Yamaha XJ6 Diversion F (2010)

Yamaha XJ6 Diversion F (2010)


"F"-erkleidete XJ

Von allen Neuerscheinungen in 2010 waren die Designer bei der Yamaha XJ6 Diversion F wohl am faulsten, ist diese doch im Grunde genommen eine Diversion mit Vollverkleidung und ABS. Muß ja kein Schaden sein, wenn sie die positiven Qualitäten der Schwester gleich mit übernommen hat. Wir finden die Vollschale jedenfalls stylischer als die Halbschale.

Der Motor wurde früher mal in der 2003er YZF-R6 eingesetzt und zeigt eine etwas merkwürdige, allzu bereitwillige Drehfreude ohne jedoch seine Grenzen zu erreichen. Die Leistungskurve ist recht flach und wenig einschüchternd, weder für Neueinsteiger noch auf nasser Fahrbahn. Unterhalb von 3.000 U/Min. ist das Ansprechverhalten etwas unscharf, aber darüber läuft die Diversion ohne Mucken. 78 PS holt die Diversion F aus 600 Kubik. Das Drehmoment von gerade einmal 59,7 NM liegt erst bei 8.500 Umdrehungen an. Die Bedienung der 6-Gangbox geht ebenfalls leicht von der Hand, bzw. dem Fuß. Dennoch hinterlässt die XJ6 einen spiespältigen Eindruck. Der Motor läuft tadellos, die Schaltung funktioniert wie von selbst, alles einfach und unspektakulär. Aber hier liegt das Problem. Der Motor bietet weder Punch aus dem Drehzahlkeller noch findet sich eine Drehzahl wo er spürbar nach vorne prescht. Dies ist auf Dauer etwas langweilig, auch wenn die Performance nicht schlecht ist.

Diese Unaufgeregtheit setzt sich auch beim Fahrwerk fort. Die Diversion F lässt sich flott fahren, gibt prima Rückmeldung auch im Nassen und ist gut austariert. Das hintere Federbein geht bei Solo-Fahrten in Ordnung, bei harten Fahrmanövern oder im Soziusbetrieb wird es allerdings eng. Hier kommt schnell Unruhe ins Fahrwerk, dann hilft nur noch Gas wegnehmen. Nichts bedenkliches, wie gesagt: eben unaufgeregt. Die Gabel ist ebenfalls komfortabel abgestimmt, kommt allerdings nicht ganz so schnell an ihre Grenzen wie das Federbein. Insgesamt lässt sich die Yamaha einfach bewegen und überfordert den Fahrer nicht. Somit passt die Diversion F auch perfekt zur Zielgruppe: Ein- und Wiedereinsteiger. Die Bremsen fügen sich dann auch harmonisch ins Bild ein: sie erledigen ihren Job absolut zufriedenstellend und durch das serienmäßige ABS auch noch sicher. Hier gibt’s nix zu meckern. Well done!

Yamaha YJ6 Diversion F 01

Kommen wir zum Preis. 7.495 Euro für ein vollverkleidetes und vernünftiges ausgestattetes Motorrad ist eine echte Kampfansage an die Konkurrenz. Zumal die XJ6 Diversion F auch noch ein wirklich schickes Teil ist. Sie wirkt deutlich teurer als der günstige Einstiegspreis. Die Instrumentierung ist komplett, neben dem analogen Drehzahlmesser findet sich eine Digitalanzeige für Geschwindigkeit, Tankanzeige, Uhrzeit und Tripzähler. Die Sitzposition ist entspannt, der Oberkörper leicht nach vorne gebeugt. Der Kniewinkel ist sowohl für Fahrer als auch für den Beifahrer angenehm. Die Spiegel bieten eine guten Blick für die Dinge die hinter einem passieren. Für ein Mittelklassemotorrad gut sind: ABS-Bremsen serienmäßig, ein dezentes Staufach unter der Sitzbank, Hauptständer und praktische Soziushaltegriffe.

Yamaha YJ6 Diversion F Tacho