aggregat sollte die Hayabusa-Piloten nicht überfordern und wurde so auf mehr Drehmoment und sanft einsetzende Leistung ausgelegt. Die Ventile sind extrem steil angestellt, um Platz für möglichst große Ventilteller und damit einen optimierten Gasdurchsatz zu schaffen. Die Kurbelwelle ist stabil fünffach gelagert und die Zylinder sind reibungsmindernd beschichtet. Weitere technische Gimmiks: hydraulisch betätigte Anti-Hoppingkupplung, elektronisches Motormanagement, in die Kerzenstecker integrierte Zündspulen und eine moderne Saugrohreinspritzung mit 46 mm-Drosselklappen.

Ab 2002 waschen geregelte Katalysatoren zusammen mit dem Sekundärluftsystem die Abgase sauber. Das Fahrwerk wurde mit einem stabilen Brückenrahmen aus Aluminium-Profilen, den voll einstellbaren Federelementen und der massigen Hinterradschwinge den zu erwartenden Herausforderungen angepasst. Lenkkopfwinkel (65,8°) und der kurze Nachlauf (97 mm) sorgen auch bei hohen Geschwindigkeiten für eiserne Stabilität. Das allseits gefürchtete Lenkerschlagen beim Beschleunigen kennt der Hayabusa-Pilot nicht. Das mag damit zusammenhängen, dass 51 Prozent des für ein Motorrad dieser Größenordnung erstaunlich geringen Gewichts von 251 Kilogramm auf dem Vorderrad lasten. Tacho, Drehzahlmesser und Temperaturanzeige im Cockpit werden von kleinen, elektronisch gesteuerten Schrittmachermotoren angetrieben. Helle Kontrollleuchten gehören ebenso zur Ausstattung wie eine Digitaluhr, ein digitaler Kilometerzähler und zwei Benzinverbrauchsanzeigen. Ein Selbstdiagnosesystem, es auch im PKW-Bereich eingesetzt wird, rundet das Informationspaket ab.

Hayabusa 4

Auch kleinere Menschen bekommen auf der Hayabusa beim Ampelstopp beide Beine auf den Boden. Auf Knopfdruck springt der mächtige Vierzylinder mit dumpfen Grollen spontan an. Nach dem Zug am nicht gerade leichtgängigen Kupplungshebel flutscht der erste Gang leicht und ohne Krachen in seine Position. Die Hochgeschwindigkeits-Suzuki rollt bei sanftem Gaseinsatz ganz einfach los, ohne den Piloten mit irgendwelchen Mätzchen zu strapazieren. Beim wilden Beschleunigen ist man über jedes Stückchen Gummi- und davon bietet der 190er Hinterradreifen genug, mehr als dankbar. Immerhin reißt die Hayabusa Mensch und Maschine in unglaublichen 2,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h und weitere 4,7 Sekunden später wird die 200 km/h-Marke erreicht, ohne dass der Vorwärtsschub nachlässt. Das drehmomentstarke Triebwerk stürmt praktisch ab Leerlaufdrehzahlen so vehement los, dass mit dem sechsten Gang der Geschwindigkeitsbereich zwischen 60 und 299 km/h, wo weiterer Vorwärtsdrang vom Tempobegrenzer unterbrochen wird, abgedeckt werden kann. Schon bei mittleren Geschwindigkeiten zerrt der Fahrtwind an den Schultern und der Helm liegt nur dann nicht im Luftstrom, wenn sich der Fahrer komplett zusammenfaltet.

Hayabusa 5

Die Füße ruhen entspannt auf den recht hoch montierten Fahrerfußrasten. Pilot und Sozius können sich über eine komfortable Sitzgelegenheit freuen. Durch den langen Tank und die recht tief verschraubten Lenkerstummel sitzt der Pilot weit nach vorn gebeugt mit dem entsprechenden Gewicht auf den Handgelenken und dem Vorderrad. Trotz des fetten 190er Bridgestone BT 56-Reifens gelingen selbst schnelle Richtungswechsel fast spielerisch. Spurtreue, Zielgenauigkeit und Neutralität sind vorbildlich. Lediglich Bodenwellen in Schräglage mag der japanische Wanderfalke nicht so gern. Im Bremsfall zwicken die beiden Sechskolbensättel die Bremsscheiben gut dosierbar mit überzeugender Wirkung. Der Benzinkonsum hängt von der Gashand des Fahrers ab. Er kann entscheiden ob 5 Liter oder bei Vollgas 12 Liter durch die Einspritzdüsen gedrückt werden.

Hayabusa 2