Harley Davidson Electra Glide Ultra Classic

Harley Davidson Electra Glide Ultra Classic


Mehr Schein als Sein

Die Electra Glide Ultra Classic ist Harleys Eierlegende-Wollmilchsau. Schon in der Standard-Version ist sie voll ausgestattet mit Tourer-Accessoires, die es bei sparsamer ausgerüsteten Electra Glide Standard nur im Zubehörprogramm gibt. Das Ganze hat natürlich seinen Preis: der liegt bei beachtlichen 25.655 Euro. Für den Preis müsste die Harley eigentlich perfekt sein, aber davon ist sie weit entfernt.

Kawasaki VN1700 Voyager und BMW K1200LT bieten ein ähnliches Fahrerlebnis für weit weniger Geld. Aber fast alle Modelle von Harley-Davidson haben günstigere Konkurrenten. Doch die bieten halt nicht den Kult und Charakter der Marke Harley-Davidson – und haben daher oft in der Käufergunst das Nachsehen. Die Ultra Limited hat den bekannten V-Twin Motor mit 1584 Kubik wie er bei allen „großen“ Harleys zum Einsatz kommt. Lediglich die E-Glide Ultra Limited hat einen größeren, kostet aber auch über 2.300 Euro teurer als die Ultra Classic. Das mächtige Drehmoment von 136 NM liegt bereits bei 3.500 Umdrehungen an. Die Leistung liegt bei bescheidenen 75 PS. Egal, die E-Glide Ultra Classic will ja auch keine Rennmaschine sein. Insgesamt hat der Motor aber schon gut zu tun, immerhin wollen die 400 kg Trockengewicht ja auch bewegt werden. Im Rahmen dessen ist die Beschleunigung gut und der Durchzug sogar noch ein wenig besser. Wunder sollte man aber wie gesagt keine erwarten.

Harley Davidson Electra Glide Ultra Classic 04

Fahrwerkstechnisch sind natürlich auch keine Überraschungen zu erwarten. Die Harley-Davidson Electra Glide ist für´s Cruisen ausgelegt. Gegen sportliche Gangart spricht zum einen das hohe Gewicht, zum anderen der fehlende intensive Kontakt zur Fahrbahn. Den haben die Trittbretter dafür umso schneller, die setzen nämlich ziemlich früh auf. Man hat wenig bis kein Gefühl für den Vorderreifen, Gabel und Federbein stossen schnell an ihre Grenzen. Also die Sache lieber etwas gemütlicher angehen lassen, dann vermittelt die Ultra Classic auch den wohligen Charakter der Marke. Auch die Bremsen befürworten diese Gangart. Sie funktionieren mit ordentlicher Handkraft zwar tadellos, aber wie immer: keine Wunder erwarten.

Harley Davidson Electra Glide Ultra Classic 02

Die Kontrollinstrumente und Schalter tendieren natürlich in die Richtung old school oder liebevoller gesagt: traditionell. Die Bedienung wird niemanden überfordern. Alles ist dort zu finden wo man es auch vermutet. Lediglich der Blinker wird harleytypisch anders gehandhabt: der linke wird vom linken Lenkerende, der rechte vom rechten Lenkerende aus betätigt. Egal von welcher Lenkerhälfte aus angeschaltet, abgeschaltet wird immer automatisch. Die Blinkerabschaltung ist sehr zuverlässig und immer willkommen. Die Verarbeitung ist top, die Lackierung ebenfalls. Wer will kann seine Ultra Classic mit optionalem Zubehör ausstatten: Zweifarbenlackierung, Heizgriffe, Top Case, Koffer, Gepäckrolle und eine 80 Watt Harmon-Kardon Stereoanlage. ABS, Seitenkoffer und Tempomat bringt die Harley-Davidson Electra Glide Ultra Classic schon serienmäßig mit.

Harley Davidson Electra Glide Ultra Classic 03

Wie so oft ist es schwer eine Harley-Davidson ganz nüchtern zu betrachten. Da macht die Electra Glide Ultra Classic keine Ausnahme. Wie üblich gibt es vergleichbare Motorräder für weniger Geld. Diese sind dann meistens auch noch moderner und können alles besser. Aber wer wollte denn in der Schule schon neben denen sitzen die alles besser konnten. Und genau hier schlägt auch die Stunde der Electra Glide. Sie hat serienmäßig den Harley-Davidson Charakter verbaut. Bietet den einfach nur geilen Harley-Sound, schüttelt sich herrlich im Stand und sorgt an jeder Ecke für verdrehte Hälse der Passanten. Mit einem Streber kriegt man sowas halt nicht hin.